Aufsatz 
Der Rechneigraben in den städtischen Anlagen zu Frankfurt a.M. in botanischer Beziehung
Entstehung
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26. Prunus avium L.(Cerasus flore pleno Hort.), gefülltblumige Süsskirsche.

Der Blütenschnee, welcher im April den Mühlberg umsäumt und die Gärten bei Bornheim in das liebliche Gewand der Unschuld hüllt, erfreut alljährlich Tausende von Herzen nicht minder, wie die schwarze und rothe Steinfrucht, unter deren Last zwei Monate später die Aeste der Bäume sich beugen. Die Kirsche ist Jedermann bekannt und ihre Beschreibung darum entbehrlich.

Unser Baum, wovon zwei Exemplare in der nordwestlichen Ecke in der Nähe der Trauer- weide stehen, trägt keine Früchte; seine Staubgefässe haben sich in Blumenblätter umgewandelt, so dass jede Blüte ein kleines Röschen vorstellt. Der Baum sieht reizend aus mit seiner Fülle von Blütendolden. Eine andere Prunusart,

27. P. virginiana L., die virginische Traubenkirsche,

steht an dem Wege, der zur Weiherstrasse führt, in der Nähe der schönen Rothbuche. Sie und Prunus padus L., die gemeine Traubenkirsche, sind jene Bäume, welche vor allen andern sich durch den Wohlgeruch, der ihren Blütentrauben entströmt, bemerklich machen.

Nahe verwandt mit den Pomaceen und den Amygdaleen(Mandelfrüchtlern), zu welch' letzterer Familie die Prunusarten gehören, sind die Rosaceen. Die Namengeberin dieser Familie

Rosa L., die Rose,

bildet auf der Südseite Hecken. Auf der Ost- und Westseite steht sie in Beeten. Ihre Ver- treter am Rechneigraben sind, wie fast alle unsere Rosen, Spielarten verschiedener Species.

28. Robinia Pseud-Acacia L., gemeine Robinie(Akazie).

Die Robinie, bekannter unter dem Namen:Falsche Akazie, gedeiht nicht gut auf feuchtem Boden und wir haben deswegen unmittelbar am Rechneigraben auch nur wenige Vertreter. Einige Bäumchen stehen auf der Nordostseite und auch an anderen Punkten befindet sie sich, aber nur in Strauchform. Auf günstigem Standorte wird sie in verhältnissmässig kurzer Zeit zu einem stattlichen Baume. Exemplare von 15 18 Meter Höhe sind nichts Seltenes. Im zoologischen Garten steht ein Baum, der in Brusthöhe einen Stammumfang von 3,76 Meter hat. Der Stamm theilt sich 3 ½ Meter hoch in zwei Nebenstämme; vorher aber entspringen dem Stamme 3 Aeste, welche sich ziemlich wagrecht ausbreiten. Die wagrechte 3 Entfernung der Spitze eines dieser Aeste vom Stamme beträgt 13,5 Meter. Die Höhe des Baumes mag nach ungefährer Schätzung 18 Meter betragen. Die ganze Friedberger Anlage ist auf dem breiten Aussenwege eine fortlaufende Allee schöner Robinien.

Die Robinie stammt aus Nordamerika; sie war unter den ersten Bäumen, welche von dort nach Europa verpflanzt wurden. Ueber die Stammmutter der europäischen Robinien erhalte ich von Herrn Dr. Noll folgende Notiz:Die älteste Robinie(R. Pseud-Acacia) ist die des Jardin des plantes zu Paris. 1873, wo ich sie noch grünen sah, war der Stamm etwa 3 Meter hoch, oben abgebrochen und vielfach mit Höhlungen versehen, die man, um den