Aufsatz 
Das Turnen in Neisse
Entstehung
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Den 28. April begann der Unterricht des Sommer⸗Semeſters, welcher, mit Ausſchluß der achttägigen Pfingſtferien, ohne Unterbrechung bis Ende Auguſt fortgeführt wurde.

Vertretungen der Lehrer mußten einige angeordnet werden. Die erſte vom 24. März bis 11. April, indem der Oberlehrer Hr. Weberbauer als Geſchworner in der genannten Zeit von der Schule abweſend war. Obgleich die Lehrer gern Vertretungſtunden übernahmen: ſo konnten doch nicht alle Stunden ausgefüllt werden, theils wegen Colliſionen, theils auch wegen mangelnder Lehrkräfte. Die zweite Vertretung mußte wegen einer langwierigen Krank⸗ heit des katholiſchen R. L. Hrn. Scherzberg angeordnet werden, und zwar vom 1. April bis Ende Juni. Den Religionsunterricht übernahmen für Quarta und Tertia der Garniſon⸗Pre⸗ diger Hr. Berger, welcher auch die hl. Meſſe des Morgens an Schultagen abhielt; für Se⸗ kunda und Prima der Curatus an der Kreuzkirche Hr. Licentiat Buchmann. Den lateiniſchen Unterricht übernahm in Quarta Hr. Lehrer Pohl, desgleichen auch das Ordinariat in Quarta; in Sekunda übernahm den lateiniſchen Unterricht Hr. Dr. Bauer mit 3 St., die 2 übrigen Stunden übernahm Hr. O. L. Weberbauer, Da zur föormlichen Herſtellung der Beſuch eines Bades vom Arzte verordnet worden: ſo ſah ſich Hr. R. L. Scherzberg genöthigt, im Auguſt um Urlaub zu einer Badereiſe zu bitten, welcher ihm auch gewäͤhrt wurde, ſo daß er dieſelbe den 1. Auguſt angetreten hat, und die frühere Vertretung ganz in derſelben Art er⸗ folgte. Auch für den Gottesdienſt an Sonntagen Vormittags wurde geſorgt. Hierbei kann ich nicht genug dankend die Bereitwilligkeit anerkennen, mit welcher die genannten Herrn die Vertretung übernommen und ausgeführt haben, beſonders noch muß ich den Hrn. Geiſtlichen, welche im Monat Auguſt die Predigten in der Schulkirche abwechſelnd abgehalten, aufs Ver⸗ bindlichſte danken.

Das hl. Abendmahl wurde den katholiſchen Realſchülern in dieſem Schuljahre dreimal gereicht.

Der Geſundheits⸗Zuſtand der Realſchüler war in dieſem Schuljahre kein ganz guter, in⸗ dem recht viele Schüler aus allen Klaſſen am kalten Fieber erkrankten, welches bei den meiſten oft wiederkehrte; geſtorben iſt keiner.

Zuletzt muß ich noch eine Angelegenheit berühren, die meine Perſon betrifft; es iſt folgende. Im Sommer des vorigen Schuljahres richteten die Primaner an mich die Bitte, mich malen zu laſſen, damit ſie mein Bild in der Prima aufhängen könnten. Da ich fern von ſolcher Eitelkeit bin, ſo habe ich mich lange beſonnen, ehe ich den dringenden Bitten nachgab. Ich kann dieſen Entſchluß der Primaner als einen Akt der Pietät gegen mich betrachten, und glaube dadurch die Behauptung, als ſei alle Pietät aus den hoͤhern Schulen gewichen, hinreichend wi⸗ derlegen zu können. Um alſo nicht ungerecht gegen die Primaner zu ſein, habe ich der Bitte nachgegeben, das Bild malen und Anfangs April a. c. in aller Stille in der Prima aufhängen laſſen. Der Abiturient Tſchipke ſprach in ſeiner Abſchieds⸗Rede einige herzliche Worte über dieſe Angelegenheit und machte die Zuhörer auf das Bild aufmerkſam. Die Koſten ſind von den Primanern und einigen Schülern der andern Klaſſen zuſammengetragen worden, und Hr. Maler Schuberth hat mit großem Fleiſſe daſſelbe recht gut ausgeführt. Indem ich allen Denen, welche dieſen Akt der Pietät haben fordern helfen, hierdurch meinen herzlichſten und innigſten Dank abſtatte, wünſche ich nur noch, daß dieſes Bild recht lange den nachfolgenden Primanern als Erinnerung dienen möge, mit welcher Sorgfalt und Liebe ich dieſe neugegruͤndete Schule vom Anfange bis auf den heutigen Tag gepflegt und auszuſtatten bemüht geweſen bin. Möge aber auch die Wohllöbliche Patronatsbehorde ſich durch dieſe Angelegenheit bewegen laſſen, recht bald der Schule die zur Vollkommenheit noch fehlenden Klaſſen(eine getrennte Oberſekunda und eine Quinta) und die nöthigen Lehrkräfte gewähren zu wollen, damit ſie den vollkommen⸗ ſten i der Provinz an die Seite geſetzt werden kann.