Aufsatz 
Der Rechneigraben in den städtischen Anlagen zu Frankfurt a.M. in botanischer Beziehung
Entstehung
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r. Professor Rein:Die Ceder des Libanon im Jardin des Plantes zu Paris hat in Brusthöhe gegenwärtig 3,56 Meter Stammumfang. Es ist ein malerisch schöner Baum, die Zierde des Gartens, etwa 20 Meter hoch. Oben breitet sich die Krone in ein horizontales Dach aus, wie ich es bei keiner andern Ceder gesehen. Sie wurde im Jahre 1735 von Jussieu gepflanzt, wie eine grosse Tafel am Baume besagt. Ringsum findet man noch eine Anzahl anderer jüngerer Bäume, die weit hinter ihr und den schönen Exemplaren in Deutschland zurückstehen.

In dem Garten der Campagne Beaulieu, nahe dem Bahnhofe zu Genf ist eine gleichaltrige Ceder mit der im Pariser botan. Garten, ebenfalls aus Samen, den Jussieu 1735 mitbrachte, erzielt. Sie hat einen viel kräftigeren Wuchs und einen mehr symetrischen Bau als das Pariser Exemplar. Ueberhaupt aber zeichnet sich die Umgebung des Genfer See's, auch die bei Lausanne etc., durch viele schöne Libanon-Cedern aus.

Der hebräische NameEres galt wohl allgemein für Nadelbäume. Das Cedernholz in Lev. XIV. 4 u. Num. XIX. 6 war wahrscheinlich das Holz einer wohlriechenden Juniperusart, welche an den Felsen des Sinai wächst. In der Wüste muss die Libanon-Ceder ganz unbekaunnt gewesen sein. Anders verhält es sich mit den Stellen, wo ausdrücklich die Ceder des Libanon

erwähnt wird.¹ Sie ist das Sinnbild der Grösse, der Macht und Erhabenheit, die Königin der Bäume. In Palästina wird die Ceder nur auf dem Libanon weder auf dem Hermon, noch

auf dem Anti-Libanon gefunden, und zwar zerstreut in Gruppen und Wäldern durch das ganze Gebirge. Manche Flächen enthalten viele tausend Bäume nebst einem reichen Nachwuchse.* Aber wenige, wenn überhaupt welche, von ihnen können Bäume aufweisen, die an Grösse denen des berühmten Haines nahe am Ursprunge des Flusses Kadische, unterhalb des Jebel el Arz, 6000 Fuss über der Meeresfläche, gleichkommen. Freilich war die Zahl der alten Cedern, im Jahre 185 63 auf neun herabgesunken. Dr. Hooker berechnet das Alter der Cedern des Haines aus dem Vergleiche mit dem Wuchse der Chelseacedern*, auf 800 Jahre. Nach den Jahres- ringen in einem Zweige mag einer der ältern Bäume 2500 Jahre alt sein; aber dies ist, wie er bemerkt, zweifelschne noch weit von dem wirklichen Alter entfernt. Manchen von ihnen muss noch eine bedeutend lange Vorzeit zuerkannt werden. In neuerer Zeit indessen hat man das Alter der Cedern sehr herabgesetzt.

Die libanotische Ceder findet sich ausserhalb Palästina's namentlich auf der Tauruskette. Auf dem Atlasgebirge wächst C. atlantica Man., wo Tristram Bäume gesehen hat, die an Grösse den Patriarchen des Libanon gleichkamen und in derselben Höhe über dem Meeresspiegel wuchsen. Die Atlasceder ist weniger anmuthig, ihr Wuchs steifer. Ein sehr schönes junges Exemplar habe ich dieses Jahr auf der Villa des Herrn Commerzienraths Reiss in Cronberg gesehen. Die Nadeln haben einen weisslichen Anflug und das Bäumchen ist über und über mit Früchten bedeckt.

¹ H. B. Tristram, The Natural History of the Bible. Second Edition, pag. 341. 2 Tristram, ibid. 3 Ludw. Aug. Frankl, Nach Jerusalem. Leipzig 1858, Bd. I, 424. 4 Chelsea bei London. 5 Tristram, ibid. 6 Kotschy,Der Libanon und seine Alpenflora. Verhandl. d. zoolog. botan.

Gesellsch. i. Wien. Bd. XIV, 751..