— 414—
der an jeder Stelle ſeines Stadiums dem augenblicklichen Bedürfniß nachgeben, ab⸗ und zuthun, den Lehrgang nach Bedarf beſchleunigen und verzögern, die der Nach⸗ hülfe bedürftigen Schüler zuſammen nehmen und ſo ihnen gewähren kann, was ſie zur Nachhülfe bedürfen, und was ſie durch bloßes Zurücklaſſen in einem bereits durchlaufenen und in anderer Weiſe erneuerten Lehreurſe nur ſelten erhalten. Der Lehrer iſt im Stande, einen Plan auf mehrere Jahre hinaus zu entwerfen, er allein übernimmt die Verantwortung für deſſen zweckmäßige und wohlgelingende Aus⸗ führung, und wenn dieſe Verantwortung mit einiger Schwere auf ihm laſtet, ſo iſt ſie ihm doch auch erwünſcht, weil ſie ihm Gelegenheit bietet, ſeine Wirkſamkeit im ſchönſten Lichte zu zeigen. Ihm allein wird zugeſchrieben, was ſeine Schüler leiſten, er allein ſteht zu ihnen in einem väterlichen Verhältniß, ihm allein ſind der Dank, der Ruhm und die Ehre. Will er dieſer nicht verluſtig gehen, will er mit ſeinen Schülern nicht überflügelt werden von denen, die mit ihm in gleichem Weltlauf alterniren, ſo muß er Alles aufbieten, der ihm anvertrauten Generation den Cha⸗ rakter vorzüglicher Tüchtigkeit aufzuprägen und wo möglich auch die Schwachen und minder Begabten nicht dahinten zu laſſen. Und die Erfahrung beſtätigt, daß, wo dieſe Einrichtung beſteht, die grellen Unterſchiede zwiſchen dem oberſten und unter⸗ ſten Schüler ſehr gemäßigt, eine weit größere Gleichmäßigkeit der Geſammtheit er⸗ zielt, und beſonders in den mit einem gewiſſen Mechanismus der Conſequenz einzu⸗ prägenden Dingen, namentlich in den grammatiſchen Elementen der alten Sprachen eine weit größere Sicherheit erzielt wird. Mit Unrecht läſſt man ſich von dieſer Einrichtung durch die Bemerkung abſchrecken, daß ſie von den Jeſuiten herrühre. Die Jeſuiten waren jedenfalls feine Menſchenkenner und hatten richtig wahrgenom⸗ men, daß der Erzieher aus ſeinen Zöglingen Alles zu machen vermöge, was er zu machen verſteht, wenn ſie unbedingt und ungetheilt in ſeine Gewalt gegeben ſind, und es handelt ſich nur darum, eine geheimniſſvolle Macht, die dort den verwerflichen Zwecken des Ordens diente, für die Sache der edleren Bildung in Thätigkeit zu ſetzen. Für ihre Trefflichkeit liegt ein bedeutſamer Beweis darin, daß, wo ſie alther⸗ kömmlich beſteht, ſie für das Palladium und die Grundbedingung des Gedeihens gehalten wird. Es gibt kaum ſtärkere Gegenſätze, als die zwiſchen dem Abſchluß eines ſolchen zwei⸗, drei⸗ oder vierjährigen Lehrcurſes, der zu voller, allſeitiger und in fortdauernder Dankbarkeit ſich äußernder Befriedigung beendigt wird, und der am Schluſſe jedes Halbjahres wiederkehrenden Trauer⸗ und Paſſionszeit mit ihrer Menge von Verurtheilungen, Durchfalls⸗ und Untüchtigkeitserklärungen, wo der Unterricht unter ſehr viele Lehrer vertheilt iſt, deren keiner allein für den Erfolg verantwortlich gemacht werden kann, deren keiner in dem Fall iſt, ſein ganzes Ich in dem Schüler auszuprägen, deren keiner dazu gelangt, die Früchte zu genießen, die er ſelbſt gepflanzt hat. Wie nahe liegt da die Gefahr, daß dieſe dem perſön⸗ lichen Gebiete entrückten Früchte in ſtets geänderter, wechſelvoller und vielhändiger Pflege gar nicht recht zur Reife gedeihen, daß die Schuld davon bald von unten nach oben bald von oben nach unten geſchoben, daß es für das höchſte Verdienſt


