Aufsatz 
Die Schule und die Tagesfragen
Entstehung
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immer nur unter Leitung des Lehrers geſchehe, und zugefügt:„Wenn der Schüler ſein Heft zurück⸗ bekommt, ſo iſt es in der That einerlei, ob die Striche(Zeichen) vom Lehrer oder von einem ſeiner Mitſchüler gemacht ſind, und es kommt nur auf ihn, auf ſeinen Fleiß und ſeine Aufmerkſamkeit an, dieſelben Fehler künftig zu vermeiden.“— Es kann in einer von fünfzig Kindern beſuchten Schulklaſſe nicht alles ſo gehen, wie wohl in einer Privatſtunde. Während in der letzteren der Lehrer beſtändig auf jeden einzelnen Schüler insbeſondere ſein Augenmerk richten kann, iſt dies in einer großen Schulklaſſe nicht immer möglich; hier helfen feſtgetroffene, gut gehandhabte Einrichtungen. Zu dieſen gehört wohl auch bei manchen Lehrern das Vertauſchen der Hefte und gegenſeitige Prüfen der Arbeiten. Auch bei dieſer Weiſe wird der fleißige Schüler zunehmen im Wiſſen, der träge ſtehen bleiben oder zurückgehen.

Uebrigens iſt es allerdings unſer Streben, trotz der großen Anzahl von Schülern in mehreren unſerer Klaſſen, jeden einzelnen nach ſeinem inneren Weſen kennen zu lernen, und wir bemühen uns auch, den Eigenthümlichkeiten der einzelnen, wo es angeht, Rechnung zu tragen. Wir können aber, um des Ganzen willen, nicht jedem einzelnen gleichſam eine beſondere Schüſſel vorſetzen.

Eine Mutter ſagte uns:„Strenge thut bei meinem Sohne nicht gut; wenn man ihm ver⸗ nünftig zuredet, da kann man ihn zu allem bringen.“ Ohne nun entſcheiden zu wollen, ob hier Liebe oder Weichlichkeit redete, ob der Ausſpruch auf Kenntniß oder auf Täuſchung beruhte, möchte ich ſagen, daß bei dem betreffenden Knaben es jedenfalls, ſo viel an uns lag, an den freundlichen Worten und Mahnungen nicht gefehlt hatte. Vielleicht war er ſolchen zu Hauſe, bei wenigen Ge⸗ ſchwiſtern, zugänglich; bei uns, unter der großen Maſſe von Mitſchülern, war dies nicht der Fall; und ſo konnten wir, trotz des Wortes ſeiner Mutter, nicht umhin, ihn auch Strenge fühlen zu laſſen. Vielleicht folgt er auch uns ein andermal auf freundliche Mahnung hin? Denn deſto beſſer für ihn.

In anderer Beziehung verlangen einige wenige Eltern etwas Beſonderes für ihre Kinder, Be⸗ freiung nämlich vom Turnunterrichte, manchmal ohne rechte Begründung. Es iſt von uns wohl erwidert worden, der Turnunterricht ſei von der Behörde angeordnet worden, gehöre, ebenſo gut wie jeder andere, zu den ordentlichen Unterrichtsgegenſtänden; nur auf ärztlichen Ausſpruch werde davon dispenſirt.— Möchten doch alle Eltern einſehen, wie wichtig für allſeitige Bildung des Menſchen auch dieſe körperlichen Uebungen ſind, und möchten ſie nicht ohne Noth ihren Kindern die Wohlthat dieſes Unterrichts entziehen wollen.

Im verfloſſenen Schuljahre wurde uns mehrmals ſowohl von Seiten der Sicherheitsbehörde als von andern Seiten Kenntniß gegeben von Ausſchreitungen einzelner unſerer Schüler. In der Regel nun betrachten wir alles, was nicht in der Schule oder auf dem Schulwege vorgeht und was nicht in irgend einer Beziehung zur Schule ſteht, als nicht zu unſerer Gerichtsbarkeit gehörig.*) Aber aus Intereſſe für das Wohl der Kinder theilen wir das Gemeldete den Eltern mit. Dabei machen wir nun ſehr verſchiedene Erfahrungen. Während die meiſten Eltern uns danken und die

*) Wegen dieſer Anſicht bin ich vor einiger Zeit von einem Rechtsgelehrten heftig angegriffen worden. Wäre dieſer Mann ein Lehrer, ſo hätte er ohne Zweifel meine Anſicht getheilt; und wenn er die Fähigkeit oder den Willen

hätte, ſich im Geiſte an die Stelle eines Lehrers zu verſetzen, ſo würde er wenigſtens nicht ſo hart und abſprechend geurtheilt haben.