30 bei der Kleinheit der Stadt“) an ſich die Zahl der aus Büdingen dem Gymnaſium ſich zuwendenden Schüler nicht groß,“*) ſo beſchränkte ſich dieſelbe im Jahre 1866 auf drei, im Jahre 1867 ſogar auf einen und im Jahre 1868 auf drei. Die oben erwähnten Gebietsabtretungen aber, zu denen ſich das Großherzogthum im Jahre 1866 veranlaßt ſah, waren inſofern von nachtheiligen Folgen für unſere Anſtalt begleitet, als die aus dem Heſſen-Homburgiſchen und dem Hinterlande gekommenen Schüler die Anſtalt verließen und neue Schüler aus den genannten Gebieten dem Gymnaſium nicht mehr zugingen. Der geringe Zuwachs übrigens, welchen die Schule aus der Stadt Büdingen ſelbſt erhält, erklärt die ſonſt auffällige Erſcheinung, daß die unteren Klaſſen am ſchwächſten beſucht ſind; gerade dieſer Umſtand aber liefert zur Genüge den Beweis, daß das Gymnaſium einem Bedürfniſſe der Provinz dient, aus welcher es auch vorwiegend ſeine Zöglinge empfängt, freilich meiſt vorgebildet für höhere Klaſſen.
Was die Bildungsbedürfniſſe der Stadt Büdingen insbeſondere betrifft, ſo möge ſich hier die Bemerkung anſchließen, daß die Anſtalt, ſoweit es der Gymnaſiallehrplan und die zur Verfügung ſtehen⸗ den Lehrkräfte geſtatteten, auch örtlichen Wünſchen Rechnung zu tragen ſuchte, daß ſie den ausgeſprochenen Wünſchen der Bürgerſchaft bezüglich der Gewährung eines mehr realiſtiſch geſtalteten Unterrichts entgegen⸗ kam und ihre Bereitwilligkeit zur Errichtung von Realklaſſen bezeigte, daß aber die im Jahre 1869 zu dieſem Zwecke geführten Verhandlungen ohne Ergebniß blieben, weil die Stadt die Koſten für Einrichtung und Erhaltung der Realklaſſen nicht übernehmen wollte.
Im Lauf der letzten Jahre hat in dem Lehrerkollegium ein mehrfacher Wechſel ſtattgefunden; doch erfreut ſich dasſelbe jetzt wieder eines feſten Beſtandes.
Pfingſten 1868 begann Kandidat Dr. Harbordt ſeinen Acceß, ſchied aber ſchon im Herbſt dieſes Jahres von der Anſtalt, um eine Lehrſtelle an der Realſchule zu Düren zu übernehmen. Zu der⸗ ſelben Zeit trat der Hilfslehrer Dr. Nichard Haupt, welcher ſeit Oſtern 1868 auch den Turn⸗ unterricht geleitet hatte, von ſeiner Stelle zurück, da ſich ihm an dem Gymnaſium zu Eutin ein größerer Wirkungskreis eröffnete. Die Verwaltung der Hilfslehrerſtelle übertrug Großherzogliche Oberſtudien⸗ Direktion dem Acceſſiſten Dr. Franck, der zugleich mit der Leitung des Turnunterrichts betraut wurde. Oſtern 1869 ging Dr. Schmidt von der Anſtalt ab und an das Gymnaſium zu Gießen über. In Folge davon trat Gymnaſiallehramts⸗Kandidat Emmanuel Zaubitz als proviſoriſcher Lehrer in das Kollegium ein. Da im Laufe des Sommers Dr. Oßwald wegen Krankheit ſeine Lehrthätigkeit längere Zeit aus⸗ ſetzen mußte, ſo ertheilte Pfarrer Ellenberger zu Hain⸗Gründau vom 2. Auguſt bis 11. September aushilfsweiſe Unterricht an dem Gymnaſium. Oſtern 1870 begannen zwei neuangeſtellte Lehrer ihre Thätig⸗ keit, nämlich Dr. Frommann, dem die neugegründete Lehrſtelle übertragen worden war, und Dr. Richard Haupt, welcher den durch den Abgang von Dr. Schmidt erledigten Poſten erhalten hatte. Pfingſten 1870 legte der Hilfslehrer Dr. Franck ſeine Funktionen nieder und trat bald darauf an der Realſchule erſter Ordnung zu Rawicz in einen neuen Wirkungskreis ein. Die durch ſeinen Abgang entſtandene Lücke ward ausgefüllt durch zwei Lehrkräfte, welche die Anſtalt gewann in der Perſon des Pfarrers Klein zu Büdingen und in der des Stadtſchullehrers Wilhelm Schwarz. Beide wurden als proviſoriſche Hilfs⸗ lehrer angeſtellt, Erſterer als Lehrer des Lateiniſchen in V und VI, Letzterer als Lehrer für die übrigen Unterrichtsgegenſtände der genannten beiden Klaſſen und erhielt dazu noch einige Stunden in der kombinirten III und IV und außerdem die Leitung des Turnunterrichts. Herbſt 1870 ſchied Dr. Haupt aus dem Staatsdienſte, um eine Lehrſtelle an der Realſchule erſter Ordnung zu Iſerlohn zu übernehmen. Die erledigte Stelle verſah hoher Verfügung gemäß der proviſoriſche Lehrer Dr. Weyerhäuſer, bis ſie unterm
*) Die Einwohnerzahl Büdingens beläuft ſich nach der Volkszählung vom 1. December 1871 auf 2510, zeigt alſo keine Vermehrung ſeit der Zählung vom Jahre 1867.
**) Während der 50 Jahre ſeines Beſtandes iſt das Gymnaſium überhaupt von 238 Schülern aus Büdingen beſucht worden; unter dieſen ſind bis zum Jahre 1865 auch die Schüler mitgezählt, deren Eltern nur vorübergehend ihren Wohnſitz in Büdingen hatten. Darnach beträgt der Zuwachs aus der Stadt Büdingen im Durchſchnitt jährlich 4 bis 5 Schüler. In den Jahren 1839 und 1848 erhielt das Gymnaſium gar keinen Zuwachs aus Büdingen. Die ehedem wiederholt ausgeſprochene Behauptung, daß die kleineren Gymnaſium eine vorwiegend lokale Bedeutung hätten, erſcheint demnach, ſoweit ſie unſere Anſtalt berührt, nicht zutreffend.


