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zu lehren verſpricht, ſoll bei einem ſolchen Gerichte der gute Schüler trotz ſeiner Beſchei⸗ denheit ſich noch zeigen, der mittelmäßige noch als Etwas gelten, und ſelbſt der Unfleißige ohne öffentliche Beſchimpfung bleiben. Ein ſolches Gericht wird für das nächſte Schul⸗ jahr die beßten Vorſätze veranlaſſen und ein ſtändiger Sporn für die Schüler ohne Unter⸗ ſchied ſein.— Unſere Prüfung iſt und ſoll ſein ein Bild vom gewöhnlichen Schulleben. Und daß wir abweichend von manchen Anſtalten dieſe Tendenz verfolgen können, das be⸗ fiehlt uns die höchſte Macht, in deren Dienſt wir ſtehen, die Wahrhaftigkeit, ohne die eine Schule den Namen nicht verdient, das befiehlt uns die heiligſte Pflicht, die wir haben, die Sorgfalt für die körperliche und geiſtige Geſundheit der uns anvertrauten Jugend. Und die Verſtändigkeit unſeres Publikums zwingt uns nicht zu der Weltklugheit: Mundus vult decipi.
Das Urtheil, welches Sie, Verehrteſte, nach den Erfahrungen dieſes Jahres und nach Abhaltung dieſer öffentlichen Prüfungen unſerer Ingend über uns und unſere Anſtalt fällen, iſt es lobend, iſt es tadelnd? Wir unterwerfen uns ihm, aber ganz verwerfend kann es nicht ſein. Mancherlei Unfälle haben uns dieſes Jahr wieder betroffen; es kann kein ganz heiteres genannt werden. Aber was unter den Umſtänden geſchehen konnte, iſt geſchehen, und manches Erfreuliche hat dieſes Jahr hinwiederum aufzuweiſen, was das vorige nicht hatte. Aber ſollten Sie, Verehrteſte, ſich auch völlig befriedigt er⸗ klären, ſo würden Sie an uns ſelbſt den größten Widerſpruch finden. Wir wiſſen zu wohl, daß die Wirklichkeit unſerer Ärndte nicht ganz unſerem Plane entſpricht, daß wir mit uns ſelbſt nicht unzufrieden genug, daß wir im Vorſtecken unſeres Ideals aber nicht ſtreng genug ſein können. Manches zu beſſern, Manches zu ändern, die Erfahrungen des verfloſſenen Jahres für das künftige von Anfang an treulich zu benutzen, das iſt unſer Vorſatz, welchen auszuführen der Himmel uns ſeine Kraft und ſeinen Segen ver⸗ leihen wolle.
Schlußworte von Prüfungen geben ſonſt noch einen Bericht vom ganzen Schuljahr; ich habe dieſen aber im Programm ausführlich genug, wenn auch fragmentariſch abge⸗ ſtattet; es wurde nicht ſowol für Gelehrte geſchrieben, als vielmehr für alle, welche ſich für die im beſſeren Geiſte unſerer Zeit emporſtrebende Schulwelt intereſſiren.
Ich habe ſonach nur den Schülern das Lebewohl zuzurufen, welche überhaupt zum letzten Male dieſer Feierlichkeit beiwohnen. Auch Euch werde ich heute meiner Gewohn⸗ heit nach nicht lange hinhalten mit vielen Ermahnungen, welche man Jünglingen bei ſolcher Gelegenheit noch mit zu geben für gut findet. Welche hievon bei Euch nicht be⸗ reits haften, ſie würden in dieſen wenigen Minuten nicht befeſtigt; manche würdet Ihr mit Euren noch zarten und unverdorbenen Gefühlen wohl bereitwillig aufnehmen, die Außenwelt würde ſie aber Euch beſonders, die Ihr nun Euere Blicke nach der Univerſität


