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Zetreten, als die beiden altheſſiſchen Gymnaſien zu Gießen und Darmſtadts); aber ſie kann ſich nicht rühmen, daß zu einem gedeihlichen Wachsthum ihr die nothwendige Unterſtützung im Laufe der Zeit zu Theil ge⸗ worden ſei. Schon von Anfang an nicht mit reichen Mitteln ausgeſtattet, traf ſie, abgeſehen von der gänz⸗ lichen Zerrüttung ihrer Einkünfte durch den dreißigjährigen Krieg, auch noch das Mißgeſchick einer ſchlechten Verwaltung der Präſenz*), und ſo mußte die Anſtalt während der meiſten Zeit ihres Beſtandes ein kümmer⸗ liches Daſein führen. Nur die Hoffnung auf eine beſſere Zukunft konnte ſie zuletzt am Leben erhalten. Schließlich ſei bezüglich der Aufſichtsbehörde noch hervorgehoben, daß die Anſtalt, ſo lange ſie ſich unter Gräflich Yſenburgiſcher Hoheit befand, dem Gräflich Yſenburgiſchen Konſiſtorium unterſtellt war. Mit der Inſpektion betraut waren die erſten Pfarrer zu Büdingen, die ſeit 1609„mit wenigen Ausnahmen“ den Titel Hoſprediger und Inſpektor führten und zugleich Mitglieder des Konſiſtoriums waren. Von den In⸗ ſpektoren verdient hier Einer vor allen eine rühmliche Erwähnung, nicht bloß weil er ſeit Uebernahme ſeines Amtes für die Verbeſſerung der Provinzialſchule mit unermüdlichem Eifer thätig war, ſondern auch ins⸗ beſondere, weil er mit hingebungsvoller Ausdauer mitwirkte bei Erhebung dieſer Anſtalt zu einem Groß⸗ herzoglich Heſſiſchen Landesgymnaſium. Es iſt dieß der letzte Inſpektor der Provinzialſchule und der nach⸗ malige erſte Direktor des Großherzoglichen Landesgymnaſiums zu Büdingen, Johann Martin Keller.
Indem wir nunmehr einen kurzen Rückblick auf die Geſchichte des Großherzoglichen Landesgymnaſiums zu Büdingen während ſeines fünfzigjährigen Beſtandes geben wollen, müſſen wir die Bemerkung voraus— ſchicken, daß wir auf eine eingehende Beleuchtung aller Fragen um ſo mehr verzichten, als uns Zeit und Gelegenheit nicht in dem Maße zu Gebote ſtanden, wie ſolche dazu erforderlich wären. Was wir bieten, iſt geſchöpft aus den Akten und Programmen der Anſtalt, aus den Geſetzen und Verordnungen über das höhere Schulweſen in Heſſen, nur Weniges aus der dürftigen Literatur über das höhere Schulweſen unſeres Großherzogthums.
Uebrigens glauben wir gleich Eingangs nicht unerwähnt laſſen zu dürfen, daß die Anſtalt auch ſeit ihrer Erhebung zu einem Großherzoglichen Landesgymnaſium eine hervorragende Stelle in der Reihe
der Heſſiſchen Gymnaſien nicht einzunehmen vermochte, ſchon aus dem Grunde, weil ihr von Anfang an nur geringe Mittel zur Verfügung ſtanden, in Folge wovon ihr ſowohl in Betreff der Zahl der Lehrer wie auch der Zahl der Klaſſen eine durch die Umſtände gebotene Beſchränkung endulih war. Wenn ſonach die Anſtalt auch ein beſcheidenes Daſein geführt hat an der Seite ihrer Schweſteranſtalten; ſo hat ſie doch ſtets mit ihrem Leben Thal genommen an den Wandlungen, welche das höhere Schulweſen des Großherzogthums im Laufe dieſer 50 Jahre berührt haben, ſo iſt ſie doch ſtets ihres hohen Zweckes und ihrer idealen Auf⸗ Jabe eingedenk geblieben.
Bei der Geſchichte unſeres Gymnaſiums während ſeines 50 jährigen Beſtandes laſſen ſich drei Zeit— abſchnitte unterſcheiden, nämlich:
1) die Neubegründung des Gymnaſiums im Jahre 1822 unter der Regierung Großherzogs
Ludewig J.(1806—1830, Landgraf ſeit 1790) zur Zeit des Miniſteriums von Grolmann; *) Das Gymnasium illustre zu Gießen eingeweiht am 10. Oktober 1605. Von dem Landgrafen Ludwig V. dem Ge⸗ treuen(1596— 1626) geſtiftet und nach dem Muſter des von Philipp dem Großmüthigen zu Marburg gegründeten Univerſal⸗ ſtudiums eingerichtet, umfaßte es ein Gymnasium publicum oder academicum und ein dieſem einverleibtes Gymnasium classicum oder paedagogicum. Durch Verwendung des Landgrafen wurde dann im Jahre 1607 dem Gymnasium academicum das Privilegium Caesareum erwirkt, wodurch dasſelbe als Univerſität anerkannt und mit dem Rechte ausgeſtattet wurde, die publica testimonia graduum zu ertheilen(ſeit 7. Oktober 1607). Erſt in unſerm Jahrhundert wurde das Gymnasium paedagogicum von der Unnverſität gelöſt. Vgl. Einige Beiträge zur Geſchichte des Päda⸗ gogs zu Gießen von Dr. Eduard Geiſt, Direktor des Gymnaſiums. Oſterprogramm 1845.
Von dem Stifter der Academia Ludoviciana ſtammt auch der Gedanke zur Gründung des Gymnaſiums in Darm⸗ ſtadt nach dem Muſter des Laedadedei zu Marburg. Ausgeführt wurde derſelbe von ſeinem Sohn und Nachfolger Georg II.(1626— 1661). Die Einweihung der neuen Anſtalt erfolgte am 12. April 1629. Vgl. Geſchichte des Groß⸗ herzoglichen Gymnaſiums zu Darmſtadt von Dr. J. F. K. Dilthen, Großherzoglich Heſſiſchem Profeſſor, Direktor des Gymnaſiums und Mitglied der Pädagogkommiſſion der Provinz Starkenburg. Oſterprogramm 1829.
**) Ueber dieſen Fonds für Kirchen⸗ und Schulzwecke vgl. die Anm. S. 10.


