Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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len alle dieſe zwiſchen Lehrer und Schüler geſtellte papierne Conſtitutionen, ſchrift⸗ liche Nothbehelfe und fein geſpitzte Erſindungen des 19ten Jahrhunderts bedeuten im Vergleich zu der Unmittelbarkeit perſönlicher Einwirkung und Beherrſchung? und wenn die letztere ſchon den ſogenannten Claſſenordinarien meiſt in höherem Grade zu Gebote ſteht, zu welcher Machtvollendung muß ſie nicht gelangen, wenn ein einziger Claſſenlehrer an deſſen Stelle tritt? Was an Kenntniſſen etwa verloren geht, iſt unbedeutend gegen den Gewinn an Geſinnung, Charakter, praktiſcher Tüchtigkeit und Pietät, den eine ſolche ungetheilte und volle Einwirkung der Per⸗ ſönlichkeit zu gewähren vermag. Selbſt die einfachen Mittel von Lob und Tadel werden in unmittelbarer Anwendung den rechten Fleck treffend oft wunderbare Wirkung thun, während eine Reihe von ziemlich genügenden Cenſurprädicaten, von vielen Lehrern ausgeſtellt, oft auch den Mittelmäßigen verleitet, ſich hinter ſolchen Barricaden des Lobes für trefflich zu halten, während eine bis 60 und 70 ſteigende Summirung der richtig gebuchten und gezählten Tadelnoten unfehlbar gegen allen ferneren Tadel abſtumpft, während endlich jeder Contraſt zwiſchen lobenden und tadelnden, erhöhenden und erniedrigenden Bezeichnungen, jeder ſcheinbare Widerſpruch zwiſchen den einzelnen Angaben und dem Reſumé des Geſammtprädicates mit rafſinirender Verſchmitztheit zum Nachtheil der Lehrer ausgebeutet wird, nicht zu gedenken gewiſſer Verfehlungen durch Defraudation und Schriftfälſchung, die in hrüheren Zeiten unbekannt erſt mit dieſen durch die Vielheit der Unterrichtenden nothwendig gewordenen ſchriftlichen Erziehungsmitteln ins Daſein gerufen worden ſind. Aber ſelbſt daß an Kenntuiſſen bedeutend verloren gehe, kann man nicht unbedingt zugeben; vielmehr läſſt ſich erwarten, daß was nach Verſchiedenheit der lehrenden Individuen in der einen Claſſe zurücktritt, in einer der folgenden deſto mehr zum Durchbruch komme, und hierdurch einigermaßen der Erfolg erzielt werde, der im Privatunterricht durch die ſogenannte continuirende und intermittirende Methode oft im höchſten Grade erreicht wird. Selbſt der völlige Ausfall eines Lehrgegenſtandes in einer Claſſe iſt noch kein Verluſt, ſo wenig wie deſſen Fort⸗ ſchleifung in wenigen Lehrſtunden durch alle Claſſen hindurch für Gewinn zu er⸗ achten iſt.

Alle Vorzüge, die hier der Unterrichtsertheilung durch einen einzigen, ſo wenig als möglich durch andere ergänzten, jedenfalls den ganzen ſprachlich⸗geſchichtlichen Unterricht ertheilenden Lehrer für die Unter⸗ und Mittelclaſſen des Gymnaſialunter⸗ richts oder bis zum Hervortreten der künftigen Berufsſtimmung nach dem Anfang des 17ten Lebensjahres zugeſchrieben werden, müſſen um ſo entſchiedener ſich geſtal⸗ ten, wenn es eben dieſem Lehrer möglich gemacht wird, ſeine Schüler durch mehrere Jahrescurſe hindurch zu führen und alſo mit ihnen zugleich in höhere Claſſen auf⸗ zuſteigen. Die rein äußerliche und in der Praxis doch niemals ganz gelingende Vertheilung und Abgränzung der Lehrpenſa und die peinliche bis auf Minuten aus⸗ geſpitzte Regelmäßigkeit ihrer Betreibung tritt hier zurück hinter dem einſichtigen und mit wenig beſchränkter Machtbefugniß durchgeführten Ermeſſen des Lehrers,

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