31 29. December des Jahres 1870 dem Gymnaſial⸗Acceſſiſten Dr. Bender proviſoriſch und unterm 25. Ja⸗ nuar 1871 definitiv übertragen wurde. Derſelbe übernahm Oſtern 1871 auch den Unterricht im Ita⸗ lieniſchen, welcher ſeit Oſtern 1858 nicht mehr ertheilt worden war. Die letzte Veränderung erfolgte Oſtern 1871, wo Dekan Meyer ſeine Stelle als Religionslehrer an der Anſtalt niederlegte. Mit der Ertheilung des Religionsunterrichts wurde der bereits ſeit Sommer 1870 an der Schule wirkende Pfarrer Klein betraut.
Es erübrigt uns noch eine Bemerkung über die Verwaltung der Bibliothek,,) ſodann die Nennung der anderweit in einem dienſtlichen Verhältniß zu dem Gymnaſium ſtehenden Perſonen und endlich eine Angabe über die Ferien der Anſtalt.
Nach Konſtituirung des Großherzoglichen Gymnaſiums entwarf Kirchenrath Keller auch eine Inſtruktion für den Bibliothekar. Laut derſelben ſollte die Bibliothek jeden Mittwoch und Samstag von 1—2 Uhr geöffnet ſein und ein Katalog nach dem Alphabet eingerichtet werden. Eine beſondere Vergütung für die Verwaltung der Bibliothek wurde nicht gewährt, dagegen dem mit der Verwaltung betrauten Lehrer die Bibliothekſtunde bei ſeinen Unterrichtsſtunden in Anrechnung gebracht. Den Poſten eines Bibliothekars bekleideten im Laufe der 50 Jahre: 1) Dr. Schaumann(1823—1841), welcher den Katalog nach dem Alphabet anlegte, 2) Dr. Zimmermann(1841— 1856), 3) Gymnaſiallehrer Bauſch(1856—1858), 4) Dr. Haupt(1858— 1859), 5) Dr. Lotheißen(1859— 1863), 6) Dr. Blümmer(1863—1864), 7) Dr. Schmidt(1864— 1869) und 8) Dr. Oßwald(von 1869 bis jetzt).
Die Gymnaſialkaſſe verwalteten ſeit Eröffnung des Großherzoglichen Gymnaſiums: 1) Land⸗ gerichtsaſſeſſor Steinmetz bis zum Jahre 1833, 2) der Fürſtliche Kammerſekrétär Peter Horſt von 1833 bis gegen Ende des Jahres 1845, 3) Stadtſchullehrer Philipp Heinrich Fix ſeit dem 24. Februar 1846 bis jetzt.
Den Dienſt des Pedellen verſahen: 1) Georg Methfäſſel von 1822—1843 und 2) Jo⸗ hannes Babſt von 1843 bis jetzt.
Durch Reſkript vom 5. November 1866 wurde die Dauer der Ferien für alle Landesgymna⸗ ſien auf 77 Tage im Schuljahre feſtgeſetzt und im Jahre 1867 eine neue Ferienordnung eingeführt. Die 77 Ferientage ſind mit Rückſicht auf örtliche Verhältniſſe an unſerer Anſtalt in folgender Weiſe vertheilt: Faſtnacht 1 Tag, Oſtern 8 Tage, Pfingſten 28 Tage, Ludwigstag 25. Auguſt 1 Tag, Herbſt 28 Tage, Weihnachten 11 Tage.
Richten wir ſchließlich den Blick auf die gegenwärtige Lage der Anſtalt, ſo tritt uns die Wahr⸗ nehmung entgegen, daß ſich das Gymnaſium ſeit 1870 wieder eines gedeihlichen Fortſchrittes und eines ſichtbaren Wachsthums erfreut. Die Geſammtzahl der Schüler beläuft ſich im Schuljahr 1871/72 auf 120.
*) Aus dem Jahre 1829 iſt hier ein Akt hoher Munificenz von Seiten des Fürſten Ernſt Caſimir I. zu verzeichnen. Der genannte Patron der Anſtalt ließ nämlich der Bibliothekskaſſe das anſehnliche Geſchenk von 500 fl. zuſtellen. Für dieſe Summe wurden noch in demſelben Jahre größere Werke erworben. Eine andere außerordentliche Einnahme floß der Bibliothekskaſſe zu im Jahre 1860, wo mit Genehmigung Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direktion ein Exem⸗ plar der erſten Geſammtausgabe von Shakſpeare's Werken an den Buchhändler Ellis in London für 1000 fl. verkauft wurde. Dieſe beträchtliche Summe fand nach und nach ihre Verwendung zu außerordentlichen An⸗ ſchaffungen für die Bibliothek, welche gegenwärtig circa 5800 Bände zählt.


