wider euch; darum kehre sich ein jeder von seinem bösen Wege und bessert euer Wesen und Thun! Sie aber sprechen: daraus wird nichts! Wir wollen nach unsern Gedanken wandeln und wollen ein jeder halsstarrig na seinem bösen Sinn handeln.... Kommt, lasst uns wider Jeremia ratschlagen!... Kommt, lasst uns ihn mit der Zunge totschlagen und nichts geben auf alle seine Rede!“— Hes. 3, 4—7. 33, 30— 32. Sach. 7, 8— 12.
Gott ist gerecht heisst manchmal soviel als: Gott ist sittlich durchaus vollkommen(z. B. Jes. 24, 16. Zeph. 3, 5). Doch beschränken wir unserem Sprachgebrauch gemäss auf Grund der unten angeführten Stellen den Begriff der Gerechtigkeit Gottes darauf, dass er das Volk als ein Ganzes nach seinem sittlichen Wert oder Unwert, aber auch den Einzelnen wieder so behandelt, wie er es verdient, d. h. dem Bösen Strafe gibt, dem Frommen oder doch wenigstens Bussfertigen Gutes zu- wendet, wie es auch z. B. Hos. 2, 19. Jer. 9, 24. 11, 20. Jes. 41, 10. 59, 17 gefasst ist.— Der Behaup- tung, Gott sei gerecht, widerspricht die, dass er die Schuld des Sünders auch an dessen Nach- kommen räche. Ubrigens liegt ihr die richtige Erkenntnis zu Grunde, dass das Ergehen des Volkes und des Einzelnen nicht nur von seinem eigenen, sondern auch von seiner Vorfahren sittlichem Verhalten vielfach abhängig ist.— Am. 8, 7.— 9, 4:„... denn ich will mein Auge auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten.“ Hos. 5, 12. 14:„So wurde ich für Ephraim zur Motte und für das Haus Juda zum nagenden Wurm.“—„WMeil ich selbst wie ein Löwe gegen Ephraim und wie ein junger Leu gegen das Reich Juda auftreten werde..“— 13, 6— 7:„.So vergassen sie mich. Daher erzeige ich mich gegen, sie wie ein Löwe und laure(ihnen) am Wege auf, wie ein Panther.“— 14, 10:„.. die Wege des Herrn sind gerade und die Gerechten wandeln(sicher) darauf, die Abtrünnigen aber kommen auf ihnen zu Fall.“ Jes. 3, 10. 11:„Heil dem Frommen! denn(ihm) wird's wohlgehen, denn er wird die Frucht seiner Werke geniessen. Wehe dem Gottlosen! ihm wird's übel ergehen, denn es wird ihm vergolten werden, was seine Hände verübt haben!“— 30, 18:„Darum zögert der Herr, euch gnädig zu sein, und hält zurück mit seinem Erbarmen, denn der Herr ist ein Gott des Rechtes. Wohl allen, die auf ihn warten!“— Jer. 5, 9. 19. 17, 10.— 18, 7— 10:„Das eine Mal drohe ich einem Volk und einem Königreich, dass ich es ausrotten, zerstören und verderben wollte. Wenn sich aber das Volk, das ich so bedroht habe, von seiner Bosheit bekehrt, so gereut mich des Unheils, das ich ihm zuzufügen gedachte. Das andere Mal verheisse ich einem Volk und Königreich, dass ich es bauen und pflanzen wolle. Thut es aber vor meinen Augen Böses, indem es meiner Stimme nicht gehorcht, so gereut mich auch des Guten, das ich ihm zu erweisen verheissen hatte.“— 25, 6. 30, 14.— 32, 19:„.. du, dessen Augen über allen Wegen der Menschenkinder offenstehen, dass du einem jeden nach seinem Wandel und gemäss den Früchten seiner Werke vergiltst.“— Hes. 14, 12— 16.— Der Ausspruch Jer. 31, 29. 30:„In jenen Tagen wird man nicht mehr sagen: die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern sind die Zähne(davon) stumpf geworden! Vielmehr wird ein jeglicher um seiner(eignen) Verschuldung willen sterben; wer saure Trauben isst, dem sollen die Zähne stumpf werden! widerspricht dem Satz des 2. Gebotes 5 Mos. 5, 9, dass Gott der Väter Missethat an den Kindern bis ins 3. und 4. Glied richten will; doch stimmt diesem zu und überschreitet damit die richtige Grenze menschlicher Verantwortlichkeit: Jer. 32, 18:„Der du.. die Verschuldung der Väter in den Schoss ihrer Kinder nach ihnen heimzahlst...“= Hes. 18, 1— 22.— Jes. 65, 6. 7:„Fürwahr aufgezeichnet(liegt es) vor mir: Ich will nicht in Schweigen verharren, es sei denn, dass ich heimgezahlt habe, und heimzahlen will ich in ihren Busen— eure Verschuldungen und eurer Väter Verschuldungen miteinander...— Sofern Gott beim Hinblick auf die Sünde und bei der Bestrafung der Sünder in starker sittlicher Erregung gedacht wird, reden viele Stellen von Gottes Zorn, Grimm. Eifer, Rache. Von diesen allen ist besonders hervorzuheben Jes. 9, 8— 10, 4, wo die einzelnen Stufen des göttlichen Zornes geschildert und durch den Refrain gekennzeichnet werden:„Bei alledem wandte sich sein Zorn nicht ab und blieb seine Hand noch ausgereckt.“
Gottes Gerechtigkeit kommt dem sündigen Voll gegenüber zum Ausdruch in seinen Straf- gerichten, deren Hereinbrechen die Propheten dem Volk zum Zweck der Warnung vor weiteren Sünden androhen.— Der Hinweis auf die Zerstreuung des Volkes, die Verwüstung des Vater- landes, die Tötung der wehrhaften Männer und Jünglinge, die Schändung der Frauen und Jungfrauen u. a. sollte den prophetischen Drohreden einen besonders tiefen Eindruck auf die Gemüter der Hörer sichern(z. B. Am. 3, 11—15. 7, 17. Hos. 9, 17.— 14, 1. Hes. 24, 21).— Gott wird mehrmals(Am. 1, 2. Jer. 25, 30. Joel 3, 21)„brüllend“ d. h. donnernd dargestellt, wenn er sich
zur Vollstreckung der Gerichte aufmacht.— Am. 7, 7— 9, 6 wird in 3„Gesichten“ dem Reich Israel der Untergang angedroht.— Jes. 5, 1— 7:„Wohlan, ich will singen von meinem Freunde, das Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf fetter Bergeshöhe. Er grub ihn um, säuberte ihn von Steinen und beflanzte ihn mit Edelreben. Er baute auch einen Turm darin, grub eine Kufe in ihm aus und wartete, dass er Trauben brächte, aber er brachte Herlinge(saure Trauben). So richtet nun, ihr Bewohner Jerusalem's und ihr Männer von Juda, zwischen mir und meinem Weinberg! Was gab es noch an meinem Wein- berg zu thun, das ich an ihm nicht gethan hätte? Warum hat er denn Herlinge gebracht, während ich auf Trauben hoffte? So will ich euch nun verkünden, was ich mit meinem Weinberg thun werde: seinen Zaun will ich wegreissen, dass er abgefressen, und seine Mauer niederreissen, dass er zertreten werde. Ich will eine Wüstenei aus ihm machen; er soll nicht beschnitten noch behackt werden, sondern in Gestrüpp und Dornen auf- schiessen, und den Wolken will ich gebieten, dass sie auf ihn keinen Regen fallen lassen. Der Weinberg des Herrn der Heerscharen aber ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind seine liebliche Pflanzung. Er wartete auf Recht,— doch es kam Blutvergiessen, auf Gerechtigkeit,— doch es kam Jammergeschrei.“— 30, 12— 14


