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„Viele Gäſte waren ſchon am Vorabend des Jubeltages eingetroffen, aber am Tage ſelbſt brachten die Bahnzüge aus allen Gegenden Feſt⸗ teilnehmer. Das Seminar bot nun ein prächtiges Schauſpiel dar; denn⸗ jetzt trafen daſelbſt Freunde und Bekannte in großer Zahl und in beſter Stimmung zuſammen“.(Programm 1871/72).
Henderungen im Charakter des Seminars 1874—- 77.
Die heftigen politiſchen Kämpfe in den Parlamenten in den ſiebziger Jahren blieben nicht ohne Einfluß auf die Seminarien. Sie haben zur Folge die Laiſierung des Direktorats und die Simultaniſierung der An⸗ ſtalten ſelbſt. Erſteres kommt in Bensheim darin zum Ausdruck, daß Direktor Weinheim im Sept. 74 in den Ruheſtand verſetzt und an ſeiner Stelle Reallehrer Joh. Baptiſt Mühr zu Bingen ernannt wird, und letzteres dadurch, daß für die zahlreich eintretenden evangeliſchen Schüler Oſtern 1877 ein Religionslehrer in Pfarrvicar Wilhelm Flegler beſtellt wird. 1872 fand in Berlin eine Konferenz hervorragender Schulmänner ſtatt, deren Ergebnis die„Allgemeinen Beſtimmungen“ von 1872 waren, die nicht nur den Volksſchulen, ſondern auch den Seminarien höhere Ziele ſteckten. Für Heſſen kamen die entſprechenden Veränderungen im Volks⸗ ſchulgeſetz von 1874 zum Ausdruck. Viel neues gegen den Lehrplan von 1868 brachte der dort niedergelegte Plan für Seminarien nicht, wie folgende Zuſammenſiellung in der Veränderung der Stundenzahlen beweiſt.
Es bekamen:
mehr: weniger: Pädagogik 1 Stunde Religion 1 Stunde Deutſch 2„ Schönſchreiben 2„ Naturkunde 4„ Geographie 1„ Muſik 4„ 7 Stunden 8 Stunden
Franzöſiſch wird mit 8 Stunden, aber fakultativ bedacht.
Wichtiger iſt aber etwas anderes, nämlich daß man 1875 zwei neue Lehrkräfte in dem Lehrer an der Bürgerſchule zu Karlsruhe Georg Ohly — er bekommt die 6. Seminarſtelle— und dem Schulverwalter Coy zu Gießen, den man als„Hülfslehrer“ verwendet, anſtellt, welch letzterer ſchon bald durch Schulverwalter Peter Joh. Jans, ſeither in der Volks⸗ ſchule in Bensheim, erſetzt wird. Auch ſind von nun an 5 Muſterlehrer verzeichnet. Dadurch wird es nicht nur möglich, die hemmend wirkenden Kombinationen des Planes von 1868 zu beſeitigen, ſondern auch den Muſikunterricht, der ja 4 Stunden verlor, doch wieder dadurch zu ent⸗ ſchädigen, daß man die Unterrichtsſtunden für Orgel, Klavier und Violine ſowie 1 Singſtunde in Abteilungen gab.
Weſentliche Aenderung erfuhr, der Entwicklung der Naturwiſſenſchaften entſprechend, alſo eigentlich nur der naturwiſſenſchaftliche Unterricht. Heſſen war, wie ſo oft noch, in der Entwickelung des Schulweſens Preußen eben ſchon früher vorangeſchritten.
Ruhige ſtete Rrbeit 1877— 1911.
Dem Bedürfnis nach Neuerungen und Fortſchritten im Lehrplan war nun für einige Zeit Genüge getan, die neuen Verhältniſſe mußten ſich wieder feſtigen und ſo finden wir denn wieder eine Periode ruhiger ſteter


