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begabt, die ſchönen Künſte gleichfalls pflegte und förderte. Geſang ging der Rede voran und folgte ihr.
Bald nach dieſem Feſte ward dem Director die Anzeige, daß der Collaborator Dr. Teuber abgerufen und nach Neiſſe verſetzt werde. Inwiefern dieſer Ruf ein ehrenvoller und für ihn vor⸗ theilhafter war, entließen wir den fleißigen und mühſamen Lehrer mit herzlicher Theilnahme und unſern beſten Wünſchen. Mit gütiger Genehmigung des Directors des pädagogiſchen Seminars übernahmen die drei Candidaten und Mitglieder dieſes Seminars, Dr. Kuſchel, Dr. Schedler und Tſchackert die hierdurch freiwerdenden Lehrſtunden und machten es ſo möglich, die entſtandene Lücke
ohne Zuwachs an neuen Lehrkräften auszufüllen.. Nach der Cenſur, die in den Tagen vom 17. bis 23. December war abgehalten worden, traten
die Weihnachtsferien ein und dauerten vom 24. December bis 3. Januar, beide Tage einſchließlich.
Kaum hatten die Lehrſtunden im neuen Jahre mit dem 4. Januar wieder begonnen, als den Tag darauf der Religionslehrer Stenzel, wie es ſchien, unbedeutend erkrankte. Aber ſein Uebel, Arthritis vaga, nahm plötzlich eine gefährliche Richtung und am Morgen des 14. Januar, genau in dem Augenblicke, wo der pflichteifrige Lehrer auf den Schall der Stundenglocke zur Schule geeilt wäre, verſchied derſelbe an Lungen⸗ und Herzſchlag, zur tiefſten Betrübniß ſeiner Amtsgenoſſen und Schüler, ſowie zahlreicher Freunde und einer nicht genannten Menge von Armen und Dürftigen, denen ſeine fromme Mildthätigkeit reiche Wohlthaten geſpendet hatte. Endlos war das Zuſtrömen ſeiner Freunde und Verehrer zu der ausgeſtellten Leiche, welche am Nachmittage des 16. Januar mit einem höchſt zahl⸗ reichen Geleite feierlichſt zur Erde beſtattet wurde. Die trauernde Liebe der Schüler ließ es ſich nicht nehmen, den Leichenzug mit allem Glanz ehrender Abzeichen zu umgeben, wie durch ſie bei den Exequien am 18. Januar das Requiem von Mozart auf⸗ würdige Weiſe ausgeführt wurde. Der Verſtorbene hatte ein Alter von genau 47 ½ Jahren erreicht, da er, zu Friedewalde bei Grott⸗ kau, am 14. Juli 1799 geboren war. Der Anſtalt hatte er die treueſte Sorge und Thätigkeit, kein Miethling, ſondern ein wahrhaft guter Hirt, durch 20 Jahre gewidmet, ungerechnet einige Jahre, die er früher, vor ſeiner Anſtellung in Leobſchütz, als Candidat an derſelben gewirkt hatte. Friede ſeiner Aſche! Sein Andenken wird lange fortleben in den Herzen wahrer Freunde und zahl⸗ loſer Schüler..—
Veranlaßt von dieſen erließ der Director in den öffentlichen Blättern eine Aufforderung zur Sammlung von Beiträgen für ein Grabdenkmal des Verſtorbenen und, falls ſich ein Ueberſchuß ergeben ſollte, zur Stiftung eines Stipendiums, das am Geburts⸗ oder Todestage an arme und brave Convictoren vertheilt werden ſollte..
Der Erfolg iſt nicht unglücklich geweſen. Es i*ſt eingekommen:
. Thlr. Sgr. Pf.
1) Von dem Herrn Buchdruckereibeſitzer Freund hier.... 1——
2)—— Pfarrer Bartſch in Quaritz.1— 3)—— Grafen Leopold Saurma... 5ͤ—— 4)—— Grafen Guſtav Saurma...... 5—— 5)— einem Unbenannten durch Herrn Aſſeſſor Klein. 2—— 6)— Heerrn Pfarrer Wittke in Glogau...3——


