Uber das Handschriftenverhältnis des Altfranzösischen: Guy de Warwick.
A. Tanner reichte vor zehn Jahren als Inaugural-Dissertation bei der Philosophischen Facultät zu Heidelberg eine Untersuchung ein über Alter und Geschichte der Sage von Guy de Warwick.(Heilbronn, Gebrüder Henninger 1877.) Mehr als Beigabe lieferte er zum Schluss in einem besonderen Kapitel eine Zusammenstellung des gesamten vorhandenen Materials und knüpfte an diese„einige Bemerkungen über das gegenseitige Verhältnis einzelner Handschriften, welche einen kleinen Beitrag abgeben sollten zur späteren Classificierung dieser letzteren.“ Eine solche ist indessen bis jetzt nirgends erschienen, und die nachfolgende Abhandlung, welche die Klassifikation der in Betracht kommenden Altfranzösischen Handschriften zum Zweck hat, entspricht daher einem zwar längst bekundeten, aber der wünschenswerten Beachtung noch nicht gewürdigten Bedürfnisse.
Tanners Mitteilungen a. a. o. sind wenig zuverlässig. Ich kann mich hier jeder weiteren Ausführung darüber enthalten, wenn ich auf die Ankündigung dieser meiner Untersuchung zurück- weise, welche ich ihr in der Begrüssungsfestschrift des zweiten allgemeinen deutschen Neu- philologentages(„Frankfurter Neuphilologische Beiträge“, Frankfurt a. M., Mahlau und Wald- schmidt, 1887) vorausgehen liess unter dem Titel„Eine Textprobe aus der altfranzösischen Uberlieferung des Guy de Warwick.“ Vor dem hier abgedruckten Paralleltext habe ich näm- lich nach kurzer Erwähnung der einschlägigen Litteratur, namentlich auch der Besprechungen Tanners durch Zupitza, Suchier und Kölbing, eine UÜbersicht über die Altfranzösischen Hand- schriften des Guy de Warwick, ihre Beschaffenheit und Zugänglichkeit, nach dem heutigen Stande der Forschung gegeben. Des genaueren werde ich demgemäss auf die Handschriften, sowie auch den Inhalt des Romans, welchen ich darauf noch kurz skizziert habe, hier füglich nicht mehr zurückkommen. Es wird genügen, zur leichteren Orientierung die Handschriften nur noch einmal aufzuzählen und anzugeben, auf welche Weise und in welchem Maasse ich zu ihrer Benutzung gelangte.
Bevor ich jedoch in meine Arbeit eintrete, sei es mir gestattet, Herrn Professor Stengel, von welchem ich die erste Anregung zu derselben erhielt, welcher dieselbe die langen Jahre hindurch, während deren meine Sammlung und Bearbeitung des Materials oft durch anderweitige Thätigkeit in Verzögerung geriet, mit nie ermüdendem Interesse verfolgte und förderte, und welcher mir schliesslich die ihm gehörigen Abschriften aufs bereitwilligste überliess, sowie auch Herrn Professor Suchier, welcher mir in gleich gefälliger Weise die in seinem Besitze befind- liche Kopie der Handschrift A zur Verfügung stellte, den gebührenden herzlichen Dank aus- zusprechen. Auch den Herren Bibliothekaren vom College of Arms in London und vom Corpus Christi College in Cambridge, welche mir s. Z. das Material ihrer Bibliotheken in bereitwilligster und uneigennützigster Weise zugänglich machten, bin ich zu grossem Danke verpflichtet und gebe demselben hier gern öffentlich Ausdruck.


