Aufsatz 
Englisch in der Untersekunda nach dem Frankfurter Reformplan / von M. Walter
Entstehung
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sorgen schon die vorliegenden Verhältnisse und nicht zum Mindesten die Vernachlässigung der Lautgebung der Muttersprache, wie wir sie noch bis zu den obersten Klassen finden. Ein Wandel kann hierin erst geschaffen werden, wenn bei aller Anerkennung des heimischen Dialekts sich doch die Überzeugung Bahn brechen wird, daß wir Lehrer selbst darnach streben müssen, uns in unserem Schuldeutsch möglichst vom Dialekt freizumachen, um auch den Schülern ihre Muttersprache im Festgewande zu lehren; damit räumen wir ihnen gleichzeitig viele Schwierigkeiten in der Ortho- graphie hinweg, über deren Vernachlässigung ja ebenfalls mit Recht geklagt wird. Mögen die Bestrebungen Vietors,*) wie sie auch hier durch die Herren Bangert**) und Oberlehrer Heß***) theoretisch und praktisch vertreten werden, weiteren Boden fassen und an allen Schulen Eingang finden! Daß zur Aussprachelehre jeder Lehrer mit der Phonetik vertraut sein müßte, unterliegt keinem Zweifel, und sicher wäre es von hohem Wert, wenn den künftigen Lehrern und Pfarrern auf dem Seminar und der Universität hinreichend Gelegenheit zu gründlichen theoretischen und praktischen phone- tischen Studien geboten würde, wie dies in Schweden schon seit längerer Zeit geschieht. Mögen aber ferner alle, die an dem Werte einfacher phonetischer Winke für die leichtere Aneignung schwieriger Laute zweifeln, einen Einblick in die lautliche Schulung an Taubstummenanstalten thun, um sich hier von der Bedeutung solcher Hilfsmittel augenfällig zu überzeugen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir Lehrer viele Sprachhemmnisse, die unsere Schüler auch in der Muttersprache von der Schule ins Leben mitnehmen, beseitigen könnten, wenn wir die Fehlerquelle genau wüßten und die geeigneten Hilfsmittel zur Beseitigung solcher Fehler kennen lernten.

Unser Studium der Phonetik muß hiernach noch weit prak- tischer gestaltet werden, und darin können wir von der Erfahrung tüchtiger Taubstummenlehrer, die unter ungleich schwierigeren Verhältnissen arbeiten, recht viel lernen, und Kurse unter Leitung eines so erfahrenen Mannes, wie es der hiesige Leiter der Taub-

*) Vietor: 1) Wie ist die Aussprache des Deutschen zu lehren? Marburg. Elwert. 2) Die Aussprache des Schriftdeutschen. Leipzig. Beistand.

**) Bangert: Fibel für den ersten Sprach-, Lese- u. Schreibunterricht. (Nach den Grundsätzen der Phonetik bearbeitet.) Frankfurt a. M. Diesterweg.

***) Heß: Der deutsche Unterricht in den ersten Schuljahren auf pho- netischer Grundlage. Frankfurt a. M. Diesterweg.