Aufsatz 
Denkschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens des Ernst-Ludwigs-Seminars zu Bensheim : Hundert Jahre Seminar. Schülerverzeichnis /
(Nach Urkunden bearb. von [Johannes] Ledroit)
Entstehung
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Auf die bereits früher in die Seminarien eingetretenen Zöglinge hat die neue Einrichtung hinſichtlich der Zeitdauer des Seminarbeſuchs keine rückwirkende Kraft und erfolgt deren Entlaſſung nach den bisherigen Normen. Auch bei der neuen Einrichtung kann ſolchen Seminariſten, welche ſich bei tadelloſem Verhalten durch Befähigung, ſowie durch Fleiß und Eifer beſonders auszeichnen, ſchon am Ende des zweiten Jahres ihres Seminarbeſuches die Teilnahme an der Entlaſſungsprüfung aus⸗ nahmsweiſe geſtattet werden Die Seminariſten werden auch fernerhin in den Anſtaltsgebäuden, ſoweit dieſes der vorhandene Raum geſtattet, unentgeltlich Wohnung erhalten, es kann denſelben aber auf Anſuchen durch die Großh. Direktion des Schullehrer⸗Seminars auch geſtattet werden, unbeſchadet der Aufſicht und Disziplin, außerhalb der Anſtalt zu wohnen.

Wir erkennen unſchwer in der Weiterentwicklung des Seminars wieder den Parallelismus in der nun reifenden Entwickelung des Deutſchen Volkes zu einem wichtigen Faktor im Rate der Völker.

Da die neue Einrichtung ſich erſt 1871 vollſtändig auswirkt, erfolgen die nötigen Veränderungen im Lehrkörper erſt nach und nach. Die ſeitherige Hilfslehrerſtelle wird in eine vierte Seminarlehrerſtelle verwandelt und eine neue 5. Seminarlehrerſtelle geſchaffen, die im Okt. 69 mit dem Lehrer Auguſt Sulzbach zu Fehlheim beſetzt wird. Doch ſtirbt dieſer ſchon ein Jahr ſpäter anSchwindſucht; ſeine Stelle erhält Lehrer Bernhard Ofenloch zu Nieder Olm. 1870 ſtirbt auch Direktor Glab, an ſeine Stelle tritt der zweite Seminarlehrer Weinheim und an deſſen Platz der Lehrer am Konvikt zu Dieburg Martin Helm, ſo daß im Jubeljahr 1871 das Kollegium folgende Zuſammenſetzung hat:

Direktor Jakob Weinheim Gehalt 1303 fl. 36 kr.

II. Seminarlehrer Martin Helm 903 fl. 36 kr. einſchließlich des abgezogenen Tiſchweins und Koſtgeldes

III. Seminarlehrer Jakob Klaſſert 1009 fl. (Muſiklehrer)

IV. Seminarlehrer Georg Köpp 860 fl. beide ¼ in Naturalien

V. Seminarlehrer Bernhard Ofenloch 500 fl.

Außerordentliche Lehrer: Buchinger. Direktor der Taubſtummen Anſtalt. Lehrer an der Muſterſchule: Rektor Lippert 100 fl. Lehrer Voß 100 fl.

Die Jubelfeier ſelbſt wurde, nachdem der Krieg zwei Schüler nahmen am Feldzug teil dies eine Zeitlang zweifelhaft ließ, nach folgendem Programm am 1. und 2. Auguſt 1871 abgehalten:

1. Auguſt: 9 Uhr Feſtgottesdienſt in der Seminarkirche, nach dem Gottes⸗ dienſt Verſammlung im großen Saale des Seminars, wobei der Direktor, Oberſtudienrat Beyer, Domkapitular Ohler und Lehrer Lippert ſprachen.

1 Uhr Feſteſſen im Gaſthauſe zur Traube.

2. Auguſt: Trauergottesdienſt für die Verſtorbenen, daran anſchließend gemeinſchaftlicher Spaziergang und hierauf Eſſen und gemüt⸗ liches Zuſammenſein imDeutſchen Haus. 3