Aufsatz 
Einige der vorzüglichsten Ursachen des altrömischen Tugendsinns : 1. Stück
Entstehung
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9 zurück halten. Sich und dem Vaterlande hoffnungsvolle Kinder zu bilden, dieß war der Stolz der römiſchen Mutter; hoffnungsvolle Kinder zu beſitzen, dieß achtete Scipios Tochter für ihr Geſchmeide, dieß galt ihr mehr als mo⸗ diſcher Flitter.*)

Unter den Augen ſolcher Mütter blühten die römiſchen Töchter heran. Von ſolchen Müttern gebildet, feierten ſie den Tag der Verlobung und Sitteneinfalt, Unſchuld, Häuslichkeit und Zufriedenheit war die große, unver⸗ äußerliche Mitgabe der Aeltern, wodurch die Töchter nun ſelbſt die Tugenden und das Glück ihrer eignen Nachkommenſchaft begründeten.

Daß der römiſche Vater bei der mütterlichen Erziehung kein gleichgülti⸗ ger Zuſchauer war, daß er den Ecfolg derſelben nicht ſorglos und unthätig abwartete, daß er noch weniger der Mutter Hinderniſſe in den Weg legte und durch Tadel und Unvorſichtigkeit verdarb, was jene gut gemacht hatte, daß er vielmehr in dem wichtigen Geſchäfte ſeine Gattin mit Rath und That un⸗ terſtützt haben werde, läßt ſich aus dem allgemein herrſchenden Sinne, den man in jener patriarchaliſchen Zeit der Römer für Familienglück hatte, ohne⸗ bin ſchon ahnden, wenn auch die muſterhafte Harmonie der damaligen römi⸗ ſchen Ehen kein einziger Schriftſteller bezeugte. Aber er fühlte ſich zu noch bö⸗ beren Pflichten gedrungen. Bei der Erziehung der Söhne fiel ihm in beſtimm⸗ ten Jahren derſelben die wichtigſte Rolle zu.

Sobald der römiſche Knabe für den Unterricht reif geworden war, über⸗ nahm der Bater, ohne daß jedoch die Mutter aufgehört hätte, bei jeder Ge⸗ legenheit auf das Herz des Sohnes zu wirken, die ſittliche und wiſſenſchaft⸗ liche Bildung deſſelben. Oft vertraute er ihn, wiewohl er ihn darum von ſeinen eignen Beobachtungen nicht ausſchloß, einem von Seiten des Herzens

*) Val. Max. VI, 4. . B