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Erfaſſung den Lebensberuf der Jugend bildet, tief in ihre ſittliche Lebensführung eingreift, wie denn nicht ohne bedeutſamen Sinn von dem Begriffe des Lernens die ſittliche Zucht der zum Lernen Berufenen die Diſciplin benannt worden iſt. Zahl⸗ reiche Keime des Fleißes und des Unfleißes, des geiſtigen und ſittlichen Lebens und Todes in dem der Wiſſenſchaft gewidmeten Berufsleben der Jugend liegen hier verborgen, und wenn alle Erfahrungen der Neuzeit darin übereinſtimmen, daß der Unterricht am beſten da gedeiht, wo zu dem gereiften Verſtande des Jünglings die Ueberzeugung von dem praktiſchen Nutzen des Wiſſens und die Einſicht in deſſen nahe liegende Anwendbarkeit ſich geſellt, ſo wird auch die gelehrte Schule nicht hin⸗ ter dem verfallenen Bollwerk hergebrachter Redensarten über Banauſie der Nützlich⸗ keit und des Brotſtudiums ſich dagegen abſchließen können, wenn in ihr ſelbſt die wiſſenſchaftliche Erfolgloſigkeit der auf die alte Gelehrſamkeit gerichteten Bemühungen immer ſtärker hervortritt, und zugleich außer ihr der durch das Ausfallen der alten Sprachen mit dem 17ten Lebensjahre möglich und üblich gewordene Uebergang zu den Berufsſtudien als der bedeutendſte Lebensgewinn in dem modernen Culturfort⸗ ſchritt ſo allgemein anerkannt wird. Es iſt ein ſchweres Miſſeſchick, was auf den gelehrten Schulen laſtet, daß was ſie geleiſtet haben und noch leiſten ſollen und wollen, durch die Entwickelung der ſocialen und politiſchen Verhältniſſe und Bedürf⸗ niſſe vielfältig gehindert, gehemmt, erdrückt, entwerthet, und daß, was zum Erſatz dienen könnte, ihnen entzogen, verſagt, abgeſprochen wird, und es leidet keinen Zweifel, daß dieſe Uebelſtände am ſtärkſten da hervortreten, wo die Trennung der humaniſtiſchen und realiſtiſchen Bildungsweiſe durch alle der Schulbildung gewidmete Jahre am vollſtändigſten durchgeführt, und die erſtern am ſtrengſten in dem Bereiche der„alten Gymnaſialbildung“ feſtgehalten wird. Höherſtrebende mathematiſche Talente entſchwinden aus den Oberclaſſen und nehmen den heilſamen Einfluß mit ſich, den ihr Beiſpiel auf die Commilitonen ausüben würde. Für das Zeichnen, und zwar zu einer Zeit, wo daſſelbe zur höchſten Anerkennung ſeiner pädagogiſchen Wichtigkeit gelangt iſt, entſchwinden Talent, Neigung und Uebung dermaßen, daß nur noch ſelten höhere Kunſtleiſtungen zum Vorſchein kommen. Hiermit iſt aber auch jenes Element der Kunſtbildung gefährdet, auf deſſen Cultur ein weſentlicher Beſtandtheil der griechiſchen und römiſchen Studien beruht, und zwar gerade der⸗ jenige, welcher auf jene Kunſtfertigkeit geſtützt, dieſen Studien auf den oberſten Stufen eine neue Welt erſchließen, eine nene friſche Begeiſterung für ſie erwecken würde. Aber wie ſelten gelingt es noch, die Zeichnung eines antiken Kunſtwerks mit einem angemeſſenen über Inhalt und Form, Kunſt und Künſtler ſich verbreiten⸗ den Vortrage zu erzielen! Es fehlt dazu an techniſcher Fertigkeit, an praktiſch geübtem Kunſtſinn, großentheils auch an den Hülfsmitteln der Kunſtbildung; aber ſelbſt im Ueberfluß der letzteren vermag auch die realiſtiſche Bildung dieſen Mangel nicht zu erſetzen, weil ihr wiederum der alterthümlich- hiſtoriſche Sinn und Geiſt abgeht, der die Kunſt aus dem antiken Volksleben begreift und mit claſſiſcher Literatur und Lectüre in innige Verbindung ſetzt. In den meiſten Diſciplinen der


