glänzend den Nuf rechtfertigten, den das Hötel Friedrich allſeitig genießt. Sehr bald entwickelte ſich eine fröhliche Stimmung unter den Anweſenden, die durch zahlreiche Toaſte gehoben, in der Erinne⸗ rung der frohen Jugendzeit, und ernſten Erfahrungen des Mannesalters Eindrücke verſchiedener Art her⸗ vortreten ließ. Das Wort ergriff zuerſt der Unterzeichnete, da ihm zunächſt die Pflicht oblag, den Herren den Dank des Lehrercollegs auszuſprechen, die erſchienen waren, um im geſelligen Kreiſe das Freuden⸗ und Ehrenfeſt der Realſchule zu feiern. Der erſte Toaſt aber galt dem greiſen Siegeshelden, der Deutſchlands ganzes Heer nach Frankreich hineingeführt, der uns die entriſſenen Grenzprovinzen zu⸗ rückerobert und nun die ſchwierigſte aller Aufgaben, die ſocialen Fragen mit weiſer Umſicht und in volksfreundlicher Weiſe zu löſen ſucht, er galt ferner dem erhabenen Landesherrn, unter deſſen glorreichem Scepter wir alle wirken, jeder in ſeinem Berufe Förderung und Gedeihen findet. Wie er mit tapferem Schwerte das bedrohte Vaterland verteidigt, wie er mit weiſem Rat es in den allgemeinen Bau des deutſchen Vaterlandes eingeführt hat, ſo ſorgt er nunmehr im Frieden dafür, daß Künſte und Viſſenſchaften ſich entwickeln, daß Handel und Gewerbe gedeihen, ſo daß des Landes Wohlfahrt zunimmt. Der Toaſt auf unſeren Kaiſer Wilhelm und der auf unſeren Großherzog Ludwig IV. fanden begeiſterten Anklang. Noch⸗ mals erhob ſich der Unterzeichnete, um den Dank, den die hieſige Realſchule dem Erlauchten Grafenhauſe von Erbach⸗Fürſtenau zu zollen hat, in tiefſter Verehrung durch einen Toaſt auszuſprechen.„Die Ge⸗ ſchichte der hieſigen Realſchule, ſo ſagte der Unterzeichnete, bezeugt auf jedem Blatte die aufopfernde Sorgfalt, welche die Erlauchte Standesherrſchaft der hieſigen Realſchule zu teil werden ließ; namentlich zu einer Zeit, in der das zarte Pflänzchen der Schule erſt dem Boden entſproſſen war und der ſorg⸗ fältigſten Pflege bedurfte. Im Sinne der Erlauchten Ahnen, deren glorreiche Geſchichte mit den Ge⸗ ſchicken der hieſigen Gegend innig verwebt iſt, haben alle Erlauchten Glieder des Gräflichen Hauſes für die Gründung des Progymnaſiums und der Realſchule gewirkt in dem erleuchteten Verſtändnis und in der wohlwollenden Abſicht, hierdurch die höchſten Intereſſen der hieſigen Gegend, den Unterricht und die Erziehung der Jugend, die geiſtigen und idealen Güter zu pflegen. Wenn wir daher mit Freuden heute auf die Geſtaltung und Entfaltung der hieſigen Realſchule ſehen können, ſo verdanken wir dies der Sorg⸗ falt und Fürſorge, welche die Erlauchte Standesherrſchaft in allen Entwicklungsphaſen für die Realſchule an den Tag gelegt hat. Wir erfüllen daher nur eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir dem Erlauchten Grafenhauſe von Erbach⸗Fürſtenau und dem anweſenden Gliede deſſelben, dem Erlauchten Grafen Hugo, in tiefſter Verehrung ein Hoch ausbringen.“ In daſſelbe ſtimmten die Anneſenden begeiſtert ein. Seine Erlaucht, der Graf Hugo erhob ſich ſofort, drückte zunächſt ſein Bedauern darüber aus, daß der regierende Graf durch dringende Umſtände verhindert geweſen ſei, bei dem Jubelfeſte der Realſchule zu erſcheinen, daß er aber überzeugt ſei, daß derſelbe dasſelbe lebhafte Intereſſe an der Realſchule und ihrem Gedeihen nehme, wie der hohe Gründer derſelben, dem er gewünſcht hätte, den heutigen feſtlichen Tag zu erleben und damit die reiche Entfaltung zu ſchauen, welche eine Anſtalt erfahren habe, die ihm ſo ſehr am Herzen gelegen. Er glaube im Sinne ſeiner in Gott ruhenden Anverwandten zu ſprechen, wenn er der Schule ein freudiges Gedeihen wünſche. Herr Reallehrer Dr. Burger toaſtierte hierauf auf das einträchtige Zuſammenwirken von Staat und Kirche für die Schule, worauf Herr Geheime Ober⸗ ſchulrat Becker zunächſt antwortete und in ſeinem humoriſtiſch gehaltenen Toaſt den Gemeinderat von Michel⸗ ſtadt und den Herrn Bürgermeiſter einſchloß, mit dem er manchmal wohl nicht übereinſtimme, aber ſchließlich doch immer einig werde. Herr Bürgermeiſter Kredel erwiderte ſofort, hieran anknüpfend, daß der Gemeinderat ſtets die wohlwollenden Abſichten der Regierung erkenne, dennoch aber wünſche, daß die teure Tochter, die Realſchule, die in höchſt anerkennungswerter Weiſe von der Regierung geleitet und unterſtützt worden ſei, ganz von derſelben übernommen würde und brachte der Regierung und deren hohen Vertretern ein Hoch aus. Herr Superintendent Sell knüpfte an den Toaſt Dr. Burgers an und wußte in höchſt poetiſcher und ſchwungvoller Weiſe das Gedicht„es ſteht ein Baum im Odenwald“ für die Realſchule, den Baum, zu deuten, deſſen immergrüne AÄſte, die Schüler, gedeihen möchten an dem Baum der Schule. Der Unterzeichnete fand hierdurch Veranlaſſung die zahlreich beim Feſteſſen einlaufenden Briefe und Telegramme als Zweige der immergrünen AÄſte zu bezeichnen. Er knüpfte hieran zugleich ſeinen Dank für die ehemaligen Schüler, die zu einem Comité zuſammengetreten waren, um die officielle Schulfeier durch weitere Feierlichkeiten zu vervollſtändigen, ſeinen Dank für alle ehe⸗ maligen Schüler und Freunde der Schule, die durch ihr perſönliches Erſcheinen das Freudenfeſt der Schule verherrlichten. Ergreifende Momente waren es, als Herr Seminardirektor Schäfer ſeine Er⸗ fahrungen an der Vorſchule zur Realſchule, an der er vor 34 Jahren gewirkt hatte, ſchilderte und nun
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