Aufsatz 
Rückblick auf die Geschichte des Großherzoglichen Gymnasiums zu Büdingen während seines 50jährigen Bestandes
Entstehung
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ſondern Fonds ſei, die Staatskaſſe aber nur eine Subvention zu leiſten habe. Der von ihm zu Gunſten des Gymnaſiums geſtellte Antrag erhielt die Zuſtimmung der beiden Ständekammern. Aber da der Präſenz⸗ Fonds ſeinen Beitrag zu dem, bei Anwendung der Allerhöchſten Verordnung vom 9. December 1857 auf die Gehalte der Gymnaſiallehrer zu Büdingen, entſtehenden Mehraufwand nicht leiſten konnte und der Stadtvorſtand die Leiſtung eines Beitrags zu dieſem Zweck aus der Stadtkaſſe ablehnte, ſo blieb den Lehrern vorerſt die Wohlthat der ſtändiſchen Bewilligung vorenthalten(Reſkript vom 29. November 1858). Erſt im Jahre 1860, nachdem ſich der Stadtrath zu Büdingen zur Entrichtung des erforderlichen Beitrags bereit erklärt hatte, wurde ihnen, zufolge höchſter Verfügung vom 27. Auguſt 1860, der Genuß der Theuerungs⸗ zulagen zu Theil, und zwar auch für die Jahre 1857, 1858 und 1859(Reſkript vom 8. Oktober 1860).

Als Oberſtudienrath Dr. Thudichum ſich im November des Jahres 1862 nach 44jähriger Amtsthätigkeit in den Ruheſtand zurückzog, da durfte er mit dem erhebenden Bewußtſein von der Anſtalt ſcheiden, daß er für ſie nicht vergeblich gewirkt. Und in der That, was er ſeit Beginn ſeiner Thätig⸗ keit an der Anſtalt zur Hebung und Verbeſſerung derſelben nach ſeinen Kräften hatte leiſten können, das hatte er geleiſtet.

Sein Nachfolger Prof. Dr. Georg Haupt, bis dahin erſter Lehrer an dem Gymnaſium, wurde durch Allerhöchſtes Dekret vom 20. Januar 1863 zum Direktor des Gymnaſiums ernannt; aber er konnte nur wenige Jahre ſein Amt verwalten. Schon am 8. März 1865 erlag er einem Leiden, das ſeine Kräfte aufgezehrt hatte. Lehrer und Schüler betrauerten ſein Hinſcheiden. In Betreff der Veränderungen, welche während ſeiner kurzen Amtszeit erfolgten, bemerken wir, daß das wechſelnde Ordinariat*) auf⸗ gehoben und dafür ein ſtändiges eingeführt wurde, und daß Oſtern 1863 wieder eine Quinta ins Leben trat. Was Prof. Dr. Haupt als Lehrer und Direktor gewirkt hat, wird Schülern und Lehrern in lebendiger Erinnerung bleiben.

Ehe wir nun noch die Veränderungen kurz darlegen, welche im Gefolge des neuen Studienplaus ſich ergaben, wollen wir zuvor des Lehrerwechſels in der Zeit von 1832 bis 1868 gedenken.

Beim Abgang des Geſanglehrers Adam Neeb im Jahre 1833 übernahm Stadtſchullehrer Wilhelm Flach den Geſangunterricht und ſpäter, als Oberlehrer Johannes Neun im Jahre 1842 als Schreiblehrer penſionirt wurde, auch den Schreibunterricht. 1834 ſchied Dr. Rettig aus ſeiner Stelle, um als Profeſſor an die Univerſität Bern überzugehen. Seine Stelle verſah Dr. Georg Haupt als Vikar, bis er 1840 zur definitiven Anſtellung gelangte. Als Dr. Dreſcher im Frühliung 1835 an das Gymnaſium zu Gießen verſetzt wurde, fand eine Vertretung ſtatt durch die Lehrer mit Zuziehung des hieſigen Pfarrers Friedrich Meyer bis zum Jahre 1837, wo Letzterem eine volle Lehrſtelle proviſoriſch über⸗ tragen wurde, die er acht Jahre bekleidete. 1839 erhielt Stadtſchullehrer Philipp Heinrich Fir den arithmetiſchen Unterricht in der unterſten Klaſſe, 1841 auch in der Tertia.

Im Jahre 1841 wurde Dr. Schaumann Direktor der Realſchule zu Offenbach. Die erledigte Stelle verwaltete Dr. Zimmermann zwei Monate lang proviſoriſch, worauf ſeine definitive Anſtellung erfolgte. Beim Tode des Dekans Schmidt im Mai 1844 übernahm Dr. Haupt proviſoriſch den Zei⸗ chenunterricht, dann Oſtern 1845 der Fürſtliche Bauſekretäar Viktor Melior. Pfarrer Meyer legte 1845 ſeine Lehrſtelle nieder und behielt nur den Religionsunterricht bei. Die vakant gewordene Stelle wurde dem Kandidaten Friedrich Georg Bauſch Anfangs proviſoriſch, im Juni 1846 definitiv übertragen. Im Sommer des Jahres 1845 fungirte der Kandidat Theodor Becker als Acceſſiſt an der Anſtalt, verließ aber dieſelbe bereits im Herbſte, um eine Stelle an dem Vitzthum-Blochmann'ſchen Gymnaſium zu Dresden anzutreten. So viel über den Lehrerwechſel an der Anſtalt während der erſten 25 Jahre ihres Beſtandes.

Als im Jahre 1849 die Thätigkeit des Gymnaſiallehrers Gambs endigte, begann Dr. Stein⸗ häuſer im Januar 1850 als Vikar ſeine Wirkſamkeit an der Schule. 1856 erfolgte ſeine definitive Anſtellung. Im Frühling 1851 gab Bauſekretär Melior ſeine Stelle als Zeichenlehrer auf und erhielt

*) Das Ordinariat wechſelte bis dahin unter den ordentlichen Lehrern in einer dem Aufrücken der Klaſſen entgegengeſetzten Richtung, Sieh Jahresbericht des Großherzoglichen Gymnaſiums zu Büdingen, Oſtern 1862, S. 9.