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2 8. Am 29. Juni 1874 wird Muſiklehrer Georg Hüfner aus Jever iu die erledigte Stelle eines Geſanglehrers an der Realſchule eingewieſen. Derſelbe theilt über ſeinen Lebensgang Folgendes mit: .. Georg Hüfner, Sohn des Inſpectors Hüfner in Caſſel, wurde am 6. Mai 1832 daſelbſt geboren. Nach Abſolvirung des dortigen Gymnaſiums widmete er ſich der Muſik; und nach Be⸗ endigung ſeiner fünfjährigen Studien bei C. Schuppert in Caſſel, H. W. Stolze in Celle und Dr. Aloys Schmitt in Frankfurt am Main wurde er Privatlehrer in der Muſik und zweiter Dirigent des Geſangvereins in Celle. Alsdann folgte er einem Rufe als Stadtorganiſt und Muſikdirector nach Jever in Oldenburg, woſelbſt er blieb bis zu ſeiner Verſetzung nach Alzey. 9. Am 27. Juni 1874 machten ſämmtliche Lehrer mit den Schülern der ſechs Realklaſſen, im Ganzen vom Wetter begünſtigt, einen Ausflug mit der Eiſenbahn nach Kirchheimbolanden und von da zu Fuß über Baſtenhauſen auf den Donnersberg. Die Rückkehr erfolgte über Dannenfels nach Kirchheim, wo am Abend noch einige Stunden der Erholung gewidmet wurden. Um 9 Uhr wurde mit der Eiſenbahn die Heimath wieder erreicht. 10. Durch Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern vom 26. Anguſt, beziehungsweiſe vom 12. September 1874, wird das jährliche Schulgeld vom 1. September 1874 an, wie in allen Realſchulen des Großherzogthums, ſo auch in der hieſigen auf folgende Beträge feſtgeſetzt:
a. in den Vorbereitungsklaſſen 36 Mark, b. in den 3 unteren Realklaſſen 48„ c. in den oberen Realklaſſen 60„
11. Durch Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegen⸗ heiten, vom 11. September 1874 werden die Beſoldungen der ordentlichen Lehrer und der Gehalt des Pedellen neu regulirt, und verfehlen wir nicht, der höchſten Staatsbehörde, ſowie den Landſtän⸗ den für die dadurch erfolgte Beſſerſtellung ſämmtlicher an der Anſtalt Angeſtellten Namens der⸗ ſelben den aufrichtigſten Dank darzubringen.
12. Durch Reſcript Großh. Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 29. Dezember 1874 wird der Gymnaſiallehramts⸗Aſpirant Ludwig Heddäus aus Alsheim mit der proviſoriſchen Verſehung einer neu gegründeten Lehrerſtelle beauftragt und dadurch die Theilung unſerer bisher zweijährigen 1. Klaſſe in zwei einjährige Klaſſen ermöglicht. Die Anſtalt gliedert ſich demzufolge von jetzt an in 2 zweijährige Vorbereitungsklaſſen und 6 einjährige Realklaſſen und hat ſomit bezüglich ihrer Organiſation das Ziel erreicht, deſſen Erſtrebung ſeit Jahren durch alle einſchla⸗ genden Verhältniſſe geboten erſchien.
In Folge dieſer Erweiterung der Schule fanden in der Zutheilung der Unterrichtsfächer an die einzelnen Lehrer mehrfache Aenderungen und Vertauſchungen ſtatt, ſo daß alſo die Jahrespenſa in mehreren Fächern nicht von einem und demſelben, ſondern von zwei verſchiedenen Lehrern behan⸗ delt worden ſind. In der oben unter Rubrik A mitgetheilten Ueberſicht des Geſammt⸗Lehrſtoffes ſind aber bei den verſchiedenen Fächern diejenigen Lehrer als deren Vertreter angegeben, welchen ſie ſeit Neujahr zugetheilt ſind. Daraus, daß bis zu Neujahr 1875 die nunmehrige 1. und 2. Klaſſe, ver⸗ einigt waren, erklärt ſich auch, warum oben unter Rubrik A bei beiden faſt vollſtändig derſelbe Lehr⸗ ſtoff angegeben iſt. Erſt ſeit ihrer Trennung ließ ſich die längſt wünſchenswerthe und künftig von vornherein eintretende Auseinanderhaltung der Jahrespenſa ermöglichen
Herr Heddäus hat über ſeinen Lebenslauf Folgendes mitgetheilt:
Ludwig Heddäus, geboren zu Gumbsheim, Kreiſes Alzey, den 16. Dezember 1849, beſuchte Anfangs die Volksſchule daſelbſt, dann bis zu ſeinem 16. Jahre das Privat⸗Inſtitut des Herrn Pfarrers Wolf zu Badenheim, darauf ging er im Jahre 1865 auf das Gymnaſium zu Darmſtadt über und dann nach beſtandener Maturitätsprüfung, im Herbſt 1867, nach Gießen, um ſich dem Studium der Philologie zu widmen. Daſelbſt abſolvirte er im Sommer 1870 ſein Vor⸗ examen. An der Verfolgung ſeiner Laufbahn durch den Ausbruch des Krieges von 1870—71, an dem er als Einjährig⸗Freiwilliger Theil nahm, und eine darauf folgende langwierige Krankheit gehindert, konnte er erſt gegen Ende des Jahres 1871 daran denken, ſeine Studien fortzuſetzen und zu vollenden, worauf er durch Decret Großh. Miniſteriums des Innern vom 29. Dezember 1874 als proviſoriſcher Lehrer an der hieſigen Realſchule angeſtellt wurde.


