19
Das gab Großh. Miniſterium die Veranlaſſung zu mehreren Mahnungen an das Lehrerkollegium des Seminars. Von einer derſelben ſteht in den Akten:
„Großh. Miniſt. ſpricht den Grundſatz aus, daß die Schullehrer, ſowie die Lehrer an öffentlichen Anſtalten ſich pflichtgetreu ihrem Dienſte widmen und nicht im Verein mit der demokratiſchen Partei an Untergrabung der geſetzlichen Ordnung thätig ſeyen. Im betreffenden Falle ſoll gegen ſie mit Geldſtrafen und Abſetzung verfahren werden“.
— Und nicht weit davon finden wir— man verzeihe die Abſchweifung aber das Aktenſtück iſt zu intereſſant—
„Die Civilbeamten dürfen nur Backenbärte, die Poſt⸗ und Eiſenbahnbeamten und Forſtbeamten auch Schnurbärte tragen, dagegen ſind die Knebelbärte und um das Kinn getragene Bärte überhaupt verboten“.
„Lehrer Vollmer iſt ſeiner dienſtl. Funktionen entbunden jedoch ohne Einfluß für ſeine Gehaltsverhältniſſe“.
Er wurde ſpäter Lehrer in Mombach. Man hielt alſo doch noch gnädiges Gericht über ihn. Seine Stunden übernahmen zunächſt Lehrer Nohaſcheck von der Taubſtummenanſtalt und Seibert von der Volksſchule: bald wurde ſein Unterricht gemäß Weiſung des Miniſteriums, wohl mit Ausnahme der Turnſtunden, die wahrſcheinlich Nohaſcheck weiter hielt, an die Herren des Kollegiums verteilt.
1851 übernimmt Gymnaſiallehramtskandidat Dr. Cornelius Billhardt, der ſeinen„Acceß“ am Gymnaſium machte und zwar einen ellenlangen Titel hatte, aber keinen Gehalt bezog, die Stelle des Hilfslehrers. 1855 wurde Lippert von den Zeichen⸗ und Schreibſtunden und Hofgärtner Stork von denen im Obſtbau„unter Anerkennung für ihre dem Seminar treu geleiſteten Dienſten“ entbunden und ihre ſowie Billhardt's Stunden von dem ſeitherigen Schulvikar in Gabsheim Georg Köpp übernommen. Lippert blieb aber Muſterlehrer.
Bringen wir nun noch kurz einige merkwürdige Begebenheiten jener Tage.
In den vierziger Jahren waren auch viel israelitiſche Schüler hier, die faſt alle um Unterſtützung einkamen. 1846 waren es ſogar acht, was den Zentralverein veranlaßte, die Anſtellung eines geprüften israelitiſchen Theologen zu fordern..
Das Geſuch wurde aber abſchläglich beſchieden, weil man nicht wiſſe, ob man einen Theologen der orthodoxen oder der ſog. freien Richtung nehmen ſolle und die nötigen Mittel fehlten. Man ſchlug als Religions⸗ lehrer den Lehrer Koſchland in Auerbach vor.
1847 bekamen mehrere Staatsbeamte eine Teuerungszulage, es war dies das bekannte Notjahr.
Weil von den neu aufzunehmenden Prüflingen„die meiſten noch nicht moutirt hätten“, beantragt Kunkel 1849 die Siſtierung des Kurſes.
Da ſie auch ſonſt minderwertig waren, willigt die Direktion in der Tat in den Ausfall des Kurſes„wegen geiſtiger und körperlicher Untaug⸗ lichkeit der Aſpiranten“ ein, was das Miniſterium auch genehmigt.
Beſondere Aufmerkſamkeit wird gegen Ende dieſes Abſchnittes der theoretiſchen und praktiſchen Obſtkultur gewidmet.„Der große Seminar⸗ garten bietet die ſchönſte Gelegenheit zu praktiſchen Verſuchen; außer der Obſtbaumzucht wird vorzüglich die Bienen⸗, Reb⸗, Gemüſe⸗ und Blumenzucht in entſprechender Weiſe betrieben“.*)
In den fünfziger Jahren werden noch Zeichen⸗ und Turnunterricht beſonders ausgebaut. Ein Schüler machte den Feldzug 1866 mit.
3. weinheim, das Gr. H. kath. Schullehrerſeminar.


