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Hier fällt mir auf, eine wie geringe und vergängliche Sache es um das ist, was beim Volke als Adel gerühmt wird*). Denn als ich von einigen Mädchen, die eine edlere Gestalt aufwiesen, wissen wollte, woher sie stammten, erfuhr ich, dass sie von dem höchsten Adel ihres Volkes, ja einzelne ‘sogar von königlichem Geschlechte entsprossen, jetzt aber mit einem Ochsenknecht oder Schafhirten verheiratet seien. So wenig ist im Türkenreiche der Adel geachtet. Ich lernte auch später an anderen Orten die Nachkommen der Canta- kuzene**) und Paläologen**) aus kaiserlichem Geschlechte kennen, die ein verächtlicheres Leben unter den Türken führten als einst Dionysius zu Korinth. Denn die Türken schätzen nie- mand, auch nicht von den ihrigen, anders, als nach seinem persönlichen Verdienste, mit einziger Ausnahme des Hauses Osman, dem allein die Geburt diese Auszeichnung verleiht.
Das Volk der Bulgaren soll von dem skythischen Flusse Wolga, als mehrere Stämme freiwillig oder gezwungen ihre Wohnsitze änderten, hier eingewandert sein und seinen Namen Bulgaren, das heisst so viel wie Wolgaren, von dem genannten Flusse erhalten haben.}) Sie siedelten sich am Hämusgebirge
*) Ähnliche demokratische Gedanken bringt der kaiserliche Gesandte noch öfter; vergl. mein Gymnasial- Programm: Eine Reise nach Amasia. Ludwigshafen a. Rh. 1899, P. 39.
=#) Das tröfft nicht genau zu. Die Kantakusenoi und Paläo- logoti, welche im 13., 14. und 15. Fahrhundert den byzantinischen Thron besassen, gehörten auch unter der Herrschaft der Osmanen su den vornehmsten Fanariotenfamilien, die als Statthalter in der Moldau und Walachei residierten und auch in Russland und ltalien zu Ansehen gelangten. Das schliesst nicht aus, dass das eine oder andere Glied der weitverzweigten Familien in Not und Elend verkam. i
7) Um 550 nach Christus drangen die Bulgaren, ein Volk Jinnisch-uralischen Stammes, über die Donau in das alte Mösien ein, unterwarfen die slavischen Völker an der unteren Donau und gründeten das bulgarische Reich, das mit dem oströmischen Kaiser- reich beständig in Krieg lag. Die Bulgaren verschmolzen mit der slavischen Bevölkerung, nahmen im 9. Jahrhundert deren Sprache sowie das Christentum an und wurden 1018 von den Bysantinern


