Aufsatz 
Denkschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens des Ernst-Ludwigs-Seminars zu Bensheim : Hundert Jahre Seminar. Schülerverzeichnis /
(Nach Urkunden bearb. von [Johannes] Ledroit)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

Arbeit, bei der allerdings kleinere Fortſchritte auch nicht fehlen. Wir nennen z. B. den Betrieb des Handfertigkeitsunterrichtes von 1893 ab durch Seminarlehrer Buxbaum, den Beſuch ein⸗ und zweiklaſſiger Schulen z. B. in Hauſen, Schönberg, Zell, Gronau, Reiſen und Hochſtädten ſeit 1897, die Aenderungen im Lehrplane im ſelben Jahre, die Religion und Muſik wieder je eine Stunde mehr brachten, dem Schönſchreiben aber eine Stunde nahmen, die Erteilung des Stenographieunterrichtes durch Lehrer Michel ſeit 1899, die Einführung des Uaterrichts in Geſundheits⸗ lehre, den Kreisarzt Dr. Groos erteilte, im Jahre 1900, die Umgeſtaltung des Zeichenunterrichtes nach dem neuen vom Miniſterium herausgegebenen Lehrplane 1904/05, das Unterrichten im Modellieren durch Seminarlehrer Muth und die Erteilung landwirtſchaftlicher Naturkunde ſtatt Obſtbau durch denſelben ab 1906. Geiſtige Anregung erfuhren die Schüler auch durch die mehrtägigen Ausflüge, deren erſter 1873 die Schlachtfelder Weißenburg und Wörth als Ziel hatte, während die von 1888 ab regel⸗ mäßig alle paar Jahre wiederkehrenden nach dem Odenwald, Vogelsberg, Rhön, Haardt, Rhein⸗ und Moſeltal, Lahntal, Schwarzwald, Vogeſen, ja einmal nach den Alpen gingen. Eintägige Spaziergänge führten ſeit 1906 in die friſche Gottesnatur, aber auch zu Stätten wiſſenſchaftlicher élrt wie zoologiſcher Garten und Aquarium in Frankfurt, botaniſcher Garten in Darm⸗ ſtadt, das Städelſche Inſtitut am erſtengenannten Orte, das Muſeum am zweiten und die Glockengießerei in Frankenthal, ſowie Fabriken in Bensheim. Der Beſuch der Taubſtummenanſtalt im Winter durch die Oberklaſſe ge⸗ ſchah ſektionsweiſe. Das Hoftheater in Darmſtadt wurde regelmäßig von den Zöglingen unter Führung von Lehrern ſeit dem Winter 1897 beſucht. Reiche Belehrung boten die ſeit demſelben Jahr eingeführten Vorträge von Seminarlehrern im Winter im Turnſaale, wobei ſich Prof. Werner beſonders durch ſeine Vorträge über Kunſt großes Verdienſt erwarb.

Aber auch die Unterhaltung ward nicht vergeſſen. Dazu dienten beſon⸗ dere Unterhaltungsabende im Jahre 1899, die Weihnachtsfeiern ab 1899 und ſchon die länger üblichen Faſtnachtsveranſtaltungen.

Von Schulfeiern ſind zu erwähnen die ſeit alters geübten von Großherzogs Geburts⸗ und Namenstag, ſeit 1872 die des Gedenktags der Schlacht bei Sedan und ſeit 1893 auch von Kaiſersgeburtstag. Von der ſonſt üblichen Art des Begehens dieſer Feſte an höheren Schulen unterſchied ſich die des Seminars durch den Feſtgottesdienſt jedesmal am Morgen.

Daneben fanden öffentliche Prüfungen u. alljährlich eine Schlußfeier ſtatt.

Auch einige Fortſchritte in der Wertſchätzung des Seminars ſind aus dieſer Epoche noch zu melden. So wurden ſeit 1897 den Seminardirektoren die Präparandenanſtalten, alſo hier die von Lindenfels, unterſtellt, im ſelben Jahre den Abiturienten des Seminars die wiſſenſchaftliche Befähigung zum einjährig⸗freiwilligen Dienſte zuerkannt, und 1903 den Volksſchullehrern, die im Seminar beim Abgange die erſte und in der Definitorialprüfung die erſte oder zweite Note erhielten ſowie drei Jahre ſich im praktiſchen Dienſte bewährt hatten, als Studierende der Pädagogik an der Lan⸗ desuniverſität zugelaſſen und ihnen dann eine beſondere Prüfung ge⸗ ſtattet. Seit 1907 führt das Seminar den einfachen Namen Seminar und nicht mehr Schullehrer⸗Seminar. Wenn wir zum Schluſſe noch er⸗ wähnen, daß zahlreiche Beſuche und Inſpektionen durch geiſtliche und weltliche Behörden, wie die hochw. Biſchöfe Haffner, Brück und Kirſtein, Staatsrat von Knorr, Geh. Rat D. Flöring, die Geh. Oberſchulräte Greim,