Aufsatz 
Beschreibung und Einweihung des Neubaus
Entstehung
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Der Entwurf des Hauses stammt von einem geborenen Alsfelder, dein Herrii Geh. Oberbaurat Klingelhöffer in Darmstadt.

Beim Beginn der Bautätigkeit im Juni 1908 hatte Alsfeld keinen städtischen Architekten. Weiiii das Gemeinderatsmitglied, Herr Kreisstraßenmeister Braun, sich nicht um die Förderiing der Arbeit bemüht hätte, dann wäre die Vollendung erst in 1910 möglich geworden· Ende Juli trat Herr Römhild als ftädtischer Bautechniker ein und führte den Rohbau weiter, verließ aber Alsfeld mit Schluß des Jahres 1908. Jm April 1909 kam erst Ersatz für ihn in der Persoii des Herrn Eckhardt, der sich große Verdienste um die Durchführung und Vollendung des Baues erworben hat.

Sämtlirhe Lieferungen und Arbeiten wurden, soweit nicht Spezialfirmen in Betracht kamen, Alsfeldern übertragen, die ihr Bestes leisteten für die Alsfelder Oberrealschule.

b) Die Sinweibung des neubau5.

Der 24«. Okober 1908) ist für die Alsfelder Oberrealschule durch die Einweihung des Neubaus ein denkivürdiger Tag ·geworden. Um 11 Uhr begann die Feier im Schulhofe des alten Schulgebäudes im Schnepfenhain. Die im Flaggenschmucke prangende Stadt war durch die Herreii Beigeordneten und Geineiiideratsmitglieder vertreteii, von der Schulabteiluiig des Ministeriums waren die» Herren Gel). Oberschulrat Scheuermanii und Oberschulrat Block, ein früherer Schüler der Anstalt, erschienen. Die Herreii Landtagsabgeordneten Reh und Korell, die Vertreter der verschiedenen Behörden und Schulen, Hunderte voii Teilnehmern, sowie das Lehrerkollegium mit den Schülern der Anstalt hatten sich zur Feier des Abschieds eingefunden. Zu ihrer Eröffnung trug der unter der Leitung des Herrii Neallehrer Dotter stehende Schüler- chor das Lied:»Der Hei«r ist mein Hirt-« vor. Hierauf hielt Herr Prof. Schmitt im Namen des Direktors und Lehrerkollegiums die Abschiedsrede:

»Nun sind wir zum letzteninale an dieser Stelle zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von den altgewohnten Räumen, die fast ein halbes Jahrhundert die Heimstätte unserer Anstalt gewesen sind. Jn den ersten Jahren ihres Bestehens war unsere Schule in dem älteren der beiden Häuser unter- gebracht. Später erforderte die wachsende Schülerzahl den zweiten Bau. Solange unsere Anstalt eine siebenklcissige Realschule war, genügten diese Räume zur Aufnahme der Realschulklassen, sowie der damit verbundenen Vorschule. Als jedoch der Ausbau unserer Schule zu einer Vollanstalt beschlossen wurde, mußte man aii dic Frage eines Neubaus herantreten. Zwar ist in diesen alten Räuinen unsere Schule zu einer Vollanstalt ausgewachsen, hier ist die erste Reifeprüfung abgelegt worden, hier hat sie sich die erweiterten Berechtiguiigen errungen, doch konnte es so nur als Notbehelf, nur für kurze Zeit noch gehen. Es war recht schwierig, in den engen alten Verhältnissen den Betrieb einer Oberrealschule durchzuführen· Namentlich mußte der Unterricht in Physik und Chemie unter der Ungunst der be- schränkteii Verhältnisse leiden. Nun ist der Augenblick gekommen, wo die beengenden Fesseln fallen und unsere Schule hinüberziehen kann in die weiten, lustigen und hellen Räume des neuen Heims. Es ist aber nicht bloß das Gefühl der Freude, aus den beengenden alten Verhältnisseii herauszukommen, das uns, Schüler wie Lehrer, in diesem Augenblick erfüllt. Nein, wir sind auch durchdrungen von Gefühlen der Dankbarkeit gegenüber der Stadt Alsfeld und ihrer Vertretung, die uns mit Aufwand großer finanzieller Opfer ein neues würdiges Heim errichtet haben, damit unsere Anstalt von jetzt an dort wirke und sich weiter entwickele und voll entfalte. Es ist mir ferner eine angenehme Pflicht, allen jenen unseren Dank auszusprechen, die in der Frage des Ausbaues unserer Schule zu einer Vollanstalt der städtischen Vertretung mit Rat und Tat fördernd zur Seite gestanden haben. Jn diesem Sinne gilt unser Dank auch den beiden Landtagsabgeordneten unserer nächsten Heimat, Herrn Justizrat Reh, sowie Herrn Korell.

So groß und zahlreich auch die Vorzüge des prächtigen Neubaus im Vergleich zu der Enge und Beschränktheit des alten Heims sind, so werden wir doch diesen alten Räumen ein freundliches, treues Gedenken bewahren, und ganz besonders für Euch, liebe Schüler, werden sie stets eine Erinnerung an die schöne Jugendzeit bilden-

Eins aber wollen wir aus diesen bescheidenen alten Räumen mit hinübernehmen in das neue stolze Heim, nämlich den Geist der Zucht, ohne den keine gesellschaftliche Gemeinschaft bestehen kann; den Geist der Pflichterfüllung und Arbeit, der allein des Menschen Wert und Glück bestimmt und be- gründet; den Geist der hingebenden Liebe zu unserem Vaterlande, den Geist der Treue zu Kaiser und Großherzog, deren Herzen auch in Treue schlagen für die deutsche Jugend; den Geist wahrhaft christlicher Lebensauffassung endlich, der uns in den Jrrgängen des Lebens Stab und Stütze, in feinen Stürmen Anker und Hafen ist. Möge dieser Geist mit uns einziehen in das neue Heim, damit wir dort weitere Erfolge erringen zum Segen unserer Gemeinde, zum Heile unseres Vaterlandes.

Unseren Ausgang segne Gott«