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durch das, was die höhere Vollendung gewähren ſollte, das Gegentheil herbeigeführt wird. Abſchlaffung und Lauheit treten an die Stelle des früheren Eifers, und es i*ſt eine bekannte Thatſache, daß die griechiſchen Leiſtungen in der Maturitätsprüfung oft ſchlechter ausfallen, als ſie zwei Jahre früher geweſen ſein würden. Aehnlich verhält es ſich im Lateiniſchen. Die Fertigkeit im Lateinſchreiben, welche dier alte Gymnaſialbildung als ihre höchſte Aufgabe und als den Inbegriff ihres geiſtigen Gewinnes betrachtete, hat ſchon ſeit geraumer Zeit in den Oberclaſſen nur noch in geringem Maße erzielt werden können, und gerade die häufige Erfolgloſigkeit der darauf gerichteten Bemühungen hat neuerdings vielfach zu ihrer gänzlichen Ab⸗ werfung verleitet. Wie jetzt die Sachen ſtehen, muß auch dies für eine Calamität, ja faſt für den Ruin der alteclaſſiſchen Bildung gehalten werden, denn mit dem Lateinſchreiben ſteht und fällt auch die Leichtigkeit der Lectüre und des Verſtändniſſes, die ſelbſtſtändige Orientirung und ſelſtforſchende Durchdringung, die überlegene Be⸗ wältigung alles deſſen, was die alte Literatur als Bildungsmittel uns darbietet. Dabei war die bis zu geſchmackvoller Fertigkeit gediehene Uebung, zumal in Ver⸗ bindung mit der ſelbſt von Göthe empfohlenen Handhabung der üblichſten metriſchen Formen eine ächte Gymnaſtik des Geiſtes, eine Concentration ſeiner Kräfte, die Studium, Lectüre, Kenntniß, Forſchung, Scharfblick, Combination und Production erheiſchte, die alle Nerven der Intelligenz zu kräftigen, alle Fühlfäden des feineren Geſchmacks in Bewegung zu ſetzen vermochte. Wohin es führen wird, dieſes alte und bewährte Bildungsmittel abzuſchaffen, ohne es zugleich durch ein neues und zeitgemäßes zu erſetzen, iſt leicht vorauszuſehen. Der viſſenſchaftliche Sinn und Geiſt, dieſe Baſis und Stütze des ſittlichen Geiſtes auf der Laufbahn der Studien, wird dadurch bis zu farbloſer Mattigkeit abgeſchwächt werden und hinter jenem den Griechen und Romern unbekannten Naturell zurücktreten, welches die moderne Sprache mit dem Kunſtausdruck der Blaſirtheit bezeichnet. Wenn es feſt⸗ ſteht, daß ein Bildungsmittel zwar an ſich tauglich und bewährt, aber unter ver⸗ änderten Zeitverhältniſſen nicht mehr bei allen Schülern einer Anſtalt anwendbar und durchführbar iſt, ſo folgt daraus, daß man es auf diejenigen beſchränken müſſe, die noch als bildungsfähig durch daſſelbe ſich erweiſen, und daß man es mit einem andern vertauſchen müſſe, ſo weit ſeine durch die Verhältniſſe herbeigeführte Erfolg⸗ loſigkeit und Unanwendbarkeit anerkannt wird. Es fällt aber dieſe Trennung keines⸗ wegs zuſammen mit der Trennung in eine humaniſtiſche und realiſtiſche Bildung, ſondern ſie liegt innerhalb der letzteren, wenigſtens ſofern dieſe überhaupt noch in größerer Allgemeinheit fortbeſtehen und nicht etwa auf wenige Anſtalten für Vor⸗ bildung gelehrter Theologen, Philologen und Alterthumsforſcher beſchränkt werden ſoll. Bleiben wir bei den oben beſprochenen Beiſpielen ſtehen, ſo wird wohl allge⸗ mein anerkannt, daß der Mehrzahl künftiger Aerzte und Officiere, ſofern ſie im Gymnaſium bis zu einer nicht verfrühten Maturitätsprüfung verbleiben ſollen, die letzte und höchſte Vollendung in der griechiſchen Lectüre und im lateiniſchen Styl auf die Dauer nicht auferlegt werden kann, und daß, was der Fortſchritt der Zeit 5*


