I. Derbleubaudes Gymnaſiumszu Offenbach. M.
Von Groſh. Bauinſpektor REU LING chon im Jahre 19001 iſt die Trennung des Gymnaliurs von der Oberrealſchule zu Offenbach und die Errichtung eines Gymnaſial-Neubaues als notwendig anerkannt worden. Das ſtarke Wachstum der Oberrealſchule und Vorſchule, das zu Beginn des Jahrhunderts mit der Umwandelung der ſeitherigen Real-
. ſchule in eine Oberrealſchule eingeſetzt hatte und auch fortdauerte, drängte unaufhaltfam zur Trennung der beiden Anſtalten und Errichtung eines Neubaues. Bereits im Jahre 1902 mußtte das Gymnaſium die Räume am Stadthaus verlaſſen und in das von der Stadt Offenbach erworbene Gebäude Kaiſerſtraße 7, das früher einer Privatanſtalt als Schulgebäude gedient hatte, überſiedeln. Die völlige Trennung der beiden Anſtalten und die Errichtung eines Neubaues für das Gymnaſium waren ſeitdem nur noch eine Frage der Zeit. Aber wenn auch ſchon am 1. April 1905 beide Anſtalten je einerbeſonderenLeitung unterſtellt wurden, waren doch noch langwierige Verhandlungen erforderlich, ehe der Neubau des Gymnaſiums von der Regierung, den beiden Kammern der Landſtände und der Stadt Offenbach endgültig beſchlolſen war. Iim Jahre 1904 wurde die Frage des Neu- baues eines Gymmaſiums auf Staatskoſten dadurch gelöſt, daß ſich die Stadt Offenbach bereit erklärte, den Bauplatz in der Parkſtraße von rund 5627 qm imWerte von 112540 Mk. koſtenlos zur Verfügung zu ſtellen und das Einſitzrecht des Staates in dem ſtädtiſchen Gebäude durch Zahlung von 80000 Mk.— dem Werte des ſtädtiſchen Hauſes in der Kaiſerſtraßte— abzulöſen und außerdem ſämtliche auf das Baugelände entfallenden Kanal- und Straſßenbaukoſten zu übernehmen. Daraufhin wurden für das Jahr 1905 von den beiden Kammern der Landſtände zunächſt die Koſten für Ausarbeitung eines ſpeziellen Projektes nebſtVoranſchlag und ſpäterhin, d. h. für 1906, die Geſamtanforderung bewilligt. Mit den eigentlichen Bauarbeiten wurde alsdann am 1. Oktober 1906 begonnen.
Ak Bauplatz war ein von der Stadt erworbenes, dreiſeitig von Straßen umgebenes, nach Oſten an Nachbargrundſtücke angrenzendes Gelände im weſtlichen Stadtteile ge- wählt worden, von welchem aus ſich ein reizvolles Naturbild nach den ſtädtiſchen Anlagen und dem nahen Frankfurter Wald hin öffnet. Für die Orientierung der allgemeinen Kklaſſen-, ſowie der beſonderen Unterrichtsräume hat ſich der Bauplatʒ als ſehr zweckmälig erwielen und haben die erſteren annähernde Weſtlage, ſowie der Phyſiklaal Sonnen- und der Zeichenlſaal Mordlicht erhalten können.
Beidem architektoniſchen Entwurfwar man bemũüht, das Gebãäude in die bevorzugte Ungebung als natürliches, der Landſchaſt zwanglos angepaßtes Gebilde ohneVerleugnung des Zweckes einzufügen. Der Neubau erhebt ſich in 5 Stockwerken und ſchließt ſich mit ſeiner Nußenarchitektur den Formengebungen der zweiten Hälſte des 18. und der erſten Hälſte des 19. Jahrhunderts an, wobei einzelne Teile in ungebundener Weiſe neuzeitlichen Anforderungen entſprechend ausgebildet wurden. Das Hauptgewicht der Architektur liegt bei allgemein ſchlichtem Charakter in der gewählten Grundform und Unriſlinie, ſowie in der reicheren Ausgeſtaltung von Einzelmotiven, insbeſondere der zwiſchen den 2 Seitenflügeln befindlichen Terralſe, dem Hauptportal und dem mittleren Turmaufbau, welcher lich mit ſeiner Spitze 42 m hoch über das Baugelände erhebt. Die Faſſaden zeigen ſparſame Verwendung von blaſtroten Sandſteinen aus Keilberg im Speſſart für den 2 m hohen Sockel, die Fenſterbänke, das Portal ufw., ſowie helle Naturputzflächen, welche durch kleine Vor- und Rückſprünge leicht gegliedert ſind und insbeſondere hierdurch die


