Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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mal da mit und nach der Confirmation ein zahlreicher meiſt ſchon lange zum voraus den Fleiß abſpannender Austritt aus dem Gymnaſium erfolgt, und nur ſehr wenige Schüler daſſelbe ordnungsmäßig von der unterſten bis zur oberſten Claſſe durch⸗ ſchreiten. Viele blieben gern bis zur Maturitätsprüfung, wenn die Möglichkeit gegeben wäre, einiges Entbehrliche mit dem ihnen Nothwendigen zu vertauſchen; die Unmöglichkeit, das letztere zu erlangen, treibt ſie, auch das Gute und Unerſetzbare aufzugeben, was ihnen das Gymnaſium weiter gewähren könnte. Die Bleibenden ſind nicht durchgehends die beſſeren, ſelbſt ſolche befinden ſich unter ihnen, die im Sprachlichen mattherzig nur aus Furcht vor größeren mathematiſchen Anforderungen von dem Uebertritt abgehalten werden. Die Folgen aller dieſer ungünſtigen Ver⸗ hältniſſe geben ſich darin kund, daß die Blüthen und Früchte der Gymnaſialbildung, die nur durch einen von unten auf fortgeſetzten methodiſchen Anbau erzielt werden können, nicht in ſolcher Fülle und Reife gedeihen, wie dies in früheren Zeiten zu ſein pflegte. Die Betreibung der alten Sprachen und die Lectüre der alten Autoren, wenn ſie durch Anregung bewuſſter und aus innerſter Neigung anſtrebender Selbſt⸗ thätigkeit auf den oberſten Bildungsſtufen jene Früchte vorzugsweiſe zeitigen ſollen, werden von einem Umfang des onomatiſchen Wiſſens und einer Sicherheit der grammatiſchen Handhabung bedingt, die in der neueſten Zeit immer ſeltner geworden ſind. Nimmt man dazu, daß die geſammte Entwickelung der Weltverhältniſſe dieſen Studien durchaus ungünſtig iſt und ſie überall mehr oder weniger von ihrem früheren Niveau herabdrückt, ſo iſt leicht zu ermeſſen, daß die Verheißung, die Gymnaſien durch Beſchränkung auf die ſogenannte alte Gymnaſialbildung und durch Entziehung alles deſſen, was über dieſe hinauszugehen ſcheint, auf ihre wahre Be⸗ ſtimmung zurückzuführen und in dieſer deſto höhere Vollendung zu vermitteln, zu den eitlen Täuſchungen gehört, die durch die allgemeine Erfahrung tagtäglich Lügen geſtraft werden. Gerade das exeluſive Vorherrſchen der bereits durch viele Jahre hindurch betriebenen Studien iſt es, was deren wirklich ſchon erzielte Früchte oft wieder verderbt. Einem guten Unterrichte wird es z. B. unter günſtigen Ver⸗ hältniſſen immer gelingen, bis zum 17ten Lebensjahre ein fertiges Verſtändniß des Homer und Herodot und durch daſſelbe eine innige Befreundung mit dem griechi⸗ ſchen Genius zu erzielen, die durch das Studium der griechiſchen Geſchichte und Kunſt ihre für allgemeine Bildung genügende Weihe erhält. Eine kleinere Schar wird unleugbar höhere Vollendung erlangen, und wir möchten ihr dieſe in keiner Weiſe verkümmern, wenn weiter noch Autoren wie Aeſchylos, Sophokles, Euripides, Ariſtophanes, Platon, Lyſias, Iſokrates, Demoſthenes, Theokrit und Plutarch zu ihrer ferneren Ausbildung mitwirken, aber indem dieſe höhere Vollendung zum all⸗ gemeinen und unerlaſſlichen Zwangsgeſetz für alle ſonſt wohl achtbare, aber hier nicht congeniale Naturen und für diejenigen Jahre erhoben wird, in denen bei der Mehrzahl die Gewalt der Naturbeſtimmung und die Rückſicht auf den künftigen Beruf ihre zumal in unſern ſchwierigen Zeiten unabweisbare Anforderungen in abweichender Richtung geltend machen, iſt die unausbleibliche Folge, daß gerade