B.
Die Prinzipien der ſoziologiſchen Aſthetik.
I. Theorie der Erregungen.
übertragung der Erregungen.— Direkte und indirekte Mittel der
Übertragung.— Die Solidarität als Prinzip der äſthetiſchen
Erregung.— Das Schöne und geiſtig Angenehme ſind identiſch.—
Bedeutung des Anthropomorphismus.— Schönheit der Abſtraktionen.
— Sozialer Charakter des höchſten moraliſchen Gefühls.— Sym⸗
pathie als Prinzip der künſtleriſchen Erregung.— Definition der künſtleriſchen Erregung.
A. Der ſoziale Charakter der Erregungen im Allgemeinen.
Die Übertragung der Erregungen und der in Wechſelwirkung ſtehenden geiſtigen Zuſtände zwiſchen allen— namentlich den in Geſellſchaften oder Familien— lebenden Weſen iſt konſtant. Dieſe Üübertragung der Erregungen zwiſchen den einzelnen Organismen kann bewußt oder unbewußt, direkt oder indirekt ſtattfinden, d. h. vermittelſt erklärbarer Zeichen.
Übertragungen von Bewegungen und pſychiſchen Zuſtänden finden ſtatt im Zuſtande des Somnabulismus und der einfachen Üüberreizung des Nervenſyſtems ¹). Dieſe Überführung der Erregungen, die ſchon auf größere Entfernungen ſtatt hat, wird erhöht durch die Berührung, dem ſtärkſten Mittel, zwei Nervenſyſteme in Ge⸗ meinſchaft zu bringen(socialiser). Die Berührung als eigentlicher „Lebensſinn“ tritt namentlich in Wirkung bei den Beziehungen zwiſchen den Geſchlechtern, den Kindern und den Eltern. Außer dem Gefühl hatte in früheren Perioden der Entwickelung auch der
1) Vgl. Janet, Rev. philoſ. Aug. 1886.


