Aufsatz 
Festrede bei der Feier von Schillers Todestag am 9. Mai 1905
Entstehung
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3. Der durchgenommene Lehrstoff.

Für die drei oberen Klassen, die Realklassen, verweisen wir auf den vorgeschriebenen Lehrplan der Realschule, für die drei unteren, in denen die Anstalt bereits in ein Real-Pro- gymnasium umgewandelt ist, auf den des Realgymnasiums.

Das Französische begann demnach erst in Quarta, wo nach dem Lehrbuch von Ploetz, Kap. 1 34, das Wichtigste aus der Laut- und Formenlehre ohne die Unregelmässigkeiten durch- genommen wurde.

Im Lateinischen wurden nach dem Uebungsbuche von Ostermann-Müller in Sexta

die regelmässige Formenlehre ohne die Deponentia, in Quinta diese und die unregelmässige Formenlehre und die am häufigsten vorkommenden syntaktischen Erscheinungen, acc. c. inf., partic. conj. u. abl. abs. und die Städtenamen, in Quarta das Wesentliche aus der Casus-

jehre und das Wichtigste aus der Tempus- und Moduslehre behandelt.

Das Lehrziel der Vorschule ist: Sinngemässes Lesen beider Druckschriften und Uebung im Schreiben deutscher und lateinischer Schrift, Rechtschreibung der einfacheren Wörter und Wendungen, Rechnen in den 4 Grundrechnungsarten bis 1000, schriftlich darüber hinaus, und Kenntnis der bekanntesten biblischen Geschichten.

Die Lektüre war

im Deutschen: in der I. Klasse Schillers Lied von der Glocke und Wilhelm Tell und Göthes Hermann und Dorothea, dazu schwierigere episch-lyrische und lyrische Dichtungen, be- sonders von Schiller, in der II. Klasse die Odyssee in der Uebersetzung von Voss, Schul- ausgabe von Weineck, das Nibelungenlied in der Schulausgabe von Rehorn und H. Herrigs Lutherfestspiel;

im Französischen: in der I. Klasse Monod, Allemands et Francçais, in der II. Klasse Boissonnas, Une famille pendant la guerre 1870 1871;

im Englischen: in der I. Klasse Great Explorers and Inventors, bearb. von Wershoven. Deutsche Aufsätze in der I. Klasse.

1) Was bewegt in Schillers BalladeDer Kampf mit dem Drachen den jungen Ordensritter, trotz dem Verbot den Kampf mit dem Untier zu unternehmen? 2) Wie wurde aus dem verzagten Telemach ein ent- schlossener und tatkräftiger Jüngling? 3) Wie zeigte der grosse Kurfürst die Macht und Bedeutung seines empor- strebenden Staates? 4) Die Errettung Wiens im Jahre 1683. 5) Böhmen. 6) Schuld und Strafe des Königs in Schillers Taucher.(Prüfungsaufs.) 7) Was folgte aus dem Zusammentreffen Stauffachers mit Tell? 8) Wie ist Napoleon I. auf den Gipfel der Macht gelangt? 9) Die Bedeutung der Eisenbahn. 10) Hermanns Vater- stadt in GöthesHermann und Dorothea. 11) Welchen Anteil hatte Preussen an dem Sturze Napoleons I.) 12) Welche Hindernisse hat Hermann bei der Werbung um Dorothea zu überwinden?(Prüfungsaufs.)

Technischer Unterricht.

1. Das Zeichnen wurde nach dem neuen allgemeinen Lehrplan geübt, also Zeichnen wirklicher Dinge und Formen, von dem einfachsten(nach dem Gedächtnis und nach Vorlagen) bis zu schwierigeren Natur- und Kunstformen und Gebändeteilen, von Anfang an mit fleissiger Benutzung der Farbe. Am Linearzeichnen, das von der Uebung im Gebrauch des Lineals, Winkels, Zirkels und der Ziehfeder und einfachen flachen Konstruktionen zu recht- und schief- winkeligen Projektionen, Abwickelungen, Schnitten und Durchdringungen aufstieg, nahmen alle Schüler der 3 oberen Klassen teil.

2. Im Gesang bildeten die Sänger der Klassen I bis IV und einige aus den Klassen V und VI den Chor, der ein-, zwei-, drei- und vierstimmige Lieder und Choräle sowie Motetten sang, alle übrigen Schüler der Klassen V und VI die zweite Gesangklasse, die nach den nötigen Gehör- und Treffübungen in das Verständnis der Noten eingeführt wurde und einstimmige Lieder und Choräle einübte. je 2 St.

3. Vom Turnen waren von den 106 Schülern, die den Sommer hindurch, und den 103, die im Winter die Realschule besuchten, 4 auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses und 2