Aufsatz 
Rede bei der Sedanfeier am 2. Sept. 1874
Entstehung
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von Herbſt 1869 an auf der Landes⸗Univerſität Gießen dem Studium der Mathematik, Phyſik und Chemie. Am 18. Dezember 1873 beſtand er das Examen für das Gymnaſial⸗ und Realſchullehr⸗ amt, und am 23. Dezember erwarb er ſich die philoſophiſche Doctorwürde. Bald darauf trat er ſeinen Acceß am Gymnaſium zu Worms an und wurde am:12. April 1874 als proviſoriſcher Leh⸗ rer an die Realſchule zu Alzey verſetzt.

4. Am 22. April 1874 wird aushülfsweiſe der Studioſus der Philologie Hugo Brehme aus Schernberg im Fürſtenthum Schwarzburg⸗Sondershauſen in die durch den am 2. Februar er⸗ folgten Abgang des Collegen Dr. Auguſt Weckerling erledigte Stelle proviſoriſch eingewieſen. Derſelbe hat über ſeinen Lebenslauf folgende Notizen zu den Acten gegeben:

Friedrich Hugo Brehme wurde geboren am 18. Auguſt 1850 zu Schernberg im Fürſten⸗ thum Schwarzburg⸗Sondershauſen. Nachdem derſelbe das Gymnaſium zu Sondershauſen abſolvirt, trat er im Jahre 1870 beim Beginn des deutſch⸗franzöſiſchen Krieges als Kriegsfreiwilliger in die Armee ein und wurde zum activen Truppentheil nach Frankreich verſetzt. Nach ſeiner Rückkehr aus dem Feide widmete er ſich ein Semeſter lang dem Studium der Theologie auf der Univerſi⸗ tät Halle. Darauf war derſelbe in Petersburg an einer Privatſchule thätig, kehrte aber ſchon im Jahre 1872 von dort zurück, beſuchte die Univerſität Göttingen, um philoſophiſchen und philolo⸗ giſchen Studien obzuliegen. Von Göttingen aus begab ſich derſelbe nach Miltenberg in Unter⸗ franken, wo er an dem Trotter'ſchen Knabeninſtitut als Lehrer thätig war. Von da wurde er an die Großherzogliche Realſchule zu Alzey als proviſoriſcher Lehrer verſetzt.

5. Durch Verfügung Großh. Oberſtudien⸗Direction vom 21. Mai 1874 wird angeordnet, daß beſondere Beiträge der Schüler zur Schülerbibliothek nicht mehr erhoben werden ſollen.

6. Durch Verſügung Großh. Oberſtudien⸗Direction vom 26. Juni 1874 wird der bisherige proviſoriſche Zeichenlehrer Ludwig Geyer ſeiner Stelle an der Anſtalt enthoben..

7. Bereits ſeit dem 22. April 1874 hatte den Zeichenunterricht aushülfsweiſe der Großh. Bauacceſſiſt und Stadtbaumeiſter Julius Lehr übernommen und ſetzte denſelben mit dankenswerther Hingabe fort bis zum 16. October, an welchem Tag ihm mittelſt Allerhöchſten Decretes die vacante

Zeichenlehrerſtelle definitiv übertragen wurde. Derſelbe veröffentlicht über ſeinen Lebenslauf Folgendes: Julius Lehr, Sohn des verſtorbenen Hofgerichtsbotenmeiſters Lehr zu Gießen, wurde da⸗

ſelbſt am 21. Februar 1820 geboren, beſuchte das dortige Gymnaſium und bezog nach abſolvirter Maturitätsprüfung im Frühjahre 1840 die Univerſität Gießen, um ſich dem Studium der Architek⸗ tur zu widmen. Er beſtand die Facultätsprüfung, machte einen einjährigen Acceß bei Großherz. Oberbaudirektion und die Staatsprüfung im Baufache. Im Jahre 1847 übernahm er im Auftrag des damaligen Direktors des techniſchen Kabinets der Univerſität Gießen Profeſſors Dr. Knopp, dermalen in Braunſchweig, die Anfertigung einer nicht unbedeutenden Sammlung von Original⸗ zeichnungen für dieſe Anſtalt und wurde mit der Abnahme zahlreicher Kopieen hievon von Pro⸗ feſſor Dr. Will in Gießen für das chemiſche Laboratorium daſelbſt, von Profeſſor Dr. v. Fahling für das Polytechnikum in Stuttgart, von Profeſſor Dr. Bromeis in Marburg, von Profeſſor Dr. Hofmann in London für ihre Vorleſungen beauftragt. Nachdem er daneben noch längere Zeit den Unterricht an der Handwerkerſchule zu Schotten und den Zeichenunterricht in der daſelbſt zur Ein⸗ führung der Holzinduſtrie im Vogelsberg neu gegründete Schule für Holzarbeiten geleitet hatte,

wurde ihm vom Großh Kreisrath Dr. Goldmann in Lauterbach, jetzt Provinzialdirektor in Mainz,

die Hauptlehrerſtelle an der auf deſſen Veranlaſſung daſelbſt in größerer Ausdehnung neu errich⸗ Handwerkerſchule, an welcher Anſtalt er während des Sommers nur an den Sonntagen Zeichen⸗ unterricht, während der Wintermonate dagegen an ſämmtlichen Wochentagen auch noch den mathe⸗ tiſchen Unterricht in den oberen Klaſſen ertheilte übertragen. Zugleich übertrug ihm der verſtor⸗ bene Erbmarſchall von Riedſel unter Oberleitung des dermaligen Bauraths Horſt zu Bensheim, die Führung des Bauweſens auf dem Schloß Eiſenbach bei Lauterbach, wo er zu dieſem Zwecke auch zeitweiſe ſeinen Wohnſitz nehmen mußte.

Im Frühjahre 1858 wurde er durch Verfügung Großh. Oberbaudirektion dem Kreisbauamt Alsfeld zur Aushülfe zugetheilt und im Herbſt 1864 bei der Erbauung der neuen Landes⸗Irren⸗ anſtalt in Heppenheim verwendet. Nach Vollendung dieſes Baues im Herbſt 1866 fand ſeine Ver⸗ ſetzung zum Kreisbauamt Erbach und im Herbſte 1868 eine ſolche zur Uebernahme des Vicariats der Kreisbaumeiſterſtelle hierher ſtatt, wo ihm auch vom Stadtvorſtand die Stelle eines ſt dtiſchen Technikers übertragen wurde. Das Kreisbauamt Alzey wurde während der Dauer von dreivier⸗ tel Jahren und vorübergehend auch das Kreisbauamt Worms von ihm verwaltet. In ſeiner Stel⸗

lung als Bauacceſſiſt beim hieſigen Kreisbauamt verblieb er bis zu ſeiner Anſtellung als Reallehrer.