Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 3
Entstehung
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Alle werden es aber dankbar anerkennen, daß es das alte bildende Element der Schulen geweſen iſt, das ſie für ihre Wiſſenſchaft empfänglich gemacht hat. Die⸗ ſer Anſicht gemäß iſt er zufrieden mit dem, was als Vorbereitung für die oben genannten Fächer das alte Gymnaſium bisher geleiſtet hat und ohne große Aende⸗ rung des Lectionenplanes noch beſſer zu leiſten vermag, und findet jede Dismem⸗ brirung unnöthig, durch die man doch nicht den Zweck, gehörige Vorbereitung für die Fachſchulen, erreichen würde. Dagegen wünſcht er den Gymnaſialcurs etwas früher beendigt und eigne Schulen errichtet, die den Uebergang von den Gymnaſien zu den Fachſchulen vermitteln.Der Nutzen, den dieſe Einrichtung gewähren würde, liegt auf der Hand. Die jungen Leute, welche nur für einen Zweck verſammelt wären, würden die Wichtigkeit deſſelben vollſtändiger begreifen und achten. Sie lernten nur das, was ſie unmittelbar darauf gebrauchten und unmöglich wieder vergeſſen könnten. Die Schüler werden wenigſtens ein Jahr früher auf dem Gym⸗ naſium fertig und treten mit dem 17 oder 18ten Jahre während der beginnenden Blüthe ihrer Verſtandeskräfte in die naturwiſſenſchaftliche Schule, die entweder in ihrem Orte, oder in einer benachbarten Stadt, am beſten auf dem Lande ſich be⸗ findet. So erzögen wir tüchtige Schüler, die künftig als Aerzte, Pharmaceuten, Forſtmänner u. ſ. w. ihre Stellen ganz ausfüllen würden. Die polytechniſchen Schulen könnten zwar dieſelbe Abhülfe bewirken, da ſie auf den Unterricht der Naturwiſſenſchaften im ganzen Umfange eingerichtet ſind. Allein ihrer gibt es lange nicht genug in Deutſchland, um das angegebene Bedürfniß zu befriedigen. Und

lehre herab, der Glaube zum Aberglauben. Soll der höher gebildete Landwirth ſich darum ganz losſagen von Studien, in welche tiefer einzudringen ſeine Berufsthätigkeit ihm nicht einmal die nöthige Muße geſtattet? Er beantwortet dieſe Frage verneinend und ſucht nachzuweiſen, daß nicht die Wiſſenſchaft jene Uebel verſchuldet habe, ſondern einſeitige Theorien derſelben von der einen und der auf bloßen Gebrauch chemiſcher Recepte beſchränkte Schlendrian auf der andern Seite, der nur verbannt werden könne durch ſelbſtſtändiges Denken, welches wiederum ſeine Wurzel habe in der ſorgfältigſten geiſtigen Vorbildung für Erlernung und Ausübung des landwirthſchaftlichen Berufes. Es bedürfe für den Landwirth keines gründlicheren und umfangreicheren chemiſchen Wiſ⸗ ſens, als für den Arzt oder Techniker, es handle ſich nur um die feſte Grundlage für ein ſelbſtſtändiges Denken und die Befähigung, ſich, wo es Noth thut, in dem Detail der Wiſſenſchaft zu orientiren. Dieſe werde gewährt von den Gymnaſien, wenn ſie durch einen tüchtigen naturwiſſenſchaftlichen, beſonders chemiſchen Unterricht eben ſo wie auf dem Wege der grammatiſch⸗ſprachlichen und claſſiſchen Studien das Ziel der formellen Geiſtes⸗ bildung zu erreichen ſtrebten. Dies könne geſchehen ohne weſentliche Beeinträchtigung der claſſiſchen Studien.Wir wollen nicht den hohen Werth antaſten, deſſen ſich die ſeit Jahrhunderten bewährte claſſiſche Richtung im Gymnaſialunterrichte rühmen darf. Der Verf. dieſes Aufſatzes hat in ſeiner vieljährigen Berufsthätigkeit die beſte Gelegen⸗ heit gehabt, den Segen einer ächt claſſiſchen Bildung, wie er ſich gerade bei Aerzten, Landwirthen und Naturforſchern bewährt, zu beſtäligen. Er geht ſogar ſo weit, zu be⸗ haupten, daß nur ein Genie im Stande iſt, den Mangel einer ſolchen Vorbildung über⸗ windend, ſich als Naturforſcher zu einer bedeutenden Stellung in der Gelehrtenwelt emporzuarbeiten. Es kann alſo durchaus nicht meine Meinung ſein, den Gymnaſial⸗ unterricht zu corrigiren, die claſſiſchen Studien zurückzudrängen u. ſ. w.