35
Am Nachmittage vereinigten ſich die ſtädtiſchen Behörden, die Lehrer, Freunde und Gönner der Realſchule und ehemalige Schüler zu einem Abſchiedseſſen in dem großen Stadthausſaale.
Karl Friedrich Julius Sondhauß wurde am 2. Juli 1815 zu Breslau geboren. Er beſuchte von Michaelis 1826 bis dahin 1835 das Königl. kathol. Matthias⸗Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt. Am 23. Oktober 1835 wurde er unter dem Rektorate des Profeſſor Ritter an der Breslauer Univerſität immatrikuliert und ſtudierte daſelbſt bis Oſtern 1840. Am 4. Februar 1841 promovierte ihn die philoſ. Fakultät derſelben Hochſchule auf Grund ſeiner Diſſertation de vi quam calor habet in fluidorum capillaritatem und des summa cum laude beſtandenen examen rigorosum zum Doktor der Philoſophie. Nachdem er am 19. März 1841 das examen pro facultate docendi beſtanden hatte, wurde er Mitglied des Königl. Seminars für gelehrte Schulen, welches damals unter der Leitung des Konſiſtorialrathes Dr. Middeldorph ſtand und trat am Matthias⸗Gymnaſium das Probejahr an, wurde aber im Herbſte 1841 an die Ritterakademie zu Liegnitz verſetzt. Hier beendete er das Probejahr und wirkte als Lehrer und Inſpektor bis Oſtern 1843, wo er als ordentl. Lehrer an das Matthias⸗Gymnaſium berufen wurde. Hier erteilte er in der Mathematik, in der Phyſik und in den Naturwiſſenſchaften vorzugsweiſe in den oberen Klaſſen Unterricht. Nach dem Tode des Direktors Petzelt wurde er von dem Magiſtrate der Stadt Neiſſe zum Direktor der Realſchule gewählt, von Sr. Majeſtät dem König Friedrich Wilhelm IV. am 8. März 1852 zum Direktor ernannt und aufgrund der Vokationsurkunde des Magiſtrates vom 12. März 1852 am 26. März 1852 in ſein neues Amt eingeführt. Am 26. März 1877 war es ihm vergönnt, ſein 25jähriges Jubiläum als Direktor der Anſtalt zu feiern.
Direktor Dr. Sondhauß hat auf dem Grunde, den der erſte Leiter der Schule, Profeſſor Petzelt, gelegt, mit Erfolg weiter gebaut und unter ſchwierigen Verhältniſſen durch unermüdliche Thätigkeit unſere Schule, die erſte Realſchule Schleſiens, zu einer Anſtalt erhoben, der zahlreiche Schüler aller Stände ein dankbares Andenken weihen. Die treueſte Pflichterfüllung hat ihm die volle Achtung ſeiner Amtsgenoſſen erworben, ihn zu einem Muſter und Vorbild für ſeine Schüler gemacht. Bei unermüdlicher Hingabe an ſeinen Lehrberuf hat er aber auch Muße gefunden, nicht nur den Fortſchritten der Wiſſenſchaften ſtets zu folgen, ſondern auch durch gelehrte Unterſuchungen, namentlich auf dem Gebiete der Wärmelehre und Akuſtik dieſelben zu fördern. Seinen diesbezüglichen Arbeiten hat auch die ehrenvolle Anerkennung der Akademien der Wiſſenſchaften zu Berlin, München und Wien nicht gefehlt. Er hat folgende wiſſenſchaftliche Arbeiten veröffentlicht:—
De vi quam calor habet in fluidorum. capillaritatem. Inaug. diss. Wratisl. 1841. Ueber die Schallſchwingungen der Luft in erhitzten Glasröhren und in gedeckten Pfeifen von ungleicher Weite. (Poggendorf's Annalen LXXIX. 1850). Ueber die Brummkreiſel und das Schwingungsgeſetz der kubiſchen Pfeifen(ebenda LXXXI. 1850 und Progr. d. Gym. in Breslau 1850). Ueber einen Apparat zur Darſtellung verſchiedener Reaktionserſcheinungen(ebenda LXXXII. 1851). Ueber die Form von aus runden Oeffnungen austretenden Luftſtrömen(ebenda LXXXV. 1852). Ueber die Refraktion des Schalles(ebenda). Ueber die beim Austreten der Luft entſtehenden Töne(ebenda XCI. 1854 u. Progr. d. Realſchule 1853). Ueber die chemiſche Harmonika(ebenda CIX. 1860 u. Progr. d. Realſch. 1859). Ueber die durch Temperatur⸗ verſchiedenheit ſich berührender Körper verurſachten Töne(ebenda CXV. 1862 u. Progr. d. Realſch. 1861). Ueber die Erzeugung von Tönen durch Wärme(in Denkſchrift der Neiſſer Philomathie 1863). Ueber die Töne, welche beim Ausſtrömen des Waſſers entſtehen.(Progr. d. Realſchule 1864 und Poggend. CXXIV). Ueber das Tönen erhitzter Röhren und die Schwingungen der Luft in Pfeifen von verſchiedener Geſtalt. (Progr. d. Realſch. 1869 u. Poggendorf CXI). Antrittsrede bei ſeiner Einführung ins Amt am 26. März 1852. Ueber die Ableitung der Nepper'ſchen Analogien und der Gauß'ſchen Gleichungen.(Progr. d. Realſch. 1869/70). Ueber flüſſige Lamellen.(Progr. d. Realſch. 1872/73). Ueber die Spannung flüſſiger Lamellen.(Progr. der Realſchule 1875/76 und Poggendorf Ergänzungsbd. VIII). Eine Betrachtung über die hebende Kraft von Luftſtrömen(im 19. Bericht der Neiſſer Philomathie 1877). Ableitung der Sätze über das ebene Dreieck aus den Sätzen der ſphäriſchen Trigonometrie.(Progr. d. Realſch. 1878,/79).
Dem langjährigen Direktor, dem unermüdlichen Lehrer, dem hervorragenden Gelehrten wird die Realſchule ſtets ein ehrenvolles, dankbares Andenken bewahren.


