Drei Schulreden
des
Seminardirectors Lex zu Uſingen.
Entlaſſungsworte an die Abiturienten im Frühlinge 1857.
Geliebte Zöglinge, die ihr nun von dannen gehen wollt! Drei Jahre lang faſt täglich in engem Umgange mit einander verbunden und thatſächlich an einander gewöhnt, ſollen wir auf einmal von einander ſcheiden; und dieſe Stunde iſt die Trennungsſtunde. Wer weiß, ob Einer den Andern je in dieſem Leben wieder ſieht? Die Strömung des Lebens trägt euch nun in die Weite, niemand weiß ſeinen Lebensgang, niemand ſein näheres oder entfernteres Loos. O, es iſt etwas Feierliches um eine Scheideſtunde! Grade je enger, je ernſter und edler das längere Beiſammenſein war, deſto feierlicheren Ernſt ſchließt ohne Zweifel die Scheideſtunde in ſich. Man gedenket da unwillkührlich jener großen Stunde des jenſeitigen Wiederſehens, wo die Pilger erfahrungs⸗ und wiſſensreicher ſich begegnen, wo die irdiſchen Beſchränkungen hinter uns liegen, und unſere Urtheile über das irdiſche Treiben klarer und wahrer ſein werden. Mit einem ſolchen der täuſchungsloſen Ewigkeit gedenkenden Ernſte ſtehe ich jetzt vor euch, um als Lehrer und Erzieher in dieſem Hauſe mein letztes Wort an euch zu richten. Fühlet mit mir die hei⸗ lige Nähe des Ewigen und laſſet mein armes Wort eine gute Stätte bei euch finden! Wie ihr mich habt kennen gelernt inner drei Jahren, ſo ſollt ihr auch jetzt mich wieder finden, kämpfend zwar mit mannichfachen Gebrechen, aber über Alles begeiſtert für eines Jeden gedeihliches Be⸗ rufsloos ohne Anſehen der Perſon und unbeirrt durch die wandelvollen Sitten einer zum Er⸗ barmen widerſpruchsvollen Zeit. Mit einem dreifachen Zurufe laſſe ich meinen Scheideblick be⸗ gleitet ſein, welchen ich euch Scheidenden nachſende; Dreierlei rufe ich euch zu, Keines allein, Keines ohne das Andere, Jedes im engſten Zuſammenhange mit dem Anderen; laſſet den Dreiklang niemals im Ohre euch verklingen, er lantet: Fühlt euch, regt ench, aber beſcheidet n Fühlt euch! So lantet mein erſter Abſchiedsruf. 2u Sla Clendes Geſtrüppe und Gehölze müßtet ihr fein, zum Spotte gezüchtet in dieſer Seminar⸗ anſtalt, deren hochherziger Schirmherr der Herzog Adolph von Naſſau iſt, wenn ihr euch fortan nicht fühlen wolltet. Die elendiglichſten Subjecte auf Gottes Erdboden würdet ihr nunmehr als Schulmeiſter dahinkriechen, wenn ihr euch nicht fühlen wolltet. Saget doch, welches Bewußtſein, welche Anſicht von euerm Berufe iſt euch in dieſem Hauſe aufgegangen? Was ſeid ihr? Was
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