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4. Zur Chronik der Realſchule.
Als wichtige Errungenſchaft für unſere Schule ſtellen wir an die Spitze, daß der Antrag Großherzoglichen Kriegsminiſteriums„die erſte Klaſſe der ſechsklaſſigen Realſchulen bezüglich des ein jährigen ſriwilligendienſtes mitconcurriren zu Laſſen⸗ die Allerhöchſte
enehmigung erhalten hat und demzufolge auch den Schülern unſerer Werſen Klaſſe die fragliche Berechtigung zuſteht, wo⸗ von wir durch hohes Reſcipts der Großherzoglichen Oberſtudien⸗ Direktion vom 14. März l. J. den Intereſſenten Kenntniß zu geben be— auftragt ſind.—
Da mit dem Beginn des neuen Schuljahrs eine Reorganiſation unſerer Schule, namentlich auch die Errichtung einer höheren Klaſſe, mit 1A bezeichnet, in's Leben treten ſollte, ſo wurden im vorigen Jahr keine Schüler mit Abgangs— zeugniſſen entlaſſen.
Leider erlitt die Einführung des neuen Planes noch eine unliebſame Ver— zögerung dadurch, daß unſere Schulräume mehrere Wochen hindurch zur Unterbrin— gung von Militär in Anſpruch genommen waren, weßhalb auch das Schul⸗ jahr 1866/67, anſtatt, wie es beabſichtigt und bekannt gemacht worden war, am 18. Juni, erſt am 2. Juli ſeinen Anfang nehmen konnte. Mittlerweile waren indeſſen auch die neu erworbenen Schulräumlichkeiten in Stand geſetzt worden und ſo begannen wir alsbald mit 11 Klaſſen, zu denen ſich die bei Eröffnung der Realſchule am 20. April 1834 gegründeten Vier allmählich erweitert haben. Neu errichtet war, wie ſchon oben bemerkt, Klaſſe IA, whrnid die ſeither vor— handenen zwei Vorbereitungsklaſſen mit je zweijährigem Kurſus in vier einjährige Klaſſen verwandelt worden und dadurch die Möglichkeit gegeben war, das bei der früheren Ueberfüllung vielfach gehemmte regelmäßige Fortſchreiten von dieſem Hinderniß zu befreien, ohne doch die Schüler mit einem bei ihrem zarten Alter doppelt nachtheiligen Uebermaß von Lehrſtunden zu belaſten. Auch Klaſſe V mußte aus demſelben Grunde in zwei Parallelklaſſen zerlegt werden, die nur in den Schreib-, Zeichen-, Geſang- und Turnſtunden vereinigt, in allen übrigen dagegen getrennt ſind. Mit der Vermehrung der Klaſſen mußte natürlich auch die Jahl der Lehrer in angemeſſener Weiſe vermehrt werden. Es waren deß⸗ halb, vorläufig proviſoriſch, der ſeitherige Lektor an der Univerſität Freiburg Richard von Reichlin⸗Meldegg zum zweiten Lehrer der neueren Sprachen an der Realſchule, ſowie die Schulamts-Aſpiranten Friedrich Auguſt Goes, ſeither in Seligenſtadt, und Philipp Vogt, ſeither in Oſthofen, zu Lehrern an der Vorbereitungsſchule ernannt worden, von denen erſterer die Führung von Klaſſe Vb, Goes die der Vorbereitungsklaſſe III und Vogt die der Vorbe⸗ reitungsklaſſe IV übernahm. Die Führung von Klaſſe I A, die einem Beſchluſſe des Gemeinderaths zufolge vorläufig verſuchsweiſe in's Leben trat und für welche alſo auch ein eigener Lehrer nicht ernannt war, wurde von dem Direktor über⸗ nommen. Um der kaufmänniſchen Ausbildung unſerer Schüler, die ſich bei den Ver⸗ hältniſſen unſerer Stadt längſt als Bedürfniß herausgeſtellt hatte, durch Berufung eines tüchtigen Fachmannes Rechnung zn tragen, war gleichzeitig der Lehrer der neueren Sprachen und der Handelswiſſenſchaft Simon Cahn von Frankfurt a. M. zum Lehrer der Handelswiſſenſchaft an der Realſchule ernannt worden.


