Aufsatz 
Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos I. des Großen
Entstehung
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Der baldige Tod des jungen Prinzen machte zwar dieses Gerede binnen kurzem wieder verstummen, nichts desto we- niger aber übte es auf die Seele Liudolfs einen um so tief-

Bei dieser Gelegenheit nun, als Berengar nach Augsburg kam, scheint sie es vorzüglich gewesen zu sein, die Berengar kränkte, theils um an ihm sich zu rächen, theils, um dadurch Konrad, ihren Stiefschwiegersohn, welcher den Berengar empfahl, wehe zu thun. Berengar musste mehrere Tage warten, bis er Gehör bekam. In Gegenwart der Bischöfe von Mailand, Pavia, Ravenna, Padua, Tortona, Brescia, Como, Parma, Modena, Reggio, Piacenza und Acqui bekannte sich Berengar als Ottos Lehensmann und erhielt Italien als ab- hängiges Königreich zurück.“—

Dazu: Würde dieses von Leo entworfene Bild Adelheids auf Wahrheit beruhen, so könnten wir nicht umhin, uns von derselben eine sehr ungünstige Meinung zu bilden. f

Glücklicherweise ist es jedoch nur ein Phantasiestück des sonst so ver- dienstlichen Geschichtsforschers und stehen uns, wenn wir das Leben und Wirken dieser so berühmten Frau kennen lernen wollen, bessere und unpar- teiischere Quellen zur Verfügung, als es in diesem Falle das Werk Leos zu sein möchte.

Zuerst ist nun zu fragen: Welche Schule und von welchen Weibern hat Adelheid in Italien durchgemacht?;

Jedenfalls nicht z. B. die Schule Marozias; denn diese war 936 bereits tot(932 hatte sie sich mit König Hugo in Rom vermählt), ebenso wenig wissen wir, dass sie mit der Halbschwester Hugos, Jrmengard, in nähere Beziehungen getreten wäre.

Aber auch ein Umgang mit Roza, Pezola, Stephania, welche(laut Liut- prands Bericht antap. IV 13) nach Verstossuug Berthas, der Mutter Adelheids, bei König Hugo in grosse Gunst kamen, lässt sich nicht erweisen.

Adelheid blieb eben bei ihrer Mutter und wurde dadurch am besten und sichersten dem schamlosen Treiben, das am Hofe ihres Stiefvaters einriss, entzogen.

Allerdings geben die Quellen über die erste Lebensperiode Adelheids nur dürftige Nachrichten, indes berechtigt dieser Umstand keineswegs zu einer solchen Annahme, wie die Leos es ist. Adelheid erscheint immer!)(so unter ihrem ersten Gemahl Lothar II., wie unter ihrem zweiten Gemahl Otto I.) als eine durch Reinheit der Sitten ausgezeichnete, ihrer Stellung und Pflichten sich wohl bewusste Frau und Königin: eine Thatsache, die an sich allein schon hinlänglich beweist, dass sie sich den verderblichen Einflüssen jener oder anderer„italienischen Weiber“ stets durchaus ferne gehalten hat, wie sie sich| denn auch nie mit der durch ihre schlimmen Leidenschaften berüchtigten Willa, der Gattin Berengars II. und Nichte König Hugos, hat befreunden können,

1) efr. für die Zeit vor ihrer Vermählung mit Otto,Liutpr. ant. IV 12,

Widuk. II 7, Annal. Quedlinb. 91.

Eine„Schule“ hat Adelheid in Italien, zumal nach Lothars Il. Tode,

allerdings durchgemacht, aber nicht die, welche Leo meint, sondern die ebenso