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ungenügende Durchdringung der Humanität keineswegs zu befürchten ſtehe. Der neue Weg ſei der kürzere, und getroſt möchte man auf denſelben jeden jungen Mann verweiſen, dem Talent, Geſundheit, Geld und Zeit nicht in reicherem Maße zu Gebote ſtänden. Da nun aber nicht leicht einer ſein wird, dem nicht wenigſtens das eine oder das andere dieſer Requiſite abgehen ſollte, und da ein 5 bis Tjähriges akademiſches Studium der Medicin, wie es hier in Ausſicht geſtellt wird, faſt allein ſchon die unvermeidliche Nöthigung involvirt, dem Gymnaſialcurs möglichſt viele Zeit abzubrechen, ſo wird mittelbar und für die Prarxis das Uebergewicht der Gründe der andern Seite zugewendet, und dieſes Reſultat wird dadurch gefördert, daß in dem alten Gymnaſium die entſchiedenſte Abneigung gegen alle Conceſſionen Hand in Hand geht mit der Entbehrung derjenigen Kräfte und Mittel, welche dieſe Conceſſionen nutzbar machen könnten. Dagegen wird, was die claſſiſche Bildung immer als ein höchſt unbedeutendes Accidens ihrer Leiſtungen angeſehen hat, das Verſtändniß der griechiſchen und lateiniſchen Fremdwörter, von mediciniſcher Seite wohl nicht mit Unrecht ſehr hoch veranſchlagt. Auch der Verf. weiſ't mit Nach⸗ druck darauf hin, daß etymologiſche Studien oft nothwendig zur Gründlichkeit des Wiſſens gehören, da ſie mit den ſyſtematiſchen Begriffen der Autoren innig zuſam⸗ menhängen, und er hält ſie für deſto unerlaſſlicher, je entſchiedener er den medicini⸗ ſchen Purismus verwirft, der die griechiſche und lateiniſche Terminologie aufgeben und ſomit eins der wichtigſten nnd wohlthätigſten Verſtändigungsmittel für die Aerzte aller Nationen vernichten möchte, ein Mittel, was niemals durch Wörter⸗ bildung und Wörterbücher moderner Sprachen erſetzt werden kann, und das man mit allem Rechte bis jetzt ſo unantaſtbar erachtet hat, daß ſelbſt fehlerhaft aus dem Griechiſchen gebildete Ausdrücke meiſt unverändert angenommen und beibehalten worden ſind. Eben deshalb aber iſt der Verf. davon überzeugt, daß, wenn das Realgymnaſium noch die von ihm gewünſchte Einleitung in das Griechiſche künftig gewähren wird, was zu bloßer Erklärung von Fremdwörtern ſich kurz abthun läſſt, den von ihm herangebildeten Mediciner kein weſentliches Stück der Vorbildung zu einem tüchtigen Naturforſcher und Arzte entgehen werde. Wenn ſpätere Neigung und günſtigere äußere Verhältniſſe ihn beſtimmen ſollten, die heſperidiſchen Früchte des andern Weges zu erſtreben, ſo würde er dazu Bildungsfähigkeit genug haben und auch ſo einen ganz normalen Bildungsgang machen.(Nach des Ref. Erfah⸗ rung möchte jene Neigung zu den ſeltnen, jene Bildungsfähigkeit in ſpäteren Jahren zu den ſeltenſten Ausnahmen gehören.) Mit Recht legt endlich der Verf. einen großen Werth darauf, daß jeder Arzt während der Gymnaſialzeit ſich im Zeichnen von menſchlichen Körpern, Pflanzen, Geräthſchaften u. ſ. w. geübt, daß er durch genaues Beſchauen von Gemälden und Bildhauerarbeiten und unter Anwendung künſtleriſcher Kritik ſich einigermaßen zum Kunſtkenner ausgebildet habe, um am menſchlichen Körper eben ſo ſcharf ſein und ſicher, wie ein Künſtler, zu beobachten. Es leidet keinen Zweifel, daß auch in dieſer Hinſicht die alten Gymnaſien bei der desfallſigen Hülfloſigkeit, in welcher ſie ſich großentheils immer befunden haben,


