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gebildeten und angesehenen Gemeindemitglieder— seit den dreissiger Jahren zumeist ehe-
maligen Schülern des Philanthropins— ergänzte. Die Leitung der Schule aber lag in der Hand eines Oberlehrers, der dem Lehrerkollegium als primus inter pares galt.— Bis zum
Beginn der preussischen Herrschaft war die staatliche Aufsicht eine lediglich nominelle. Die Schule war ganz auf sich selbst angewiesen; selbst hat sie sich den Werth erringen müssen.
Sie hat ihn sich errungen durch die unermüdlichen Bemühungen des Schulrats, durch die begeisterte Arbeit der Lehrer schon dort in den kleinen, unzulänglichen, düsteren Räumen des Kompostell, bis— mehr als 40 Jahre nach ihrer Begründung— der Tag kam, wo die Israelitische Gemeinde ihr das stattliche Schulhaus baute und in freiem Ent- schluss die Lasten der Erhaltung der Schule übernahm.
Die Schule war unausgesetzt bemüht, sich dieser grossen Opfer würdig zu erweisen. Sie hat in den aufeinander folgenden Generationen ihrer Zöglinge ein Geschlecht erzogen, das sich in den Kämpfen des Lebens, in der Gemeinde, der Stadt und dem Staate bewährt hat. Von ihr ist die Einführung der deutschen Predigt, die würdige Gestaltung des Gottes- dienstes in unserer Gemeinde ausgegangen, sie hat die Gründung von Stiftungen zur För- derung wissenschaftlicher Studien, die Errichtung von Waisen-Erziehungsanstalten an- geregt. Ihre ehemaligen Schüler haben sie dankbar mit einer Wittwen- und Waisenkasse und mit mannigfachen Stiftungen für Unterrichtszwecke ausgestattet, sie haben unausgesetzt in der Gemeindeverwaltung mitgewirkt und dazu beigetragen die Institutionen der Ge- meinde würdig zu gestalten. So hat das Philanthropin Anteil an der Stellung unserer Glaubensgenossen innerhalb der hiesigen Bürgerschaft und an dem Ansehen, dessen sich unsere Gemeinde unter den Israelitischen Gemeinden unseres Vaterlandes erfreut.
Von allem Anfang an hat unsere Schule nicht blos Kenntnisse überliefern, son- dern erziehlich wirken wollen. Sie war bemüht, in strenger Zucht ihre Zöglinge zur Ar- beit zu erziehen, sie hat es sich angelegen sein lassen, die Herzen der Kinder den Eltern zuzuwenden, sie mit Ehrfurcht, mit Pietät zu erfüllen, sie zu stärken in der Treue zur Religion, sie zu befestigen in den Tugenden der Väter, sie zu thätigen, pflichttreuen, charaktervollen, vorurteilslosen, wahrheitsliebenden, guten Menschen, zu treuen Söhnen des Vaterlandes zu erziehen.
Möge es ihr beschieden sein, diesen ihren Beruf auch in Zukunft zu erfüllen! Mögen Schulrat und Gemeindebehörden in ihrer aufopfernden Thätigkeit und Fürsorge für die Schule nie ermatten! Möge hier, bei der unerlässlichen Strenge der Zucht, in den gegenseitigen Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern immer die Liebe vorwalten! Mögen alle, die hier lehren, mit ihrem ganzen Herzen ihrem erhabenen Berufe hin- gegeben sein!
Und so erflehe ich scheidend für diese meine Schulgemeinde Segen, Gnade, Schut⸗ und Frieden von dem allmächtigen Gotte mit dem uralten Worte des Priestersegens:
Es segne Dich der Ewige und behüte Dich; Der Ewige lasse Dir Sein Antlitz leuchten und sei Dir gnädig; Der Ewige wende Sein Antlitz Dir zu und gebe Dir Frieden! Amen.


