Aufsatz 
Abschiedsfeier für den Direktor Dr. Bärwald
Entstehung
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Kompendiums. Studium und Unterricht standen ausschliesslich im Dienste der Religion; das Leben, die profane Welt mit ihren Aufgaben und Forderungen blieb wie in den höheren so in den niederen Schulen unbeachtet..

Als nun der Sturm der französischen Revolution Europa durchbrauste und die Mauern der Ghetti wegfegte, da standen die, welche so plötzlich in das Getriebe der grossen Welt hinein versetzt wurden, da stand besonders die herangewachsene Jugend den gestei- gerten Forderungen des Lebens hülflos gegenüber. Es war die ernste Sorge um die Zukunft der Kinder, welche damals die Gebildeten und Wohldenkenden in den israelitischen Go. meinden zur Gründung moderner Schulen drängte, es war ein Zug innerlicher Frömmig- keit, der bei vertiefter Erkenntnis des Wesens und der historischen Entwickelung des Judentums zur religiösen Reform drängte, auf dass durch die morsch gewordene Schale nicht auch der Kern geschädigt werde. Die starre Orthodoxie wies aber hartnäckig jede Neuerung ab. Was wäre aus uns geworden, wenn sie obgesiegt hätte! Indem sie aber damals die Reformen in der Schule und in dem Erziehungswesen nicht zu verhindern vermochte, wuchs ein Geschlecht heran, das schon seit den dreissiger Jahren unseres Jahr- hunderts befähigt zur Teilnahme an allen Aufgaben des Lebens, bald auch berufen war, mit zu arbeiten, mit zu ringen und mit zu leiden in den Kämpfen, in denen in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts endlich zum Segen der Welt die deutsche Einheit hergestellt und das deutsche Reich auf der unerschütterlichen verfassungsmässigen Grundlage der Gerechtigkeit, der Gleichheit aller vor dem Gesetze aufgerichtet worden ist.

Zu gleicher Zeit aber vollzog sich auf dem besonderen Gebiete des Judentums in diesem Jahrhundert eine geistige Arbeit von ungeahntem Erfolge. Das ganze Gebiet der jüdischen Litteratur und Geschichte wurde mit der Fackel der Wissenschaft durchleuchtet. Während die jüdisch-litterarischen Studien der buchstabengläubigen Orthodoxie in den Fesseln der Scholastik verharrten, wurde von den Männern, die der freien Forschung hul- digten, die Wissenschaft des Judentums begründet.

Eben dieser dem modernen Schulwesen, der religiösen Reform, dem wissenschaft- lichen Fortschritt huldigenden Richtung gehörten die Männer an, die 1804 hier das Philan- thropin gründeten. Ihnen gelang endlich, was hier von gleichgesinnten Männern schon 10 Jahre früher eifrig erstrebt, aber von der Orthodoxie verhindert worden war: die Gründung einer modernen öffentlichen Schule innerhalb der israelitischen-Gemeinde zu Frankfurt a. M.

Leicht ist eine Schule zu gründen und emporzubringen, wenn die Stadt oder der Staat in Kraft der Verpflichtung mit den bereiten Geldmitteln und Verwaltungsorganen dahinter steht. So leicht ist es dem Philanthropin nicht geworden. Im Drange der Not ist es von begeisterten Männern ins Leben gerufen worden mit leerer Hand. Gesammelte Beiträge, die Zinsen etlicher für Unterrichtszwecke vorhandener Legate, die erst erstritten werden mussten, dann die verhältnismässig hoch bemessenen Schulgelder der hinzutretenden zahlenden Zöglinge boten die kärglichen Mittel der Erhaltung. So lange das Philan-

thropin besteht, hat es— die ganz kurze Lebensfrist des Grossherzogtums Frank- furt ausgenommen— weder von der Stadt, noch vom Staate irgend einen Zuschuss er-

halten. Verwaltet wurde die Schule immer von einer seit der grossherzoglichen Zeit als Schulrat bezeichneten, aus Laien zusammengesetzten Behörde, die sich aus der Zahl der