Stumpf noch lebend zu erhalten, sorgfältig mit Lehm ausgeschmiert hatte. Von den aus der Seite des Stammes entspringenden Aesten war nur einer frisch und blatttragend, die übrigen alle abgestorben, eine Krone nicht vorhanden. Nach einer an dem Baume befindlichen Inschrift hat Jean Robin 1601 die Robinie zuerst bekannt gemacht, Vesp. Robin im Jabre 1636 das Exemplar im Jardin des plantes, die Stammmutter der europäischen Akazien, gepflanzt.“ Sie gehört zur Familie der Papilionaceen, Schmetterlingsblütler. Wegen ihrer Schnellwüchsig- keit und der schönen Belaubung ist sie ein sehr beliebter Zierbaum.„Ich kenne ausser der Eiche keinen Baum, der einen solchen malerischen Effect macht, als unsere gewöhnliche Akazie“, schreibt Koch in seiner Dendrologie. Die allgemeine Verbreitung dieses Baumes, der mit seinen gefiederten Blättern an die Bäume der Tropengegend erinnert, ist daher leicht erklärlich; er und die Gleditschie respräsentiren vorzugsweise in der gemässigten Zone die Mimosenformen der Aequatorialgegenden. Wir besitzen nur zwei einheimische Bäume mit gefiederten Blättern: die Esche und die Eberesche.
Die Wurzel der Robinie geht nicht tief; sie breitet sich nahe der Oberfläche des Bodens weithin aus und man pflanzt sie daher gerne, um den Boden zu befestigen, an Eisenbahndämmen und in Gegenden, die mit Flugsand bedeckt sind. Die Rinde ist grau, rissig und in den Rissen rothbraun. Das Holz des Stammes hat eine gelblich-weisse Farbe und ist von braunen Adern durchzogen. Es ist hart, sehr politurfähig und daher gut verwendbar. Die Blätter sind unpaarig gefiedert und ihre Nebenblätter bei älteren Zweigen in Dornen umgewandelt. Die 11— 15 Blättchen stehen abwechselnd, sind eiförmig oder elliptisch und zartkrautig. Des Tags über sind sie flach ausgebreitet; gegen Abend klappen sie nach unten. Die Blüten, weleche im Juni erscheinen, hängen in lockeren Trauben herab, sind weiss und wohlriechend. Die rothbraune Hülse enthält 6— 8 schwarzbraune Samen.— Wie bei der Esche, so haben wir auch hier eine Form, bei welcher statt der Fiederblätter nur einfache Blätter vorhanden sind:
Robinia Pseud-Acacia var. monophylla, die einfachblättrige Robinie.
Das Blatt ist gross und von länglicher Gestalt. Zwei solcher Exemplare stehen, etwas entfernt vom Rechneigraben, am Ausgange eines Weges, der nach der Ostendstrasse führt. Oft verräth sich an ihnen die Stammform durch ein Fiederpaar am Grunde des einfachen Blattes.
R. pyramidalis, die Pyramiden-Robinie. Zwei Exemplare dieser Abart der gemeinen Robinie befinden sich in der Untermain-Anlage, dem Hôtel Ernst gegenüber. Es sind schöne schlanke Bäume, die sich von unten an verzweigen. Die Aeste und Zweige erheben sich senkrecht und schliessen ziemlich nahe an, so dass man im laublosen Zustande leicht glauben kann, Pyramiden-
pappeln vor sich zu haben.
R. umbraculifera, die Kugelakazie, mit kurzen gehäuften Aesten an der Spitze des Stammes und kugelrunder Krone, ist ebenfalls eine Abart der R. Pseud-Acacia. Soll die Kugelform bleiben, so müssen die Aeste von Zeit zu Zeit geschnitten werden. Sie blüht höchst selten und wohl dann nur, wenn sie vernachlässigt wird.¹
1
Koch, Dendrologie. I. 57. 5*


