Aufsatz 
Die Grundzüge der religiösen und sittlichen Anschauung der alttestamentlichen Propheten, aus ihren Schriften durch zahlreiche, z.T. wörtlich angeführte Stellen nachgewiesen, nebst einer kurzen geschichtlichen und sachlichen Einleitung
Entstehung
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heilen!— Da sind wir, wir kommen zu dir, denn du bist der Herr, unser Gott. Fürwahr... bei dem Herrn, unserem Gott, ist(allein) Heil für Israel. Verzehrt hat die Schande den Erwerb unsrer Väter von unsrer Jugend an, ihre Schafe und ihre Rinder, ihre Söhne und ihre Töchter. Hinlegen wollen wir uns in unsrer Schande und zudecken soll uns unsre Schmach, denn an dem Herrn, unserm Gott, haben wir gesündigt, wir und unsre Väter, von unsrer Jugend an bis auf den heutigen Tag und haben nicht auf die Mahnung des Herrn, unsres Gottes, gehört.“— 4, 3:„Ja, so spricht der Herr..: Brecht euch einen Neubruch und säct nicht in Dornen hinein!“— 7, 3.— 26, 13:„Und nun— beflfeissigt euch eines guten Wandels und guter Thaten und hört auf den Befehl des Herrn, eures Gottes, dass sich der Herr des Unheils gereuen lasse, das er euch angedroht hat.“— 35, 13. — Hes. 14, 6.— 18, 29— 32:„Und wenn das Haus Israel spricht: Das Verfahren des Herrn ist nicht in Ord- nung!— sollte wirklich mein Verfahren nicht in Ordnung sein, Haus Israel? Ist's nicht vielmehr euer Verfahren. das nicht in Ordnung ist? Deshalb werde ich einen jeden von euch nach seinem Wandel richten, Haus Israel! spricht der Herr. Bekehrt euch, lasst ab von allen euren Abtrünnigkeiten, dass euch nicht ein Anlass zur Ver- schuldung(daraus) entstehe. Werkt ab von euch alle eure Abtrünnigkeit, die ihr gegen mich verübt habt, und schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist; denn warum wolltet ihr sterben, Haus Israel? Denn ich habe kein Wohlgefallen am Tode dessen, der sterben soll, spricht der Herr. So lasst denn ab, dass ihr am Leben bleibt!“— Sach. 1, 3:„.. So spricht der Herr der Heerscharen: Bekehret euch zu mir, spricht der Herr der Heerscharen, so werde ich mich wieder zu euch kehren, spricht der Herr der Heerscharen.“— Mal. 3, 7.— Joel 2, 12— 17:„Auch jetzt noch, spricht der Herr, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten und Weinen und Klagen! Zerreisst eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und reich an Huld und lässt sich Unheil gereuen. Wer weiss, ob er sich's nicht wiederum gereuen lässt und(doch noch) eine Segensgabe hinter sich zurücklässt: Speise- und Trankopfer für den Herrn, euren Gott! Stosst in die Posaune auf dem Zion! Veranstaltet ein heiliges Fasten, beruft zu einer allgemeinen Feier, versammelt die Bürgerschaft!....“

Zweifel an Gottes liebevoller Gesinnung gegen dus Folk werden nicht ausgesprochen, selbst dann nicht, wenn das angedrohte oder bereits eingetretene Verfahren Gottes überaus

hart und streng erscheint z. B. Jer. 16, 1— 5:„Alsdann erging das Wort des Herrn an mieh folgender- massen: Du sollst dir kein Weib nehmen, noch Söhne und Töchter haben an diesem Ort! Denn so spricht der Herr in betreff der Söhne und Töchter, die an diesem Ort geboren werden, und in betreff ihrer Mütter.. nnd Väter..: An qualvollen Todesarten werden sie sterben, man wird ihnen die(Toten-) Klage nicht halten, noch sie begraben, als Mist auf dem Acker sollen sie dienen. Durch Schwert und Hunger sollen sie aufgerieben werden und ihre Leichname sollen den Vögeln unter dem Himmel und den Tieren auf dem Felde zum Frasse dienen. Ja, so spricht der Herr: Nicht sollst du in ein Haus des Jammers eintreten, noch hingehen, um die(Toten-) Klage zu halten, noch ihnen Beileid bezeugen, denn ich habe meinen Frieden von diesem Volke genommen, die Gnade und das Erbarmen, spricht der Herr.“ Jes. 63, 15 16:„Blicke vom Himmel herab und schaue(nieder) aus deiner heiligen und herrlichen Wohnung! Wo sind dein Eifer und deine Krafterweisungen? mit der Regung deines Innern und deinem Erbarmen hältst du gegen mich zurück!“ Fürwahr, du bist unser Vater, denn Abraham weiss nichts von uns....“— 64, 9— 12:„Zürne, o Herr, nicht gar zu sehr und gedenke nicht für immer der Ver- schuldung! Ach, blicke doch her: dein Volk sind wir alle! Deine heiligen Städte sind zur Wüste geworden: Zion ist zur Wüste geworden, Jerusalem zur Einöde. Dein heiliger und herrlicher Tempel, in dem unsre Väter dich lobpriesen, ist in Flammen aufgegangen, und alles, was uns köstlich war, ist ein Trümmerhaufe geworden. Kannst du darob dennoch an dich halten, o Herr, in Schweigen verharren und ganz und gar uns niederbeugen?“

Vielmehr halten die Propheten an der Hoffnung fest, dass Gott sein Follk nicht aufgeben, sondern aus allen wohlverdienten Trübsalen erretten und ihm eine herrliche Zukunft bereiten werde. In den auf diese Hoffnung gegründeten Zukunftsschilderungen steht das politische Interesse im Vordergrund. Die Wiederaufrichtung des Davidsthrones, die Besetzung desselben mit einem vorzüglichen König, die Sammlung aller zerstreuten Volkselemente zu einer einigen, mit irdi- schen Gütern reich gesegneten Nation liegt den Propheten zumeist am Herzen. Das alles können sie sich nach ihrer ganzen Geistesrichtung natürlich nicht vorstellen ohne eine gleich- zeitige sittliche Erneuerung des Volkes, über das Gott seinen Geist ausgiessen und mit dem er einen neuen Bund machen werde. Freilich wird dann nur ein Bruchteil des Volkes sich in religiöser Treue und sittlichem Ernst als den wahren„Gottesknecht“ bezeugen. Dieser aber, das ideale Israel, wird unter mannigfachen Leiden dem übrigen Volk und den Heiden das Heil vermitteln. Ja von Israel aus wird sich eine Vereinigung aller Völker zu einem grossen ewigen Friedensreich vollziehen.— Diese Bilder einer herrlichen und glücklichen Zukunft sind in einer von hoher Begeisterung für Gottes heilige Sache und edler Vaterlandsliebe getragenen,

(Stellenweise) dichterisch schönen Sprache entworfen. Am. 9, 11— 15:„An jenem Tage werde ich die zerfallenen Hütten Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und seine(Davids) Trümmer aufrichten und wiederum bauen, wie in den Tagen der Vorzeit, damit sie den Überrest Edoms und alle Völker, über die (dereinst) mein Name genannt ward, erobern, spricht der Herr, der solches thun wird. Dann sollen Tage kommen, spricht der Herr, da holt der Pflüger den Schnitter ein und der Traubenkelterer den Säemann. Da werden die Berge von Most triefen und alle Hügel zerfliessen. Dann will ich mein Volk Israel wieder herstellen, so dass siè, wenn sie verödete Städte aufbauen, Fonoh darin) wohnen, wenn sie Weinberge anpflanzen,(auch) den Wein da- von trinken, wenn sie Gärten anlegen,(auch) deren Früchte geniessen. Dann will ich sie einpflanzen in ihr Land, dass sie nicht wieder aus ihrem Lande, das ich ihnen verliehen habe, herausgerissen werden, spricht der Herr, dein Gott.“ Hos. 2, 18— 23:„Jenes Tages will ich zu ihren(Israel's) Gunsten eine Verfügung treffen gegen-