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Unter den Typen kann man unterſcheiden die komplizierteren, geiſtigen und zugleich moraliſchen, die philoſophiſchen Typen, inſofern ſie die philoſophiſche Lage einer ganzen Epoche gegenüber dem Leben und dem Geſchick zuſammenfaſſen, ſodann die ein⸗ facheren rein moraliſchen, die nur Tugenden oder Laſter perſonifizieren, zuletzt die ſozialen Typen, die den Menſchen einer Epoche, einer gegebenen Geſellſchaft darſtellen.
Die ſozialen Bedingungen für dieſe Typen ſind einmal ewige, die ſelbſt in den wildeſten Geſellſchaften verwirklicht ſind, außerdem konventionelle, die ſich nur in einer beſtimmten Nation, an einem beſtimmten Punkte ihrer Geſchichte finden. Aus der beſtändigen Entwicklung, der das ſoziale Leben, dieſes höchſte Objekt der Kunſt, unterworfen iſt, ergibt ſich die Schwierigkeit, feſte Regeln für die Kunſtkritik aufzuſtellen.
Zweifellos beſteht auf dem Grund eines jeden Individuums wie jeder Epoche ein Kern lebhafter Empfindungen und ſpontaner Gefühle, die ihm mit allen anderen Individuen und Epochen gemeinſam ſind Dieſer Mittelpunkt, wo das Individuum ſich mit der ewigen Menſchheit verbindet, iſt nur ein Punkt des geiſtigen Lebens; er kann nicht das einzige Objekt der Kunſt bilden und iſt faſt nur in der lyriſchen Poeſie erreicht. Dagegen beruht die dramatiſche oder epiſche Kunſt vielmehr auf ſozialen Vorausſetzungen (conventions sociales). Sie zerfallen in zwei Gattungen, die des ſozialen Lebens ſelbſt und die der Kunſt, die oft die Konſequenz der erſteren ſind. Die Kunſt kann daher nur aus ihrer Zeit heraus begriffen werden. Jede Kunſt ſtützt ſich auf Gewohnheiten: die erkünſtelte Kunſt(l'art factice) auf gekünſtelte und vergängliche Ge⸗ wohnheiten, auf Moden; die dauernde Kunſt(l'art durable) auf Gewohnheiten, die das Weſen bedingen.
Dem Konventionellen und Vergänglichen entgeht die Kunſt durch die Spontaneität des individuellen Gefühls. Das Zeichen für ein ſpontanes und intenſives Gefühl iſt eine einfache Sprache. Die lebhafteſte Erregung findet ihren Ausdruck in einer Reflex⸗ bewegung und in einem dem Schrei ähnlichen Wort. Allein dieſe Einfachheit der Sprache hindert keineswegs den Reichtum des Ge⸗ dankens, der ſich in ihr kondenſiert. So kann das Einfache eine höhere Stufe in der Verarbeitung des Mannigfachen bezeichnen und


