Aufsatz 
Die Grundzüge der religiösen und sittlichen Anschauung der alttestamentlichen Propheten, aus ihren Schriften durch zahlreiche, z.T. wörtlich angeführte Stellen nachgewiesen, nebst einer kurzen geschichtlichen und sachlichen Einleitung
Entstehung
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Mich. 1, 1—7. Zeph. 1. Jer. 6. 7, 29— 9, 25.— 9, 15. 16 lauten:„Darum, so spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israel's, will ich dieses Volk mit Wermut speisen und mit Giftwasser tränken. Ich vill sie unter die Völker zerstreuen, die weder sie noch ihre Väter gekannt haben, und will das Schwert hinter ihnen dreinsenden, bis ich sie aufgerieben habe.“— Jer. 14, 1- 17, 18. 18. 19, 1—20, 6. 21, 1— 24, 10. Hab. 3. Hes. 5— 7. 9— 12.— Als eine für das Volk besonders empfindliche Strafe erscheint das Aufhören der prophetischen

Predigt. Am. S, 11. 12:„Fürwahr, es sollen Tage kommen, spricht der Herr. da will ich einen Hunger in's Land senden, nicht Hunger nach Brot und nicht Durst nach Wasser, sondern(einen Hunger), die Worte des Herrn zu hören, dass sie von einem Meer zum andern wanken und von Norden nach Osten umherschweifen sollen, um das Wort des Herrn zu suchen. Aber sie sollen keines finden.“— Hes. 7. 26.— An manchen Stellen ist vom Tag d. h. Gerichtstag Gottes die Rede. Gott wird an ihm unter Aufbietung seiner Macht und Herrlichkeit, unter erschreckenden Vorgängen in der Natur über das sündige Volk Unheil ergehen lassen. Am. 5, 18— 27 beginnt:„Wenhe denen, die sich den Tag des Herrn herbeiwünschen! Was soll euch doch der Tag des Herrn? Er ist ja Finsternis, nicht Licht!— wie wenn jemand, der einem Löwen entronnen ist, von einem Bär gestellt wird und(schliesslich), wenn er nach Hause gelangt ist und sich mit der Hand gegen die Wand stemmt, von einer Schlange gebissen wird. Ja! Finsternis ist der Tag des Herrn und nicht Licht, dunkel und glanzlos!“— Jes. 2, 5— 3, 15.(Joel 2, 1— 11. 3. spricht von dem Tag, an dem Gott die Feinde seines Volkes richten wird.).

Die Fölker, durch die Gott Isruel und Juda straft, gelten ihm nur als Werkzeuge; nachdem sie seine Gerichte vollzogen haben, verwirft er sie wegen ihrer niedrigen Gesinnungs- und Handlungsweise. Jes. 10, 5— 27:„Wehe über Assur, den Stock meines Zorns und die Rute meines Grimms!.... Aber, wenn der Herr sein ganzes Werk am Berge Zion und an Jerusalem vollendet haben wird, will ich die Frucht des stolzen Sinnes des Königs von Assur und den Trotz seiner hochfahrenden Augen heim- suchen, denn er sprach: durch die Kraft meiner Hand und durch meine Weisheit habe ich's vollführt... Trotzt wohl die Axt dem, der damit haut? oder thut die Säge gross gegen den, der sie zieht? Wie wenn der Stock den schwänge, der ihn aufhebt, wie wenn die Rute den aufhöbe, der nicht Holz ist! Darum wird der Herr der Heerscharen in sein Fett die Darre senden und unter seiner Macht wird ein Brand entbrennen wie Feuer- brand...“— Zeph. 2, 4— 15. Jes. 47. Hagg. 2, 20— 22. Sach. 1, 18— 21.

Über den Zuw'eck der Strafgerichte Gottes reden insbesondere: Jes. 2, 11:„Und der Menschen Stolz wird gebeugt und der Männer Hochmut gedemütigt und nur der Herr an jenem Tage(des Gerichts) erhaben sein.“— V. 17. Jer. 2, 19.— Hes. 7, 4. 27. 29, 6. 9. 35, 15. u. a.:„... sie sollen(ihr sollt) erkennen, dass ich der Herr bin.“ Jes. 48, 10:„Fürwahr, ich habe dich geschmolzen, aber nicht als Silber; ich habe dich ge- prüft im Schmelzofen des Elends.“

Leise Zweifel an Gottes Gerechtigkeit begegnen uns: Jer. 12, 1. 2:„Du bleibst im Recht, Herr, wenn ich mit dir hadern wollte. Doch zur Rede möchte ich dich stellen, warum das Treiben der Frevler Gelingen hnat,(warum) alle, die treulos handeln. unangefochten bleiben? Du pflanzest sie, sie schlagen auch Wurzel, sie gedeihen, bringen auch Frucht; nahe bist du(ihnen) ihren Reden nach, aber fern von ihrem Innern.“ Hab. 1, 13: „Du, dessen Augen zu rein sind, als dass du Böses anschauen könntest, und der du Gewaltthaten nicht mit an- zusehen vermagst,— warum siehst du(doch) die Treulosen mit an, schweigst(dazu), wenn der Gottlose den, der im Rechte gegen ihn ist, zu Grunde richtet?“—

Eine Ausgleichung zwischen dem persönlichen Wert und dem Geschick des Einzelnen in einer höheren Welt erwarteten die Propheten nicht. Sie hätten sonst gewiss deutlich darauf hin- gewiesen, zumal sich ihnen hierzu in den traurigen Verhältnissen ihres Volkes Anlass genug bot. Man lese Hos. 13, 14:„Sollte ich(Gott) sie(die Israeliten) aus der Gewalt der Unterwelt befreien, sollte ich sie vom Tode erlösen? Wo sind deine Seuchen, o Tod? Wo sind deine Qualen, o Unterwelt? Meine Augen kennen kein Mitleid mehr.“ Jes. 26, 19:„Möchten deine(Gottes) Toten wieder lebendig werden, möchten meine (des Volkes) Leichen auferstehen! Erwacht und jauchzet, die ihr im Staube liegt, denn ein Tau des Lichts ist dein Tau und die(ihn empfangende) Erde wird die Schatten ans Licht bringen“ und vergleiche damit Jes. 25, 8: Vernichten wird er(Gott) den Tod für immer und der Herr wird die Thränen von allen Angesichtern abwischen und die Schmach seines Volkes überall auf Erden verschwinden lassen...“— 26, 13. 14:„Herr, unser Gott, andre Herrn, als du, haben über uns geherrscht. Nur dich allein erkennen wir an, deinen Namen! Die Toten werden nicht lebendig, die Schatten stehen nicht auf...“— Die durch Erneuerung und Verjüngung des Volkes verbürgte Fortdauer seines Bestandes auf Erden war allen Propheten— auch Hesekiel trotz seiner Aussprüche: 3, 16 ff. 18, 23 ff. 33, 11 ff. nicht ausgenommen— viel wichtiger, als die der einzelnen Persönlichkeit im Jenseits. Für sie hatte überhaupt der Einzelne nur Bedeutung als Glied des Gottesvolkes. Unsere Anschauung über den Wert des menschlichen Individuums war ihnen fremd. Wir verdanken sie Jesus Christus.(vgl. seine Gleichnisse vom verlornen Schaf, Groschen und Sohn Luk. 15.) 3

Dass Gott der Vater des Volkes sei und es liebe, sagen aus Hos. 1, 7:„Dem Hause Juda aber will ich(Vater-)Liebe erzeigen...“— 2, 19:„.. ich werde mich dir(Israel) verloben in.. Liebe.“— V. 23.— 11, 4:„... Mit Seilen, wie ein Mensch sie braucht, zog ich sie(zu mir), mit Banden der Liebe...— 14, 5.— Jer. 31, 3:„.. ja(so sprach Gott), mit immerwährender Liebe habe ich dich(Israel) geliebt...“— V. 9:„.. denn Vater bin ich Israel geworden... Jes. 63, 9:„.. vermöge seiner Liebe.. erlöste er sie (die Israeliten)...“— 64, 8:„Nun aber, o Herr, du bist ja unser Vater...“ Mal. 1, 2:„Ich habe Liebe zu euch, spricht der Herr...— 2, 10:„Haben wir(Israeliten) denn nicht alle denselben Vater....“— Aus dem Grunde der Liebe Gottes geht seine Güte, Barmhereigkeit, Langmut und Gnade hervor.