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Können als Erkenntniß, mehr auf geiſtige Kraft als wiſſenſchaftliche Befähigung, mehr auf die innerſte Seelenrichtung als die Schulrichtung zurückgehe.“
Es iſt in der neueſten Zeit öfters und von verſchiedenen Seiten die Behaup⸗ tung aufgeſtellt worden, daß die heut zu Tage üblichen Tagebücher, Conduiten⸗ leiſten, Cenſuren, Locationen, Nichtverſetzungen, Auszeichnungsgrade, die gehäuften Conferenzen, Protokolle, Geſetze, Prüfungen, Carcerſtrafen, Zwangsarbeiten u. ſ. w. der Tod aller perſönlichen Einwirkung und individuellen Entwickelung, aller Pietät, aller Wiſſenſchaftlichkeit geworden ſeien, und daß ganz entſchieden die⸗ jenige Anſtalt den Vorzug verdiene, welche die genannten Maßregeln und alle damit verwandte Formen der ſchriftlichen Erziehung am wenigſten zur Ausbildung und Geltung gebracht habe.*) Für die Erziehung ſeien jene Zeiten die glücklichſten geweſen, in denen die meiſten dieſer Dinge noch nicht üblich waren, und durch ſie noch keine Gelegenheit zu Vergehen der Schriftfälſchung gegeben wurde. Die ſchlimmſte Wirkung derſelben aber ſei der zwiſchen Haus und Schule eingeriſſene Zwieſpalt, ſofern die Eltern jetzt mit Unterſchreibung der Cenſuren und Entſchuldi⸗ gungszettel ihren Pflichten vollſtändig genügt zu haben glaubten und meiſtens gar nicht mehr oder doch nur bei Bittgeſuchen ſich herabließen, perſönlich bei dem Lehrer Erkundigung und Berathung zu holen, gleichwohl aber bei ungünſtigen Reſultaten und unangenehmen Vorfällen über Mangel an vorgängiger Benachrichtigung und
*) Am ſtärkſten hat dies Scheibert ausgeſprochen in ſeinem Werke über Gymnaſium und höhere Bürgerſchule, Berlin 1836. Scheinbar abweichend davon verlangt er jetzt in vorläufiger Ermangelung von Schulgemeinden einſtweilen eine mit den Lehrern verein⸗ barte und vom Staate octroyirte allgemeine Schul⸗ und Diſciplinarordnung, aber eine ſolche, durch welche die zur Sitte gewordene Theilung des Unterrichts nach Stunden und Alles, was darauf in dem geſammten Schulweſen baſirt iſt, ihr Ende erreiche. Die Meiſten werden die Möglichkeit der Sache an ſich, oder doch ihre Vereinbarkeit mit der Vielheit der Fachlehrer in einer und derſelben Claſſe nicht begreifen. Aber dies darf nicht hindern, auf die an neuen und tiefen Ideen reichen Mittheilungen des Verf. hinzu⸗ weiſen, deren neueſtes Reſumé die pädagogiſche Revue December 1849 enthält. Hier heißt es unter Anderm:„Man hat die ſchöne Frucht des Zuſammenlebens in den Schu⸗ len den Privatſtuben überlaſſen, und ſo ſind Bier⸗ und Chartenſtuben daraus geworden, weil man dem natürlichen Triebe in der Schule keine Nahrung und keinen Raum ge⸗ ſtattete. Dieſe Sünde iſt in der That eine unverzeihliche. Man hat den Schülern und Schulen das genommen, was ſie allein bieten können als ein Weſentliches, und hat es in den Koth treten laſſen, und muß wohl gar dagegen eifern und die Iſolirung noch über die Schulelaſſe hinaus fortſetzen.— Je mehr man unſere Schüler hat lehren wollen, deſto weniger haben ſie gelernt; je mehr die Schulen haben rein lehren ſollen, deſto weniger haben ihre Schüler lernen wollen. Daß ſtrenge Examina und viele Lehrſtunden und ſtreng innegehaltene Lehrpenſen es nicht vermögen, das ſollte man nun wohl ſchon füglich aus der Erfahrung kennen gelernt haben. Wir wollen, daß das Maß und namentlich der Umfang des Wiſſens in den Schulen möglichſt gering geſteckt werde, und daß die Vertiefung des Einzelnen in das Einzelne viel mehr zur Geltung komme; daß aller der Unterricht, welcher zu Ueberſichten führt und dem Geiſte zu Ueberſichten verhelfen ſoll, wegfalle als ein—5 und dafür nach Einſicht geſtrebt werde in einem für die Jugend erreichbaren und umfaſſbaren Kreiſe.“


