Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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Wenn aus dem Bisherigen ſich ergibt, daß etwa vom 17 bis 19ten Lebens⸗ jahre, wo in dem Kreiſe der höheren Bildung die Wahl des Berufes ſich mit Entſchiedenheit geltend macht, auch die Berechtigung dazu von dem Lehrplan und der geſammten Einrichtung der Anſtalt einigermaßen und innerhalb der gebührenden Schranken anerkannt werden ſollte, ſo ſteht damit in der engſten Verbindung, daß das ſogenannte Fachſyſtem hier überwiegend und vorherrſchend ſein müſſe. Aber nur da wird daſſelbe ſeine volle Heilſamkeit bewähren, wo es nach Inhalt und Form ſo viel möglich in dem friſchen Reize der Neuheit auftritt und den Jüngling in eine unbekannte, ſeinen Wünſchen und Lebenshoffnungen möglichſt entſprechende Welt einführt. Schon der hieraus entſpringende Gegenſatz kann den Wunſch ver⸗ zeihlich machen, daß daſſelbe Syſtem in den Unter⸗ und Mittelelaſſen niemals zu der ausſchließlichen Herrſchaft hätte gelangen ſollen, welche wir in neueren Zeiten vielfach ihm eingeräumt ſehen. Bis zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts war die Einrichtung vorherrſchend daß, mit Ausnahme der unter mehrere vertheilten erſten Claſſe, jeder Lehrer ſeine Claſſe für ſich hatte, welcher er Alles in Allem ſein muſſte, und deren geſammten Unterricht er, allenfalls mit Ausnahme einiger Nebenſtunden, allein zu beſorgen hatte. Als die Menge und Mannichfaltigkeit der Unterrichtsgegenſtände mit allen dadurch erweckten Anſprüchen auf die Schulen ein⸗ ſtürmte, muſſten dieſe, um den neuen Bedürfniſſen möglichſt zu entſprechen, für zweckmäßiger erachten, die Lehrſtunden den Lehrern nicht claſſenweiſe, ſondern fach⸗ weiſe zu übertragen, und es leidet keinen Zweifel, daß hierdurch für jedes Fach diejenigen gewonnen werden konnten, die für daſſelbe noch Kenntniß und Neigung vorzugsweiſe geeignet waren. Aber was an Fachwiſſen hierdurch gewonnen werden konnte, ging großentheils dadurch wieder verloren, daß die von ſo vielen Individua⸗ litäten gemachten verſchiedenartigen Anſprüche ſich wechſelſeitig zu paralyſiren pflegten, etwa wie ein Körper ziemlich im Stillſtande bleibt, auf den die bewegende Kräfte von allen Seiten einwirken. Selbſt wo ein nmfaſſenderes Fachwiſſen in dieſer Weiſe erzielt werden konnte, muſſte man ſich geſtehen, daß der Werth deſſelben ſchon um deswillen überſchätzt wurde, weil was mühevoll in den Unter⸗ und Mittelclaſſen eingeprägt wurde, nicht ſelten ſchon gegen das Ende des Gymnaſialcurſes verblichen, zerronnen und entſchwunden war, wie es Allem ergeht, was nach dem bezeichnenden Ausdruck nur auswendig, nicht inwendig gelernt wird, was nicht einen Beſtandtheil bildet von dem aus dem Innern quellenden Leben und Streben des Menſchen. Es wurde ſeitdem ungleich mehr gelernt, als in alten Zeiten, aber auch ungleich mehr Zerſtreuung, Verflüchtigung, Haltloſigkeit, Abſpannung, Indolenz hervorgerufen, und wer da weiß, wie in der Jugend intellectuelle und ſittliche Fehler in einander ſpielen, dem muſſte ſich die verhängniſſvolle Frage aufdrängen, ob nicht durch jene Einrichtung in hohem Grade der erziehende Einfluß beeinträchtigt werde, den bis zu gewiſſen Jahren überall nur ein einziger, den Zögling faſt allſeitig beherrſchender Lehrer in voller Kraft zu äußern vermag. Denn was man auch vorkehren möge, die Bruchtheile eines von vielen Lehrern zugleich ertheilten Unterrichts werden da,

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