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und buchſtäblich zu faſſen ſei oder vielleicht in ungewöhnlichem Sinne oder in bildlicher Bedeutung; ob die Schöpfungstage Zeiten von vierundzwanzig Stunden ſeien oder längere; ob, wenn von einem Engel die Rede iſt(z. B. Joh. 5, 4), an eine ſichtbare übernatürliche Erſcheinung gedacht werden müſſe oder nicht: darnach fragen die Kinder nicht. Glaubt ein Lehrer, es ihnen ſagen zu müſſen, ſo mag er es thun; nöthig iſt es aber nicht. Er mag übrigens auch prüfen, ob dieſe ſeine Belehrung bei den Kleinen wirklich Eingang finde. Ich glaube, es wird ſich ihm ergeben, daß dies häufig nicht der Fall iſt; und wenn er dies merkt, wird er ſparſamer werden mit ſolchen Aufklärungen. — Daß die bibliſche Geſchichte nicht ohne Auswahl erzählt wird, verſteht ſich von ſelbſt. Eine ſolche bieten ja auch, großentheils in verſtändiger Weiſe, die vorhandenen Bearbeitungen.— Weiter verſteht ſich von ſelbſt, daß die reiche Gelegenheit zu ſittlichen Belehrungen, welche die bibliſche Geſchichte bietet, gehörig benutzt wird.—
Oben war beiläufig von den Schöpfungstagen die Rede. Dieſe Erzählung gilt manchem, auch unter uns, als etwas Veraltetes, Irrthümliches. So heißt es in einem Leitartikel des Frankfurter Journals*) von unſern Volksſchulen, daß da„die Kinder nur die alte moſaiſche Weltanſchauung mit ihrem Aberglauben und Irrthum erlernen“. Indem wir hier das„nur“, das der Verfaſſer nicht leicht rechtfertigen könnte und das ihm wohl bloß ſo unverſehens aus der Feder entſchlüpft iſt, bei Seite liegen laſſen, möchten wir denſelben doch fragen, worin er, wenn er die Erzählung von der dichteriſchen Form entkleidet, den Aberglauben und den Irrthum findet. Geben ja doch unſere Gebirgs⸗ ſchichten durch ihre Reſte aus uralter Zeit Zeugniß davon, daß unſere Erde ſich nach und nach gerade ſo belebt habe, wie es die Geneſis darſtellt. Vielleicht aber nimmt der Verfaſſer überhaupt daran Anſtoß, daß von einer Schöpfung die Rede iſt? Vielleicht huldigt er der neuerlich aufgeſtellten Lehre von der Ewigkeit der Erde? Dann allerdings gehört er nicht mehr zu uns; er iſt kein Chriſt (auch kein Jude); er kann uns aber nicht zumuthen, daß wir unſere Kinder nach ſeiner neuen Lehre, die wiſſenſchaftlich durchaus noch nicht feſtſteht, unterrichten. Wir thun es alſo nach unſerer alten Lehre, wie ſie uns überliefert worden iſt. Mag er ſie eine Hypotheſe nennen; die ſeinige iſt auch nichts anderes, er kann ſie auch nicht beweiſen. Unſere Kinder mögen ſpäter, als Erwachſene, manches geiſtiger faſſen; vorerſt wurden ſolche Erklärungen ihrem Verſtändniſſe noch unzugänglich ſein.
Den Verſuch eines zuſammenhängenden Gebäudes der neuen Lehre finden wir in dem in Graz herauskommenden(neuerlich eingegangenen)„Volksboten“, herausgegeben von Dr. Hippolyt Tauſchinski, Gründer einer, wie er ſagt, religiöſen Gemeinſchaft,„Botſchaft der Wahrheit, der Freiheit, der Liebe“ genannt. Tauſchinski nennt ſich, ganz ehrlich, nicht mehr einen Chriſten. In einer Reihe von Num⸗ mern gibt er einen„Katechismus der Botſchaft“. Da heißt es nun z. B.**)„25. Iſt die Welt einmal erſchaffen worden? Nein, ſie konnte niemals erſchaffen werden und wird auch niemals zu Grunde gehen.“ Wenn nun jene Geſellſchaft„Botſchaft“, wornach ſie natürlich ſtreben muß, eigene Schulen für ihre Kinder errichtet(denn die neuen„Kommunalſchulen“ in Oeſterreich ſind doch jeden⸗ falls noch zu ſehr von chriſtlichem Geiſte durchdrungen), dann gibt ſie ihnen dieſe Lehre. Und wenn irgend einmal(was ich aber nicht glaube und nicht wünſche) die Anſicht der„Botſchaft“ in einem Lande die allgemeine werden ſollte, dann würde ſie in allen Schulen dieſes Landes gelehrt werden.
*) Frankf. Journal 1870, Nr. 300, Sa. 28. Okt. **) Volksbote, Graz, 15. Aug. 1871, Jahrg. II., No. 16.


