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nur zu ſehen und die rohe Thatſache, losgelöſt von ihrer Umgebung, aufzuzählen, ſondern er muß uns die Urſache, wenn nicht ganz aufdecken, ſo doch wenigſtens fühlen laſſen. Jedes Ding oder jede Handlung hat zwei Seiten, eine bewegliche und veränder⸗ liche, die die Illuſion des Lebens verleiht, das, was an den Dingen für uns Intereſſe hat und allein an ihnen hervortritt, und eine andere, mechaniſche, die immer dieſelbe iſt und unſere Auf⸗ merkſamkeit nicht erweckt. Die erſte Aufgabe des Künſtlers iſt das Sehen, aber dergeſtalt, daß er die ſichtbare Welt unter dem perſönlichen Geſichtspunkt ſieht; er muß die Dinge ſchildern nach der Bedeutung, die ſie für uns, unſer Denken und Fühlen gewonnen haben. Darin liegt die Rechtfertigung des Realismus, daß alles ſpricht und wirklich verdient gehört zu werden. Die große Kunſt iſt die, daß man den Geiſt der Dinge ergreift und wiedergibt, d. h. das, was das Individuum mit dem Ganzen und jeden Teil des Augenblicks mit der ganzen Zeit verbindet.
Nach alledem beſteht das Kunſtwerk weniger in der kleinlichen Wiedergabe der ungeordneten Maſſe von Bildern, die dem Auge begegnet, als in der Perſpektive, die in dieſe Bilder eingeführt wird. Künſtler ſein heißt nach einer Perſpektive ſehen und dem⸗ gemäß eine innere und originale Perſpektive haben zum Unterſchied von dem erſten Beſten, der die Dinge betrachtet. Die großen Genies der Litteratur haben kein einziges Porträt oder Kopie eines lebenden Individuums wiedergegeben. Selbſt wenn ſie wirkliche Typen ſich zum Vorbild nahmen, haben ſie ſie umgeformt und ihnen bezeich⸗ nende und ſuggeſtive Züge verliehen, denn das Genie arbeitet die Natur immer in gewiſſem Sinne um, bereichert und entwickelt ſie. Dieſe Entwicklung iſt am häufigſten im logiſchen Sinn, denn der menſchliche Geiſt, der bewußter und überlegter iſt als die Natur, iſt auch vernünftiger und ſyſtematiſcher.„On peut ne pas se rendre compte entièrement de soi à soi-même, mais on aime à comprendre et à ramener à l'unité les actions ou les pensées d'un personnage re- présenté dans une œuvre d'art; et de fait tous les grands types dramatiques, en dehors de quelques bizarreries voulues chez Hamlet, sout des caractères bien arrêtés, de véritables doctrines vivantes.“
Das natürliche perſpektiviſche Zentrum für jeden Menſchen iſt ſein Ich, die Reihe ſeiner Bewußtſeinszuſtände. Dieſes Ich iſt


