Aufsatz 
Beschreibung des neuen Gymnasialgebäudes / von dem Stadtbaumeister Gollhofer
Entstehung
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Während des ganzen MHMittelalters eine rein kirchliche Anstalt. kirchlich in der Leitung, kirchlich in dem Wirken und in den Zielen, sollte es hauptsächlich den Kleriker heranbilden, ihm das wichtigste Rüstzeug, das ihn von der Laienwelt schied, die lateinische Sprache, für Wort und Schrift übermitteln und ihn mit scholastischer Dialektik wappnen zum Kampfe für die traditionellen Autoritäten.

Der Sturm, der im 15. und 16. Jahrhundert durch die alte Welt zog, der die Erde erweiterte nnd den Himmel veränderte, brachte von Italien her den Humanismus und mit ihm den Geist des klassischen Altertums in die höheren Schulen Deutschlands, an deren Gründung sich nun auch Staat und Städte beteiligten, und dieser hat unter mannigfachen Schwankungen dem Gymnasium bis heute sein eigentüliches Gepräge aufgedrückt.

Wie auf allen kulturellen Gebieten, so erfolgte auch im Schulwesen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch den schrecklichen 30jährigen Krieg ein Rückschlag und ein Verfall der klassischen Studien. Die letzte Hälfte des 17. und das 18. Jahrhundert bringen mannigfache Versuche, das Abgestorbene wieder neu zu beleben ich erinnere nur an die Bestrebungen der Pietisten, der Philanthropisten und Rationalisten aber erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelang es dem Neuhumanismus, unter- stützt von einer Glanzperiode der deutschen Literatur, die von der Sonne Homers durchglüht war, die unter der Asche glimmenden Funken wieder anzufachen und das Gymnasium im wesentlichen in der Verfassung herzustellen, die es noch heute hat.

Aber neben dem in der Hauptsache auf dem Studium der alten Sprachen beruhenden Gymnasium waren seit Beginn des 18. Jahrhunderts durch den Geist der Aufklärung Schulen entstanden, die ihren Schwerpunkt auf die Pflege der Realien legten. Diese Schulgattung entwickelte sich infolge des Aufschwungs der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert zu mannigfach gearteten Realschulen. Dazu war im vorigen Jahrhundert nach den Freiheitskriegen und besonders nach der Wieder- aufrichtung eines mächtigen deutschen Reiches der nationale Gedanke in den Vordergrund getreten und forderte gebieterisch eine intensivere Würdigung im Unterricht der höheren Schule. Er führte im Verein mit dem Kampf zwischen Humanismus und Realismus zu der Schulreform, die zu Ende des vorigen Jahrhunderts begann und noch immer nicht zum Abschluss gekommen ist.

Mit kurzen Strichen ich wollte Sie nicht durch eine lange Entwicklungsgeschichte der Schule ermüden habe ich den Werdegang des Deutschen Gymnasiums geschildert. In allem Wechsel der Zeiten, der Strömungen und des ÜUnterrichtsbetriebs, blieb es aber die Schule, die den Gebildeten und zur Leitung Berufenen ihre Vorbildung übermittelte. Wenn Deutschland ein Volk der Denker geworden ist, wenn ein idealer Zug durch das ganze Geistesleben unseres Volkes geht, wenn deutscher Geist die herrlichsten Triumphe auf allen Gebieten des Wissens und der Forschung gefeiert hat, wer dürfte es leugnen, dass das deutsche Gymnasium sich hierum ein nicht unbedeutendes Verdienst erworben hat?

Seine Lebensbedingungen sind jetzt andere geworden. Sein Monopol für die Vorbildung zu allen höheren Berufsarten ist gefallen. Andere Schulen auf anderer Grundlage haben sich die Gleichberechtigung erstritten. Wird trotzdem das Gymnasium auch in Zukunft seinen hervorragenden Platz als erste Bildungs- stätte unseres Volkes bewahren? Wird es nicht erdrückt werden von den Anstalten, die aus anderem Geiste geboren den Tagesbedürfnissen mehr Rechnung tragen und ihre Schüler scheinbar besser ausrüsten zu dem erbitterten Kampf ums Dasein? Wer wagt es diese Fragen mit einem entschiedenen Ja oder Nein zu beantworten?

Wenn aber die Geschichte der Vergangenheit die Lehrmeisterin der Zukunft ist, so darf auch die Geschichte des Gymnasiums uns den Weg zeigen, auf dem es seine alte Stelle in den neuen Verhältnissen zu behaupten imstande sein wird. Nicht als ein starres Gegebenes, sondern als ein entwicklungsfähiger Organismus, der jeder grossen Zeitströmung sich anzupassen vermag, hat sich das Gymnasium erwiesen, und doch hat es bei allen Veränderungen seines Betriebes die Grundlage seines Wesens unverändert bewahrt. Will es sich selbst nicht untreu werden, so muss auch für die Zukunft das Studium der alten Sprachen den breitesten Raum in seinem Lehrplan behalten. Unsere Kultur und Literatur steht auf den Schultern des Griechen- und Römertums, und nur wer bis zu den Quellen hinaufsteigt, vermag den ganzen Lauf des Flusses zu verfolgen. Wollen wir verstehen, was wir sind, so müssen wir lernen, wie wir es geworden sind. Nicht der im vorigen Jahrhundert übertrieben betonte formale Bildungswert der lateinischen und griechischen Grammatik in ihrem klaren logischen Aufbau rechtfertigt die diesen Sprachen noch heute zugewiesene hohe Stundenzahl; die Grammatik soll vielmehr dem höheren Zweck dienen, die Schüler zu befähigen, die auch in der Gegenwart noch mit gleicher Kraft wirkenden und zum Teil unerreichten Schöpfungen der Alten zu lesen und zu verstehen und dadurch in den Geist des klassischen Altertums einzudringen. Die Schüler sollen aus den einfachen und doch so mannigfaltigen politischen und sozialen Verhältnissen der damaligen Zeit das Verständnis erringen für die komplizierteren Vorgänge in unserem Staatsleben und für die mächtig an die Türe des Jahrhunderts pochende soziale Frage. Sie sollen in den Meisterwerken der alten Literatur und Kunst die typischen Vorbilder und Quellen unserer modernen Erzeugnisse auf diesem Gebiet erkennen und so ein Bild der trotz zeitweiligen Rückschrittes doch fortschreitenden Entwicklung des Menschengeistes gewinnen.

Daneben muss das Gymnasium aber auch den heutigen Verhbältnissen Rechnung tragen. Vor allem muss es sich die Pflege des nationalen Gedankens angelegen sein lassen; es muss sich die Aufgabe stellen, junge Deutsche zu erziehen, die ihre Muttersprache in Wort und Schrift beherrschen und erfüllt sind von Liebe für Vaterland und Herscherhaus. Der ersten Aufgabe haben neben den deutschen Stunden alle anderen Unterrichtsfächer und Unterrichtsstunden in gleichem Masse zu dienen. Der Geschichts- unterricht aber muss es sich besonders angelegen sein lassen, zu zeigen, wie ein einiges Deutschland