Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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und manche Reformideen hervorgerufen hat. Ein ſachkundig gediegener und höchſt beachtenswerther Aufſatz, welchen die Darmſtädter Zeitung*) darüber gebracht hat, ſpricht es geradezu aus, daß einer der beiden höheren Bildungswege unſerer Zeit, entweder der reale, durch das Vorherrſchen der Naturwiſſenſchaften, oder der huma⸗ niſtiſche, durch das Ueberwiegen der alten Sprachen bezeichnet, von Grund auf eingeſchlagen, die Militärſchule aber zur militäriſchen Akademie erhoben und der mittleren Schulbildung entledigt werden ſollte.Nach unſerer Anſicht müſſte ein⸗ fach an Jeden, der die Militärſchule beſuchen oder der Ofſiciersprüfung ſich unter⸗ ziehen will, verlangt werden, daß er vorher das Maturitätsexamen beſtanden hat. Daß dieſes noch zu ſehr auf der alten Gymnaſialbildung ruhe, zu viele Forderungen enthielte, die dem Ofſicier für ſeine Geiſtesentwickelung entbehrlich wären, kann kein Einwand ſein; denn es iſt die Aufgabe der Schule, die oben angedeutete zweiſeitige Bildungsweiſe in der Einrichtung der Lehranſtalten und im nächſten Zweck des Unterrichts in jener Prüfung ſo zu vermitteln, daß ſie zu nämlichem großem Ziele zuſammen wirken können. Für den künftigen Ofſicier aber wird es, wenn er wie es dann in der Regel geſchieht, die mittleren Lehranſtalten bis in die höch⸗ ſten Ordnungen durchlaufen hat, nicht der geringſte Gewinn ſein, daß er an dem regen Verkehr Theil nahm, der in ihnen auch außerhalb der Schulſtube ſo mächtig anregend, ſo menſchlich entwickelnd wirkt, daß in ihm der offene Sinn, die gereifte Empfänglichkeit für jede Fortbildung, für jeden Lebensberuf entwickelt wurde, die weit mehr als poſitives Wiſſen die eigentliche Frucht dieſer Anſtalten iſt. Denn, um es noch einmal ausdrücklich zu ſagen: wir meinen, daß der Ofſicier in den vollen Strom der nationalen Erziehung getaucht werden, daß jede Abſonderung, jede Ausſchließungsſucht von dem friſchen Luftzuge des allgemeinen Lebens ein Ende haben müſſe, daß nur ſo an eine beſſere Zukunft, an eine zeitgemäße Entwickelung der Heereseinrichtungen gedacht werden kann. Das Militär darf künftig von denen, die es zum Lebensberuf wählen, keine beſondere Richtung des Geiſtes, keine abnorme Lebensanſchauung, keine beſonders anerzogene Sitte verlangen; was die Schule leiſtet, muß auch für ſeine Zwecke genügen; freilich bleibt der Schule die Aufgabe, ihre Leiſtungen, namentlich was Zucht und Ordnung und Sitte angeht, noch weſentlich zu verbeſſern. Aber indem wir auf der einen Seite jeden Reſt der alten Officierserziehungsmethode bekämpfen, könnte uns von der entgegengeſetzten der Vorwurf entgegentreten, daß wir mit unſerer auf die Maturitätsprüfung gerichteten

*) Ueber Officierbildung, die gegenwärtige Lage der Frage und ihre Ausſichten in der D. 3. 1849 S. 1942. Vgl. die vorjährige A. S. Z. Nr. 66. Es iſt zu vermuthen, daß auch hier die als nothwendig angenommene Trennung in eine doppelte Bildungsweiſe bei einem etwaigen Verſuche der Ausführung auf keiner Seite zur Befriedigung führen würde. Wenigſtens hat das preußiſche Kriegsminiſterium eine Schulconſtruction begrün⸗ det, die nicht humaniſtiſches und nicht Realgymnaſium iſt und doch lauter Gegenſtände enthalten ſoll, die als allgemeine Bildungselemente angeſehen werden. Päd. Rev. 1849 April, S. 128, Septemb. S. 297.

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