Amme. O Herrin, ſamm'le doch den Geiſt,
deinen Zorn.
d
Von Leid getrübet; zähme Medea. Ich kann
Nur Ruhe ſinden, wenn die Welt ich ſtürzen ſeh. Mit mir ſoll Alles ſinken; fallend reiß' ich's mit.
Amme.
Bedenke, was dir drohet, wenn du weiter tobſt. 430 An Mächt'ge kann ſich Keiner wagen ungeſtraft. 4 3(Zieht ſich zurück)
Zweite Scene.
Jaſon. Medea. Jaſon, tritt auf.
O immer hartes Schickſal, o ungünſtig Loos,
Wenn'’s wüthet, und wenn's ſchonet, gleich verderblich ſtets!
Wie oft gewähret Rettungsmittel uns ein Gott,
Viel ſchlimmer als Gefahren. Wollt' ich nach Verdienſt 435 Der Gattin treu verbleiben, dann mußt' ich mein Haupt
Dem Tode weihen; wollt' ich ſterben nicht, dann mußt'
Ich Treue brechen. Nicht beſiegte Furcht den Mann;
Angſtvolle Sorge war's, die Kinder müßten auch
Im Tod dem Vater folgen. O Gerechtigkeit, 440 Wenn heilig du im Himmel thronſt, ſei Zeuge mir!
Die Liebe zwang den Vater. Ja, die Mutter ſelbſt,
Ob ſie auch wilden Sinnes iſt und Zwang verſchmäht,
Sorgt, hoff' ich, für die Kinder lieber, als die Ch'.
Ich will der Zorentbrannten drum mit Bitten nah'n. 445 Sieh uur, wie ſie beim Anblick meiner ſpringt und tobt;
Haß zeigt ſie, in den Mienen liegt ihr ganzer Groll.
Medea. Vir flieh'n Jaſon, fliehen! Nicht mehr iſt mir's neu, Den Ort zu wechſeln; neu iſt nur der Grund der Flucht.
450.
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Laren, Hausgötter, ſtehen oft für das Haus ſelbſt. Sie ſind nicht zu verwechſeln mit den Penaten, welche die Schützer der Familie waren.
Ich pflegte nur für dich zu flieh'n. Jetzt geh' ich fort, ⁴50 Da du von deinen Laren weg zu zieh'n mich zwingſt. Zu welchen ſoll ich wandern? Hin zum Phaſis wohl Nach Kolchis, in des Vaters Reich und ins Gefild,
Das Bruderblut benetzte? Sag', in welches Land
Zieh ich? durch welche Meere? durch den Pont'ſchen Sund, Durch den zurück ich brachte hoher Kön'ge Schaar,
Dem Buhlen folgend durch der Symplegaden Thor?
Soll ich in's kleine Jolkos zieh'n? in Tempe's Thal?
Die Wege, die ich dir erſchloß, verſperrt' ich mir.
Wo ſchickſt du hin mich? Eine Flücht'ge banneſt du
Und nennſt kein Ziel. Ich geh'. Des Königs Eidam will's; Ich ſträub' mich nicht.— Häuf' alle Martern nur auf mich; Verdient hab' ich's. Das Kebsweib treff' des Königs Zorn Mit blut'ger Straf'; er ſeſſ'le mir die Hände ſchwer
Und berg' im Felſenkerker mich in ew'ger Nacht.
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Selbſt dann leid’ ich zu wenig.— Undankbares Haupt!
Ruf' dir zurück doch beider Stiere Feuerhauch,
Den Schreck inmitten jenes grauſig wilden Volk',
Aeetes flammend Ungethüm im Waffenfeld,
Des neuen Feindes Lanzen, als auf mein Geheiß
470 Hinſank die erdgebor'ne Schaar im Wechſelmord.
Denk' auch, wie du des Phrixus Widdervließ errangſt;
Wie ich das Aug' zum erſten Schlaf zu ſchließen zwang
Ein ſchlaflos Unthier; wie ich todt den Bruder ſchlug, Und wie ich dann ob eines Frevels oft gefehlt.
4 5 Denk', wie, getäuſcht durch meine Liſt, die Töchter ich
Zerſtücken hieß des Greiſen Leib, daß todt er blieb.
Nach fremdem Reiche ſtrebend, gab ich meines auf.
Bei deiner Kinder Hoffnung und dem ſich'ren Herd,
Bei den beſiegten Ungeheuern, bei der Hand,
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Die ſtets ich für dich regte, bei der einſt'gen Furcht, Bei Meer und Himmel, jenen Zeugen unſres Bund's, Erbarm' dich; lohn', o Glücklicher, mir meinen Dienſt! „Von jenen Schätzen, die aus weiter Ferne ſich
Der Scythe holt vom ſonnverbrannten Indervolk, 485 Und die das reiche Haus nicht faßt, ſo daß mit Gold
Uebrigens
hatten die Bilder beider ihren gemeinſchaftlichen Standort am Herde des Hauſes, dem Sammelplatz der Familie.
457. 465— 476. S. d. Einl. 8— 1.
484.
Indervolk. Schon ſehr alte Sagen berichten von dem großen Reichthum Indiens. Indeſſen beſtand zu Jaſons Zeit jedenfall Lande, ſo daß alſo auch hier der Dichter die Anſchauung ſeiner Zeit auf die frühere überträgt.
Jolkos. S. d. Einl. 1.— Tempe, ein anmuthiges Thal in Theſſalien zwiſchen dem Olymp und Oſſa.
3 noch kein Handel mit dieſem


